was Sie zu tun haben, erwiderte Nordheim mit Heftigkeit. Nur noch eins erlauben Sie mir zu sagen, da ich Ihre Familienverhältnisse ganz und gar nicht kenne, und nicht weiss, wie sehr Sie darauf Rücksicht zu nehmen haben. – Als ein vertrauter Freund des Pflegevaters Ihrer Geliebten, verspreche ich Ihnen, dass Sie über ihre Geburt, wenn es möglich ist, Aufklärung erhalten sollen. Sollte es unmöglich sein, Ihre Wünsche über diesen Punkt zu befriedigen, so nehmen Sie von mir die Versicherung an, dass Agnes in einen Stand erhoben werden soll, der ihre Existenz in D. glänzend machen wird. Auch soll sie ihrer Familie ein Vermögen hinterlassen, das ihren Enkeln den Verlust der Ahnen ersetzen kann.
Julius antwortete: wenn er dich glücklich machen könnte, so bedürfe er keines fremden Motivs, dich zu heuraten, als seiner Liebe. Aber er sei nie gewohnt, nach andern Gesetzen zu handeln, als nach denen, die ihm sein eigenes Herz vorschriebe. Für heute nichts mehr, sagte Nordheim mit unterdrücktem Unwillen. Ich hoffe, Sie sind morgen einig mit mir, dem lieben Mädchen alles Erröten zu ersparen. Wo nicht, – so kenne ich meine Pflicht, die Unschuld in meinem haus vor jeder Beleidigung zu beschützen.
Ich vermute, es fielen noch mehrere Anzüglichkeiten unter ihnen vor. Julius hat nach der Stadt geschickt, um seine Pferde kommen zu lassen; sein Reitknecht hält am Schlosstor, auch höre ich, dass er ein Billet für Nordheim zurück zu lassen gedenkt.
Julius ist voll Liebe für meine Agnes, voll Glauben an ihre reine Sitten, und wünschte nichts eifriger, als dir seine Hand zu geben, nachdem er Nordheim überzeugt haben würde, dass einzig der Wunsch seines Herzens eine Verbindung zwischen euch schliesse. Mein Alban ist heftig dagegen, bis du dich über die geschichte der vergangenen Nacht gerechtfertigt hättest. Er fürchtet, Nordheim liebe dich selbst, wolle aber wegen seines Verhältnisses mit der Gräfin nicht heuraten, und wünsche dir durch eine Verbindung mit Julius ein bleibendes Etablissement in D. zu verschaffen. Auch die Neigung des Prinzen für dich, die sich gestern Abend so lebhaft äusserte, erregte Verdacht bei ihm. O was für unselige Umstände mussten zusammentreffen, um dieses Misstrauen in dem edlen Herzen meines Albans zu erzeugen! Elise sank an meine Brust und weinte heftig. Beste Agnes! rief sie aus, ich beschwöre dich, löse diese schmerzliche Verwirrung durch ein offenherziges geständnis. Du kannst keine Schuld haben! und ach! die halbe Freude meines Lebens ist dahin, wenn mich der Argwohn Albans von dir trennt.
Die treue Liebe des guten Mädchens stillte gleich einem labenden Tau die Glut der Verwirrung in meinem inneren. Wie friedebringend und wie achtungswert ist der stille Sinn, der die Gestalten seiner Liebe fest und rein zu bewahren vermag, in jenem Gewirre ungünstiger Verhältnisse!
Du vertraust meiner Unschuld mit Recht, liebstes Kind, sagte ich Elisen. Ich verdiene deine Freundschaft, und du sollst ewig die meinige besitzen. Aber wir müssen jetzt vor allen Dingen suchen, den Irrtum zwischen den zwei lieben Männern aufzuklären. Sage Julius, dass ich ihn vor seiner Abreise zu sprechen wünsche, und ich will Nordheim bitten lassen, auf einen Augenblick in mein Zimmer zu kommen.
In kurzem erschienen sie beide zugleich, und waren etwas verwundert, einander anzutreffen. Ich suchte alle Verlegenheit zu überwinden, nahm Nordheims und Julius Hand, und sagte: Da ich die unglückliche Ursache eines Missverständnisses zwischen zwei edlen Gemütern bin, so wünsche ich, sie auch wieder zu vereinen.
Sie tun mir Unrecht, Herr von Nordheim, wenn Sie an meinen Sitten zweifeln: – ich muss und will es ohne Verteidigung dulden, aber wenn Sie auch keinen Glauben an mich fassen konnten, hätten Sie nicht das Andenken an meinen Vater in Hohenfels zu hülfe rufen können? Sollte die Kraft zum Rechten und Guten so schnell in einem Gemüte verblühen, das durch seine Pflege gebildet wurde? Herr von Alban hat sich immer als ein edler grossmütiger Freund gegen mich betragen, und eben darum könnte ich seine Hand nicht annehmen, da ich keinem Freunde eine Frau zu geben wünschte, deren Verhältnisse sie vielleicht zuweilen nötigen könnten, den Anstand der Pflicht aufzuopfern. Auch ich, für mich, bin ganz und gar nicht in der Lage, für jetzt an eine solche, Verbindung zu denken. –
Und nun, meine teuren Freunde, geben Sie mir die Ruhe wieder durch die Gewissheit, dass kein Zweifel mehr zwischen Ihnen Statt haben kann. Das Schicksal eines unbedeutenden Mädchens soll nicht edle Männer entzweien, die bestimmt sind, sich zu schönen Taten zu vereinigen.
Nordheim und Julius waren bewegt. O wer, rief Nordheim aus, wer würde nicht von dieser Sprache der Unschuld und Wahrheit, selbst gegen das zeugnis seiner eigenen Sinne hingerissen! Herr von Alban, sagte er, indem er Julius die Hand zur Versöhnung bot, wenn ich Sie durch Misstrauen beleidigte, so verzeihen Sie es der sorge für dieses liebenswürdige Kind, und helfen Sie mir auch von ihr Verzeihung erbitten! Julius fasste Nordheims Hand, und ich drückte die beiden lieben vereinten hände herzlich an meine Brust. Meine Tränen flossen unaufhaltsam, mein tiefstes Wesen war aufgeregt von süssen, von schmerzlichen Empfindungen, ich musste mich entfernen.
Bettina benutzte einen günstigen Augenblick, wo sie mich allein im Garten fand. "Ich habe eine Bitte an Sie, sagte Sie mir leise. O bewegen Sie Herrn von Nordheim und die Gräfin, dass