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und freudig bewegt sich der Hain,

Streckt die Zweig entgegen dem Zauberlicht.

Fangen die Geister auf den Fluten zu springen,

Tun sich die Nachtblumen auf mit Klingen,

Wacht die Nachtigall im dicksten Baum,

Verkündet dichterisch ihren Traum,

Wie helle, blendende Strahlen die Töne

niederfliessen,

Am Bergeshang den Widerhall zu grüssen.

Flimmern die Wellen,

Funkeln die wandernden Quellen,

Streifen durchs Gesträuch

Die Feuerwürmchen bleich. –

Wie die Wolken wandelt mein Sehnen,

Mein Gedanke, bald dunkel, bald hell,

Hüpfen Wünsche um mich wie der Quell,

Kenne nicht die brennenden Tränen.

Bist du nah, bist du weit,

Glück, das nur für mich erblühte?

Ach! dass es die hände biete

In des Mondes Einsamkeit.

kommt's aus dem wald? schleicht's vom Tal?

Steigt es den Berg vielleicht hernieder?

Kommen alte Schmerzen wieder?

Aus Wolken ab die entflohne Qual?

Und Zukunft wird Vergangenheit!

Bleibt der Strom nie ruhig stehen.

Ach! ist dein Glück auch noch so weit,

Magst du entgegengehn;

Auch Liebesglück wird einst Vergangenheit.

Wolken schwinden,

Den Morgen finden

Die Blumen wieder:

Doch ist die Jugend einst entschwunden,

Ach! der Frühlingsliebe Stunden

Steigen keiner sehnsucht nieder.

Fünftes Kapitel

Am folgenden Morgen stand der junge Maler früh auf und durchstreifte die Säle des Schlosses. Er stand vor dem Bilde eines Mannes still, das ihm bekannt schien, der Abgebildete war in Rittertracht und das Gesicht desselben hatte einen anmutigen Ausdruck. Indem er noch sann, kam Rudolph zu ihm, welcher ihn aufsuchte, um auf einige Tage Abschied von ihm zu nehmen, weil er mit seinem dichterischen Vetter eine Reise in das Land tun wollte, um andre, noch entferntere Anverwandte zu besuchen. Franz machte ihn auf das Bild aufmerksam, und glaubte nach längerer Betrachtung jenen Mönch wiederzuerkennen, welcher ihn so angezogen hatte, doch Rudolph eilte nach seiner leichtsinnigen Art über diese scheinbare Entdeckung weg, und zog ihn zum Frühstück, nach welchem er sogleich abreisen wollte.

Franz trennte sich ungern von ihm, weil er sich im weitläuftigen haus unter so vielen Menschen ohne ihn einsam fühlte. Die Gräfin liess ihn rufen, um ihr Bild anzufangen. Sie war in einem leichten, reizenden Morgenkleide und kam ihm mit der lieblichsten Freundlichkeit entgegen. "Ich habe Euch darum so früh rufen lassen", fing sie an, "weil ich wünsche, dass Ihr mein Bild, welches Ihr für mich malen wollt, mit der grössten Lust ausführtet; ich habe aber immer geglaubt, dass auf die Kleidung, ihre Form und Farbe vieles ankomme, und darum will ich mit Euch wählen, welche Ihr mir am zuträglichsten haltet. Ihr, als Maler, müsst das am besten verstehn, und die Weiber, welche gefallen wollen, sollten die Künstler öfter zu Rate ziehen."

Sie ging mit ihm in ein anstossendes Zimmer, dessen Fenster von aussen mit grünen verschränkten Zweigen bekleidet waren, und ein dämmerndes Licht, wie in einer traulichen Kapelle bildeten; hier erschien die Gräfin in ihren leichten und anmutigen Bewegungen noch reizender. Es waren Kleider von verschiedenen Farben ausgebreitet, Franz wählte ein grünes von Sammet dessen Ausschnitte mit Gold reich und prachtvoll geschmückt waren; er entfernte sich wieder in den Saal, und nach wenigen Minuten stand sie vor ihm, das grüne Gewand weit und anmutig um sie fliessend, Ärmel, Saum und Busen von Golde glänzend, und auf den schweren niederhängenden Locken ein goldenes Netz, das halb das Haupt von einer Seite nur bedeckte, mit grünem Bande, wie mit Laub durchzogen. Sie nahte ihm lächelnd, und Franz fühlte in diesem Augenblicke, welche wunderbare Macht die Schönheit über das Herz ausüben könne, denn eine plötzliche Entzückung traf ihn wie ein Blitz, und er fühlte sich wie ohnmächtig. Noch bestimmter glaubte er die Unbekannte in diesem Schmucke vor sich zu sehen. Er musste sich mit ihr vor einen grossen Spiegel stellen, und er meinte in ein Zauberreich hineinzuschauen, als ihn im Spiegel die edle Gestalt mit den leuchtenden Augen und frischen Lippen schalkhaft und vertraulich anlächelte. "Nun", sagte sie, indem sie sich in einen Sessel warf, und den entblössten runden Arm mit seinem weissen Glanze auf seiner Schulter ruhen liess – "wie findet Ihr mich so?" Sternbald konnte erst keine Antwort auf diese Frage finden, endlich sagte er: "Glaubt mir nur, schönste Frau, dass ich noch nie geschmeichelt habe, aber wie der, der plötzlich zum erstenmal die schönste Musik in seinem Leben hörte, nicht gleich würde sagen können, wie und warum sie ihn entzückte, und welche Töne ihn am meisten hinrissen, so ist es mir bei Eurem Anblick: ich bin zu sehr von diesem Glanz überschüttet und geblendet, um wissen zu können, wann Ihr am schönsten seid."

Die Gräfin wurde still und nachdenkend, sie liess den reizenden Arm herunterfallen und sah vor sich hin, so dass die langen finstern Augenwimpern die feinen Wangen beschatteten. "Warum nur", sagte sie endlich, "immer wieder diese Freude an solchem Worte, und warum erschüttert es fast die Seele, wenn es so ernst und eindringlich gesprochen wird? Ich muss und will Euch glauben, dass Ihr nicht lügtund dochauch die Schönheit ist Lüge, Täuschung, Traum; sie flieht wie der Frühling, wie der Gesang, wie die Liebe, und nichts ist beständig, als diese unglückselige Unbeständigkeit." Mit einem tiefen Seufzer entfernte sie sich,