Seite, Nachtigallen sangen, und eine schöne Ruhe lud mich ein, mich niederzusetzen und auf das Plätschern einer Fontäne zu hören, die aus dichtem Gebüsche herausplauderte.
Ich sass eine Weile, als mich der liebliche Ton einer Harfe aufmerksam machte, und als ich mich umsah, ward ich die Büste Ariosts gewahr, die über einem kleinen Altar erhaben stand, unter dieser spielte ein schöner Jüngling auf dem Instrumente." –
Hier wurde die Erzählung des Ritters durch einen sonderbaren Vorfall unterbrochen.
Viertes Buch
Erstes Kapitel
In der Klause entstand ein Geräusch und Gezänk, gleich darauf sah man den Eremiten und Pilgrim beide erhitzt heraustreten, aus dem wald kam ein grosser ansehnlicher Mann, auf den Roderigo sogleich hinzueilte, und ihn in seine arme schloss. "Oh, mein Ludovico!" rief er aus, "bist du wieder da? Wie kömmst du hierher? geht es dir wohl? bist du noch wie sonst mein Freund?"
Jener konnte vor dem Entzücken Roderigos immer noch nicht zu Worte kommen, indessen die heiligen Männer in ihrem eifrigen Gezänk fortfuhren. Da Florestan den Namen Ludovico nennen hörte, verliess er auch Sternbald, und eilte zu den beiden, indem er aufrief: "Gott sei gedankt, wenn Ihr Ludovico seid! Ihr seid uns hier in der Einsamkeit unaussprechlich willkommen!"
Ludovico umarmte seinen Freund, indem Sternbald voller Erstaunen verlassen dastand, dann sagte er lustig: "Mich freut es, dich zu sehen, aber wir müssen doch dort die streitenden Parteien auseinanderbringen."
Als sie den fremden schönen Mann auf sich zukommen sahen, der ganz so tat, als wenn es seine Sache sein müsste, ihren Zwist zu schlichten, liessen sie freiwillig voneinander ab. Sie waren von der edlen Gestalt wie bezaubert, Roderigo war vor Freude trunken, seinen Freund wieder zu besitzen, und Florestan konnte kein Auge von ihm verwenden. "Was haben die beiden heiligen Männer gehabt?" fragte Ludovico.
Der Eremit fing an, seinen Unstern zu erzählen. Der Pilger sei derselbe, der seine Geliebte geheiratet habe, diese Entdeckung habe sich unvermutet während ihrer Gebete hervorgetan, er sei darüber erbittert worden, dass er nun noch zum Überfluss seinem ärgsten Feinde Herberge geben müsste.
Der Pilgrim verantwortete sich dagegen: dass es seine Schuld nicht sei, dass jener gegen die Gastfreiheit gehandelt und ihn mit Schimpfreden überhäuft habe.
Ludovico sagte: "Mein lieber Pilger, wenn dir die Grossmut recht an die Seele geheftet ist, so überlass jenem eifrigen Liebhaber deine bisherige Frau, und bewohne du seine Klause. Vielleicht, dass er sich bald hierher zurücksehnt, und du dann gewiss nicht zum zweiten Male den Tausch eingehen wirst."
Rudolph lachte laut über den wunderlichen Zank und über diese lustige Entscheidung. Franz aber erstaunte, dass Einsiedler, heilige Männer so unheiligen und gemeinen Leidenschaften, als dem Zorne, Raum verstatten könnten. Der Pilgrim war gar nicht willens, seine Frau zu verlassen, um ein Waldbruder zu werden, der Eremit schämte sich seiner Heftigkeit.
Alle Parteien waren ausgesöhnt, und sie setzten sich mit friedlichen Gemütern an das kleine Mittagsmahl.
"Du hast dich gar nicht verändert", sagte Roderigo.
"Und muss man sich denn immer verändern?" rief Ludovico aus; "nein, auch Ägypten mit seinen Pyramiden und seiner heissen Sonne kann mir nichts anhaben. Nichts ist lächerlicher, als die Menschen, die mit ernstaftern Gesichtern zurückkommen, weil sie etwa entfernte Gegenden gesehen haben, alte Gebäude und wunderliche Sitten. Was ist es denn nun mehr? Nein, mein Roderigo, hüte dich vor dem Anderswerden, denn an den meisten Menschen ist die Jugend noch das Beste, und was ich habe, ist mir auf jeden Fall lieber, als was ich erst bekommen soll. Eine Wahrheit, die nur bei einer Frau eine Ausnahme leidet. Nicht wahr, mein lieber Pilgrim? Du selbst kömmst mir aber etwas anders vor."
"Und wie steht es denn in Ägypten?" fragte Florestan, der gern mit dem seltsamen Fremden bekannter werden wollte.
"Die alten Sachen stehen noch immer am alten Fleck", sagte jener, "und wenn man dort ist, vergisst man, dass man sich vorher darüber verwundert hat. Man ist dann so eben und gewöhnlich mit sich und allem ausser sich, wie mir hier im wald ist. Der Mensch weiss nicht, was er will, wenn er sehnsucht nach der Fremde fühlt, und wenn er dort ist, hat er nichts. Das Lächerlichste an mir ist, dass ich nicht immer an demselben Orte bleibe."
"Habt Ihr die seltsamen Kunstsachen in Augenschein genommen?" fragte Franz bescheiden.
"Was mir vor die Augen getreten ist", sagte Ludovico, "habe ich ziemlich genau betrachtet. Die Sphinxe sehen unsereins mit gar wunderlichen Auen an, sie stehen aus dem fernen Altertum gleichsam spöttisch da, und fragen: 'Wo bist du her? was willst du hier?' Ich habe in ihrer Gegenwart meiner Tollkühnheit mich mehr geschämt, als wenn vernünftige Leute mich tadelten, oder andre mittlern Alters mich lobten."
"Oh, wie gern möchte ich Euer Gefährte gewesen sein!" rief Franz aus, "die Gegenden wirklich und wahrhaftig zu sehen, die schon in der Imagination unsrer Kindheit vor uns stehen, die Örter zu besuchen, die gleichsam die Wiege der Menschheit sind. Nun dem wunderbaren Laufe des alten Nils zu folgen, von Ruinen in fremder, schauerlicher, halbverständlicher Sprache