dringendes Bitten, am Wagen. Mein Gemüt war verwirrt durch die Gewalt der süssen und schmerzlichen Eindrücke, die ich in dieser Nacht empfangen hatte. Mein Schlaf war nur eine fieberhafte Ermattung, und meine Träume wiederholten die empfundenen Scenen in den sonderbarsten Zusammenstellungen. Mit den Morgenstralen ging mir die Wirklichkeit in ihrem lieblichen Schimmer auf; der Gedanke an meine Mutter, der blick auf meine so glücklich verwandelte Lage, die Ahndung einer schönern Zukunft beruhigten mein Herz über den Verlust des Geliebten. Aber was soll ich hier, hier in diesem haus, wenn mich seine Liebe nicht hieher rief? Warum traute ich auch Rosinens Geschwätz, und nahm das bedeutungsvolle Schweigen meines Vaters nicht einzig zum Leitstern meiner Gefühle? Er liebt ja diese Amalie ... warum hörte ich nicht auf den Nahmen, der mir in der ersten Viertelstunde warnend von seinem Ringe entgegen rief? der sich als ein unglückweissagender Dämon zwischen die ersten Wallungen meines Herzens für ihn drängte?
Die Gräfin kam in einer ungewöhnlich zierlichen Morgenkleidung, mich zu besuchen. Ein freundlicher Schimmer ergoss sich um ihre ganze Gestalt, ihre Bewegungen waren leichter und der Ton ihrer stimme sanfter. Seine Küsse schienen mir von ihren Lippen entgegen zu schweben. Nach zärtlichen fragen über mein Übelbefinden, von welchem sie durch Julius unterrichtet war, fragte sie, ob sie das Frühstück in mein Zimmer dürfe bringen lassen? Aber Sie müssen sich etwas ankleiden! rief sie mir zu, als sie schon halb zur tür hinaus war, denn ich bringe noch einen Fremden mit. Ich darf doch? – Sie eilte hinweg, ohne meine Antwort abzuwarten. Ihr Betragen schien mir Spott in meinen Verhältnissen; ich war schmerzlich bewegt, aber seit ich aus meines Vaters haus war, hatte ich die so nötige Kunst, Meister meiner äussern Bewegungen zu werden, genugsam erlernt.
Ich will mich nicht ankleiden, beschloss ich in einem Ausbruch kranker Empfindlichkeit; ich will Amalien zeigen, dass ich nicht mit ihr über die Vorzüge der Gestalt und des Schmuckes wetteifere! Ein blau seidnes Tuch war nachlässig um meine Haare geknüpft, und über mein alltägliches weisses Morgengewand warf ich nur ein Schawl um; wahr ist es, ich legte es so, dass es den Leib eng umschloss, und die Brust und arme nur leicht und in malerischen Falten drappirte. Du willst kalt und zurückhaltend sein, nahm ich mir vor, aber kaum war der geliebte Mann zum Zimmer hereingetreten, und hatte mich sanft und freundschaftlich gegrüsst, so sagte ich mir: Nein, du willst wahr und einfach sein! Eine herzliche Frage nach dem Befinden meines Vaters verbannte bald allen Zwang. Bei diesem teuren Nahmen verschwand alle Verwirrung, und ich fühlte mich in der fröhlichen Unbefangenheit meiner ersten Jugend.
sonderbar dünkte es mir, dass er es ganz vergessen zu haben schien, wie wir uns gestern gesehen hatten. Ich musste viel sprechen, und die Gräfin spielte ganz die Rolle einer gefälligen Freundin; sie gab mir Anlass, meine Ideen auf die beste Art zu entwickeln, und wusste den Faden der Unterhaltung so kunstreich fortzuspinnen, dass sich meine geringe Kenntnisse auf die natürlichste Art einflechten mussten.
Wissen Sie wohl, Nordheim, sagte sie bei einem Stillstand des Gesprächs, dass die liebe Kleine und ich uns noch sehr wenig kennen? Wir waren vielleicht nicht zwei ruhige Stunden ununterbrochen beisammen. Auch sehne ich mich aus dem Kreis der Karten und Würfel so herzlich hinaus, wie ein Kind aus der engen dumpfigen Schule sich nach der freien Himmelsluft sehnen mag. Wäre es nicht für Sie gewesen, so hätte ich es schwerlich so lange aushalten können. "Ich danke Ihnen herzlich für Ihre freundschaftliche Aufopferung, meine beste Freundinn, erwiderte Nordheim. Durch Ihre Bemerkungen bin ich kein Fremdling mehr auf dem Boden, den ich anbauen soll. Mein Hauptzweck, dem künftigen Fürsten seine Residenz angenehmer zu machen, wird sicher durch Ihr Bemühen erreicht. Der durch Sie umgestimmte Ton gibt der Masse der Gesellschaft einen modernen Anstrich, und der Prinz wird sie der B .. schen, die ihn bisher so sehr anzog, weniger unähnlich finden. Ich wünschte, gefällige Eindrücke fesselten seine Neigung an sein Land. Ich habe das Vertrauen des Prinzen nicht gesucht; aber da ich es gewonnen habe, so will ich es ehren, und keine Aufopferung schonen, um ein edles Gemüt, durch erfüllte Pflicht, im Frieden mit sich selbst zu erhalten."
"Ihre Bemerkungen über die Menschen in D .. sind so fein, so treffend, so im einfachen Sinn der Wahrheit dargestellt, dass ich sie unsrer Agnes einmal als ein Muster in dieser Art vorlesen werde. entfernt von der Sucht zu spotten, die lieber das Böse wahrnimmt, weil Witz und Laune besser damit spielen können, und gleichweit entfernt von der schwachsinnigen Gutmütigkeit, die nicht durch den äussern Firniss eines Karakters hindurchzuschauen vermag, erscheint Ihrem reinen, festen blick immer die Linie der Wahrheit. In ihrem gesellschaftlichen Benehmen, in ihren Erhohlungsstunden entschleiern die Menschen ihre Individualität am leichtesten, und am allerwichtigsten ist es, den Grundton eines Jeden zu kennen, ob Liebe, ob Egoismus das Übergewicht in seinem Handeln hat! Es freut mich, dass Sie einige Menschen von Gehalt unter den Geschäftsleuten fanden, auf die ich bei meiner Prüfung doppelt aufmerksam sein werde."
"Die beiden Albans nennen Sie mir? – Es scheinen mir Menschen von vorzüglichem Wert zu sein, erwiderte die gräfin. Unsre Agnes ist zu meinem Vergnügen sehr genau mit ihnen bekannt geworden, ich freute mich schweigend dieser