mit einer unglücklichen Liebe, die ihr Leben wegzehrte; vor einem Jahre machte sie eine Reise durch Deutschland, um sich zu zerstreuen und gesunder zu werden, aber sie reiste in ihre Heimat zurück und starb. Der Alte hat sie damals gesehen, und wie ich jetzt erfahre, nachher gemalt."
Franz war durch und durch erschüttert. Er stand auf und verliess den Saal. Er irrte umher, und warf sich endlich weinend an der dichtesten Stelle des Gehölzes nieder: die Worte, die ihn betäubt hatten, schallten noch immer in sein Ohr. – "So ist sie denn auf ewig mir verloren, die niemals mein war!" rief er aus. "O wie hart ist die Weise, mit der mich das Schicksal von meinem Wahnsinn heilen will! O ihr Blumen, ihr süssen Worte, die ihr mir so erfreulich wart! Du holdselige Schreibtafel, ihr Erinnerungen, ach! nun ist alles vorüber! Von diesem Tage, von heute ist meine Jugend beschlossen, alle jungen Wünsche, alle liebreizenden Hoffnungen verlassen mich nun, alles ruht tief im grab. Nun ist mein Leben kein Leben, mein Ziel, nach dem ich strebte, ist hinweggenommen, ich bin einsam. Das Haupt, das meine Sonne war, nach dem ich mich wie die Blume wandte, liegt nun unkenntlich im grab. Ja, Anselm, sie ist nun auch in den grossen weiten Wald wieder hineingeflogen, meine liebste Sängerin, die ich so gern an diesem Herzen beherbergt hätte, aller Gesang erinnert mich nur an sie, die fliessenden Waldbäche hier ermuntern mich, immerfort zu weinen, so wie sie selber tun. Was soll mir Kunst, was Ruhm, wenn sie nicht mehr ist, der ich alles zu Füssen legen wollte?"
Siebentes Kapitel
Am folgenden Tage kam Rudolph zurück, vor dem Franz sein Geheimnis nun noch geflissentlicher verbarg; er fürchtete den heitern Mutwillen seines Freundes, und mochte diese Schmerzen nicht seinen Spöttereien preisgeben. Rudolph erzählte ihm mit kurzen Worten die geschichte seiner Wanderschaft, wo er sich herumgetrieben, was er in diesen Tagen erlebt. Franz hörte kaum darauf hin, weil er mit seinem Verluste zu innig beschäftigt war.
"Du hast ja hier einen Verwandten gefunden", sagte Sternbald endlich, "aber mich dünkt, du freust dich darüber nicht sonderlich."
"Meine Familie", sagte jener, "ist ziemlich ausgebreitet, ich bin noch niemals lange an einem Orte geblieben, ohne einen Vetter oder eine Muhme anzutreffen. Darum ist mir dergleichen nichts Ungewöhnliches. Dieser da ist ein guter langweiliger Mann, mit dem ich nun schon alles gesprochen habe, was er zu sagen weiss. Ihr führt aber übrigens hier ein recht langweiliges Leben, und du, mein lieber Sternbald, wirst darüber ganz traurig und verdrüsslich, so wie es sich auch ziemt. Ich habe also dafür gesorgt, dass wir einige Beschäftigung haben, womit wir uns die Zeit vertreiben können."
Er hatte alle Diener des Schlosses auf seine Seite gebracht und beredet, auch einige andre, besonders Mädchen aus der Nachbarschaft eingeladen, um am folgenden Tage ein lustiges fest im wald zu begehn. Franz entschuldigte sich, dass er ihm nicht Gesellschaft leisten könne, aber Florestan hörte nicht darauf. "Ich werde nie wieder vergnügt sein", sagte Franz, als er sich allein sah, "meine Jugend ist vorüber, ich kann auch nicht mehr arbeiten, wenn ich in der Zukunft vielleicht auch geschäftig bin."
Der folgende Tag erschien. Florestan hatte alles angeordnet. Man versammelte sich nachmittags im wald, die Gräfin hatte allen die Erlaubnis erteilt, der kühlste, schattigste Platz wurde ausgesucht, wo die dicksten Eichen standen, wo der Rasen am grünsten war. Rudolph empfing jeden Ankömmling mit einem fröhlichen Schalmeiliede, die Mädchen waren zierlich geputzt, die Jäger und Diener mit Bändern und bunten Zieraten geschmückt. Nun kamen auch die Spielleute, die lustig aufspielten, wobei Wein und verschiedene Kuchen in die Runde gingen. Die Hitze des Tages konnte an diesen Ort nicht dringen, die Bäche und fernen Gewässer spielten wie eine liebliche Waldorgel dazu, alle Gemüter waren fröhlich.
Im grünen Grase gelagert, wurden Lieder gesungen, die alle Fröhlichkeit atmeten: da war von Liebe und Kuss die Rede, da wurde des schönen Busens erwähnt, und die Mädchen lachten fröhlich dazu. Franz wehrte sich anfangs gegen die Freude, die alle beseelte, er suchte seine Traurigkeit, aber der helle, liebliche Strom ergriff auch ihn mit seinen kristallenen plätschernden Wellen, er genoss die Gegenwart und vergass, was er verloren hatte. Er sass neben einem blonden Mädchen, mit der er bald ein freundliches Gespräch begonn, und den runden frischen Mund, die lieblichen Augen, den hebenden Busen heiter betrachtete.
Als es noch kühler ward, ordnete man auf dem runden Rasenplatze einen lustigen Tanz an. Rudolph hatte sich auf seine Art phantastisch geschmückt, und glich einer schönen idealischen Figur auf einem Gemälde. Er war der Ausgelassenste, aber in ihm spiegelte sich die Fröhlichkeit am lieblichsten. Franz tanzte mit seiner blonden Emma, die manchen Händedruck erwiderte, wenn sie den Reigen herunter ihm entgegenkam.
Da aber der Platz für den Tanz fast ein wenig zu eng war, so sonderten sich einige ab, um auszuruhen; unter diesen waren Florestan, Sternbald und die Blonde. Abseits befestigten Franz und Rudolph ein Seil zwischen zwei dicken, nahestehenden Eichen, ein Brett war bald gefunden und die Schaukel fertig. Emma setzte sich furchtsam hinein