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mich der Verzweiflung. Meine Gattin starb im Wochenbette, das Kind war tot. Ich lag in der kammer nebenan, und alles erlosch vor meinen Augen. Alles, was mich geliebt hatte, trat in einer fürchterlichen Gleichgültigkeit auf mich zu: alles, was ich für mein gehalten hatte, nahm wie Fremdling von mir auf immer Abschied.

Die Gestalten der Welt, alles, was sich je in meinem inneren bewegt hatte, verwirrte sich verwildert durcheinander. Es war, als wenn ich mich verlor, und das Fremdeste, mir bis dahin Verhassteste mein Selbst würde. So rang ich im Kampfe, und konnte nicht sterben, sondern verlor nur meine Vernunft. Ich wurde wahnsinnig, wie ich nachher gehört habe. Ich weiss nicht, wo ich mich herumtrieb, was mir damals begegnet ist. In einer kleinen Kapelle einige Meilen von hier fand ich zuerst mich und meine Besinnung wieder. Wie man aus einem Traume erwacht, und einen längst vergessenen Freund vor sich stehen sieht, so seltsam überrascht, so durch mich erschreckt, war ich selber.

Seitdem wohne ich hier. Mein Gemüt ist dem Himmel gewidmet. Ich habe alles vergessen. Ich brauche wenig, und dies wenige besitze ich durch die Guteit einiger Menschen.

Jetzt, im ruhigen Alter", fuhr er nach einigem Stillschweigen fort, "ist die natur mein vorzüglichstes Studium. Ich finde allentalben wunderbare Bedeutsamkeit und rätselhafte Winke. Jede Blume, jede Muschel erzählt mir eine geschichte, so wie ich Euch eine erzählt habe. Seht diese wunderbaren Moose. Ich weiss nicht, was alles dergleichen in der Welt soll, und doch besteht daraus die Welt. So tröste ich mich über mich und die übrigen Menschen. Die unendliche Mannigfaltigkeit der Gestalten, die sich bewegen, die gleichsam mehr ein Leben erstreben und andeuten, als wirklich leben, beruhigt mich, dass auch ich vielleicht so sein musste, und mich von meiner Bahn niemals so sehr verirrt habe, als ich wohl ehemals wähnte." –

Es war indessen spät geworden. Franz wollte gehen, ihm aber gern vorher etwas abkaufen, damit er ihm auf eine leichtere Art ein Geschenk machen könne. Er sah noch einmal umher, und begriff es selber nicht, wie ihm ein kleines Bild habe entgehen können, das er nun jetzt erst bemerkte. Es war das genaue Bildnis seiner Unbekannten, jeder Zug, jede Miene, soviel er sich nur erinnern konnte. Er nahm es hastig herab und verschlang es mit den Augen, sein Herz klopfte ungestüm. Als er darnach fragte, erzählte der Alte, dass es eine junge Dame vorstelle, die er vor einem Jahre gemalt habe; sie habe ihn besucht, und ihr holdseliges Gesicht habe sich seinem Gedächtnisse dermassen eingeprägt, dass er es nachher mit Leichtigkeit habe zeichnen können. Weitere Nachrichten konnte er von der Unbekannten nicht geben.

Franz bat um das Bild, das ihm der Alte gern bewilligte. Franz drückte ihm hierauf ein grösseres Geschenk in die Hand, als er ihm anfangs zugedacht hatte. Der Alte steckte es ein, ohne die Goldstücke nur zu besehen, dann umarmte er ihn und sagte: "bleibe immer herzlich und treu gesinnt, mein Sohn, liebe deine Kunst und dich, dann wird es dir immer wohl gehen. Der Künstler muss sich selber lieben, ja verehren, er darf keiner nachteiligen Verachtung den Zugang zu sich verstatten. Sei in allen Dingen glücklich!"

Franz drückte ihn an seine Brust und ging dann den Berg hinunter.

Er war durch die Erzählung des alten Mannes wehmütig geworden, es leuchtete ihm ein, dass es ihm möglich sei, sich auch über seine Bestimmung zu irren, dabei war mit frischer Kraft das Andenken und das Bild seiner Geliebten in seine Seele zurückgekommen. Er langte im schloss an, indem er den Weg kaum bemerkt hatte, von der Gräfin war er schon vermisst, sie war auf ihr Bildnis begierig, und er musste gleich am folgenden Morgen weitermalen. Franz fand sie an diesem Tage mutwilliger als je, sie scherzte und lachte, und auch Franz fühlte sich so vertraulich zu ihr, dass er ihr von seiner Wallfahrt zum alten Maler erzählte, dessen geschichte er ihr kürzlich wiederholte. Die Gräfin sagte: "Nun wahrlich, der alte Einsiedler muss Euch auf eine ungemeine Art liebgewonnen haben, da er so viel mit Euch gesprochen hat, denn es ist sonst schon eine grosse gefälligkeit, wenn er dem Fragenden nur ein einziges Wort erwidert, soviel ich aber weiss, hat er bisher noch keinem seine geschichte erzählt."

Franz zeigte ihr hierauf mir Zittern das Gemälde, das er gekauft harte. Die Gräfin sagte erstaunt: "Wie? Mein eigenes Bild bringt Ihr mit herunter, junger Mann? Die Aufmerksamkeit ist schmeichelhaft für mich." "Das Eurige?" rief Franz bestürzt und sich vergessend, und jetzt wurde ihm die Ähnlichkeit noch deutlicher, und auf einen Augenblick liess er sich durch den Gedanken entsetzen, dass es möglich sei. "Ach!" sagte die Gräfin plötzlich, und seufzte tief: "Nein, sie ist es, meine arme, unglückliche Schwester!"

"Eure Schwester?" sagte Franz erschrocken, "und Ihr nennt sie unglücklich?"

"Und mit Recht", antwortete die Gräfin, "sie hat viel gelitten, jetzt ist sie seit neun Monaten tot."

Franz verlor die Sprache, seine Hand zitterte, es war ihm unmöglich, weiterzumalen. Jene fuhr fort: "Sie trug und quälte sich