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falsch sein! aber welche fatalen Umstände zwangen dich ... – Was redest du, liebes Mädchen, fragte ich bewegt, wer beschuldigt mich der Falschheit? – Ich sollte dir schweigen, musste selbst meinem Alban versprechen, dass ich es wollte, fuhr sie fort, aber ich vermag es nicht, und ich will es nicht vermögen! Als ich von dir ging, wollte ich auf den Balkon im grossen Saal, der Morgenluft geniessen, und fand die beiden Albans in heftigem Wortwechsel auf- und abgehen. Beide grüssten mich mit so verstörten Gesichtern, dass ich meinen Alban fragte, was geschehen sei.

Wir streiten über Agnes, sagte er mir, und ihre sonderbare geheimnissvolle Aufführung .... – Die wir, eben weil sie geheimnissvoll ist, nicht tadeln können, erwiderte Julius... – Aber die wir auch nicht ehren sollen, bis wir sie kennen, sagte mein Alban mit grosser Heftigkeit, nicht mit einem unauflöslichen Band in unsere eignen Verhältnisse verflechten, und zu unserer eignen Schande machen müssen. – Bruder, nur du darfst mir dieses ungestraft sagen, rief Julius, und verbiss seinen glühenden Unmut. Ich bat um Erläuterung über den Anlass zu diesem Streit, und Julius erzählte mir den Vorfall der gestrigen Nacht. Und bemerken Sie, Elise, sagte mein Alban, dass ich um dieselbige Stunde aus meinen Fenstern, die auf den Garten gehen, eine vermummte weibliche Gestalt durch denselben hereinkommen sah, die ihr Licht auslöschte, als sie sich dem Schloss näherte. Wenige Minuten nach ihr kam aus einem kleinen Pavillon am Ende des Gartens Herr von Nordheim, den ich ganz deutlich erkennen konnte, weil er ein Licht trug.

Erzähle nun weiter, Nordheims Anmutung ... – Das ist alles nichts beweisend, fiel Julius ein, gegen Personen, für die man lang verdiente achtung hegte. – Das ist der Fall bei Agnes, aber Nordheim kennen wir persönlich seit wenigen Tagen, und können über seine Sitten nicht urteilen, fiel Alban ein. Männer von so entschiedenen Verdiensten haben eine Toleranz vom Publikum zu erwarten, die sie selten vergessen in Anschlag zu nehmen. Über das Betragen gegen die Weiber herrschen sehr schwankende Maximen in der Welt, und dass Nordheim nicht unter diejenigen gehört, die sich streng an die einmal eingeführte Regel binden, das zeigt er durch sein verhältnis mit der Gräfin. Er ist zartfühlend, und das Mitleid für ein liebenswürdiges Mädchen wie Agnes, könnte ihn leicht bewegen, sie auf deine Unkosten aus einer Verlegenheit zu ziehen, da er deine Liebe für sie kennt. Undankbar ist es wenigstens nicht. Menschen, die viel Verkehr mit der politischen Welt haben, gewöhnen sich leicht, alles was sie umgiebt, für Schachsteine anzusehen, die sie nach ihren Bedürfnissen hin und wieder schieben können. Nun bat er Julius, mir den Vorgang mit Nordheim zu erzählen, um mich selbst urteilen zu lassen.

Als ich in mein Zimmer zurückkam, begann Julius, kam mir Nordheim mit ernster Miene entgegen, und sagte: Herr von Alban, ohne meine Erinnerung werden Sie wissen, was ein Mann von Ehre zu tun hat, wenn er ein liebenswürdiges Mädchen in den Fall setzte, Schwachheiten für ihn zu zeigen. Ich traue Ihnen zu viel Charakter zu, um zu befürchten, dass Sie sich durch eine Laune des Herzens berechtigt hielten, Opfer anzunehmen, die ein weibliches Herz nur der treuen festen Neigung ohne Schaden bringen kann. Wenn Sie wahrhaft lieben, bedürfen Sie keiner Erinnerung, aber sollten Sie derselben bedürfen, so bin ich nicht der Mann, in dessen Angesicht man die sanfte Hingebung eines weichen Herzens ungerügt missbraucht.

Julius sagte ihm, dass er sich irre, dass er aus einem ganz unvermuteten Zusammentreffen falsche Folgerungen ziehe, dass du, meine Agnes, einet leichtsinnigen Schwachheit so unfähig seist, als er selbst der Verführung. Die Unbesonnenheit, die er mit dem verrufenen Zimmer im Comödienhause begangen, und über die er seit einigen Tagen gelegenheit gesucht, sich gegen ihn zu erklären, mit dem Zufall in dieser Nacht zusammen genommen, könnten natürlich Verdacht bei Nordheim erregen; – aber dass er ungegründet sei, versichere er ihn bei seiner Ehre, und hoffe es zu beweisen.

Elise gab mir hier zuerst Nachricht von jenem Vorfall, welchen ich früher anführte, der mich in nicht geringe Verlegenheit brachte, aber auf der andern Seite doch auch über Nordheims ungleiches Betragen beruhigte.

Nordheim sei unüberzeugt geblieben, sagte mir Elise ferner. Mit Augen voll Unwillens, und mit verbissenen Lippen habe er lang geschwiegen, und dann zu Junus gesagt: Was soll ich von Ihnen denken? Ich hoffe nur aus jener, der wahren Liebe so natürlichen Feinheit wünschen Sie Ihr Glück profanen Augen zu verbergen. Aber Sie tun mir Unrecht. Ich habe kein gefühlloses Herz für die Verirrungen einer jugendlichen Neigung. Es hängt nur von Ihrem fernern Betragen ab, ob ich Sie tadeln, oder Ihnen aufrichtig Glück wünschen soll. Das Glück muss den Blüten des Genusses folgen, sonst fällt mit diesen Blüten die beste Kraft unsers Wesens ab. Was bleibt, bei den einmal festgestellten Verhältnissen, einem armen Mädchen, die mehr Zärtlichkeit als Klugheit besass, anders, als bittre Reue? Und wenn wir nicht entartet sind, was kann uns bleiben, als der Unfrieden eines Räubers?

Julius wiederholte ihm von neuem, dass sein verhältnis mit dir ganz und gar nicht von der Art sei, wie er es wähne.

Herr von Alban, Sie werden wissen und fühlen,