. Und liebst du mich denn? – Da küsst er ein Ja! Und wie ich ihm tief in die Augen nun sah, Da schlägt er mir grimmige Schmerzen; O böses Kind! ei wie tückisch du! Wo ist deine Milde, die liebliche Ruh? Wo deine Sanftmut, dein Scherzen? Da geht ein süss Lächeln ihm übers Gesicht: Ich liebe dich nicht! ich liebe dich nicht! Da setz ich ihn nieder zu Füssen. O weh mir! so ruft nun und weinet das Kind, Du Böse, o nimm mich auf geschwind, Ich will, ich muss dich küssen. Ich heb ihn empor, er schreiet nur fort, Er hört auf kein liebkosendes Wort, Er spreitelt mit Beinen und Händen: Mich ängstiget und betäubt sein Geschrei, Mich rühren die rollenden Tränen dabei, Er will die Unart nicht enden. Und grösser die Angst, und grösser die Not, Ich wünsche mir selbst und dem Kleinen den Tod, Ich nehm ihn und wieg ihn zum Schlafe: Und wie er nur schweigt, und wie er nur still, Vergass ich, dass ich ihn züchtigen will, Meine Lieb seine ganze Strafe. Da schlummert er süss, es hebt sich die Brust Vom lieben Atem, ich sättge die Lust Und kann genug nicht schauen: Wie ist er so still? Wie ist er so stumm? Er schlägt nicht, und wirft sich nicht wild herum, Er tobt nicht! es befällt mich ein Grauen. O könnte der Schlaf nicht Tod auch sein? Ich weck ihn mit Küssen; nun hör ich ihn schrein, Nun schlägt er, nun kost er, meine Wonne, mein
Sorgen,
Dann drückt er mich an die liebliche Brust, Nun bin ich sein Feind, dann Freund ihm und Lust: – So geht's bis zum Abend vom Morgen." Der Ausdruck war unbeschreiblich, mit welchem sie diese Verse sang, die sie im Augenblicke zu erfinden schien. Franz war in ihrem Anblick verloren. Sie stand auf und lehnte sich ermüdet an ihn, er musste sie durch die Baumgänge bis nach dem Garten des Schlosses zurückführen. "Noch einmal dank ich Euch für die tröstliche Nachricht", sagte sie mit einem Händedrucke, verliess ihn und ging hüpfend in das Haus. Franz sah ihr lange nach, dann setzte er sich in einer abgelegenen Laube nieder, und dachte über die wundersamen Gefühle, die ihm ihr wechselndes Betragen, ihr Liebreiz und ihre Erzählung erregt hatten. Der junge Arnold gesellte sich zu ihm, und da dieser ihn so tiefsinnig sah, sagte er: "Wie nun, mein junger Maler, wie steht es um Euch? Fühlt Ihr auch schon die zauberischen Netze, die sich um Euch her ziehen, und denen Ihr bald nicht mehr werdet entrinnen können, wenn Ihr nicht kühn sie früh genug zerreisst? Ich sah Euch heute mit einem Gefühl von Eifersucht und Mitleid nach; gesteht es nur, dass Ihr Euch an einem gefährlichen Abhange befindet."
Franz erzählte ihm treuherzig, was vorgefallen war, und verschwieg ihm den Eindruck nicht, den die Schönheit und die reizende Beweglichkeit der Gräfin auf ihn gemacht hatten. "Ja", rief Arnold aus, "es ist etwas Furchtbares in dieser Schönheit, wenn sie ohne Schonung so grausam mit ihrer Macht spielen will. Ich bin seit meiner frühen Jugend in diesem haus, und sah dieses sonderbare und reizende Wesen sich bilden. Sie ist die Freundlichkeit und Liebe selbst, mit Wohlwollen, ja Zärtlichkeit kommt sie jedem entgegen, sie weiss Vertrauen zu erregen, und bald meint der Getäuschte, dass er ihr unentbehrlich sei. Doch wie ihm das lose Spiel sich in Ernst verwandelt, wie sie es fühlt, dass jener sie sucht und wünscht, dass das leichte Verhältnis sich fest und fester knüpfen soll, so zieht sie sich zurück, doch ohne den Faden zu zerschneiden, an welchem der Gefangene flattert. So hatten sich ihr viele Männer mancherlei Gemütes aus der Nachbarschaft und Ferne genähert, und alle waren in diese seltsame Jagd befangen worden. So gewöhnt, aus dem Leben, der Liebe, der Rührung und dem süssen Wechsel zarter Empfindungen ein Spiel zu machen, und jeden neuen Gegenstand als Spiegel zu gebrauchen, in welchem sie sich selbst nur mit Wohlgefallen betrachtete, erschien ihr endlich jener Ritter aus Franken, von dem sie Euch erzählt hat. Er war ein feingebildeter, ja schöner Mann, weich und poetisch wie sie selbst, ebenso in Träumen lebend und süssen Gefühlen schwelgend. Sie wurden sich bald unentbehrlich, einer schien des andern nur bedurft zu haben, um den ganzen Reichtum seines inneren Lebens zu erkennen und zu geniessen. Endlich war gefunden, was sie umsonst bisher gesucht hatte, und sie erklärten laut ihre bevorstehende Verbindung.
Das ernste Wort war ausgesprochen, welches den Liebenden seines unwandelbaren Glückes versichert, beide aber schienen vor diesem Ernst des Lebens zurückzuzittern, der alle ihre Träume und ihr buntes Spielwerk zu zerbrechen drohte. Und gewiss, hat die leidenschaft nicht so alle Kräfte ergriffen, die tiefste sehnsucht das ganze Herz so durchdrungen, dass beide sich wie zum tod gern und willig opfern, und keine Jugend mehr leben, und keine neuen Wünsche und Rührungen mehr finden wollen, so darf die Seele, die in den Wogen des Wohllauts schwimmt und mit Träumen der Entzückungen gaukelt, davor erzittern, dass nun das Höchste, das letzte Ziel errungen werden soll, hinter welchem Wahrheit, Ruhe, stille Befriedigung, wie ebenso viele