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mir seitdem überlegt, ich kann es Euch unmöglich für denselben geringen Preis lassen, für den Ihr das letzte bekommen habt.'

Ich verwunderte mich darüber, ich fragte ihn, warum er bei mir grade anfangen wolle, seine Sachen teurer zu halten, aber er liess sich dadurch nicht irremachen. Ich sagte, dass ihm das Gemälde wahrscheinlich stehnbleiben würde, wenn er seinem Eigensinne folgte, da ich es bestellt habe, und es kein andrer nachher kaufen würde, wie es ihm schon mit so manchen gegangen. Er antwortete aber ganz kurz: die Summe sei klein, ich möchte sie verdoppeln, es sei nicht zu viel, übrigens möchte ich ihn nicht weiter quälen.

Es verdross mich, dass der Maler gar keine Rücksichten auf meine Einwendungen nahm, ich verliess ihn stillschweigend, und er blieb nachdenkend auf seinem Sessel vor dem Bilde sitzen. Ich begriff es nicht, wie ein Mensch, der von der Armut gedrückt sei, so hartnäckig sein könne, wie er in seinem Starrsinne so weit gehe, dass er von seiner Arbeit keinen Nutzen ziehen wolle.

Ich strich im feld umher, um meinen Verdruss über diesen Vorfall zu zerstreuen. Als ich so herumging, stiess ich auf eine Herde Schafe, die friedlich im stillen Tale weidete. Ein alter Schäfer sass auf einem kleinen Hügel, in sich vertieft, und ich bemerkte, dass er sorgsam an einem Stocke schnitzelte. Als ich näher trat und ihn grüsste, sah er auf, wobei er mir sehr freundlich dankte. Ich fragte ihn nach seiner Arbeit, und er antwortete lächelnd. 'Seht, mein Herr, jetzt bin ich mit einem kleinen Kunststücke fertig, woran ich beinahe ein halbes Jahr ununterbrochen geschnitzt habe. Es fügt sich wohl, dass reiche und vornehme Herren sich meine unbedeutenden Sachen gefallen lassen und sie mir abkaufen, um mir mein Leben zu erleichtern, und deshalb bin ich auf solche Erfindungen geraten.'

Ich besah den Stock, als Knopf war ein Delphin ausgearbeitet, mit recht guter Proportion, auf dem ein Mann sass, welcher eine Ziter spielte. Ich merkte, dass er den Arian vorstellen solle. Am künstlichsten war es, dass der fisch unten, wo er sich an den Stock schloss, ganz fein abgesondert war, es war zu bewundern, wie ein Finger die Geduld und Geschicklichkeit zugleich haben konnte, die Figuren und alle Biegungen so genau auszuhöhlen, und doch so frei dabei zu arbeiten; es rührte mich, dass das mühselige Kunststück nur einen Knopf auf einem gewöhnlichen Stokke bedeuten solle.

Der alte Mann fuhr fort zu erzählen, dass er unvermutet ein Lied von diesem Delphin und Arian angetroffen, das ihm seiter so im Sinne gelegen, dass er die geschichte fast wider seinen Willen habe schnitzen müssen. 'Es ist recht wunderbar und schön,' sagte er, 'wie der Mann auf den unruhigen Wogen sitzt, und ihn der fisch durch seinen Gesang so liebgewinnt, dass er ihn sicher an das Ufer trägt. Lange habe ich mir den Kopf darüber zerbrochen, auf welche Weise ich wohl das Meer machen könnte, so dass man auch die Not und das Elend des Mannes gewahr würde, aber dergleichen war pur unmöglich, wenn ich auch die See mit Strichen und Schnitzen hätte daran machen wollen, so wäre es doch nachher nicht so künstlich gewesen, wie jetzt der Stock durch den feinen Schwanz des Fisches mit dem obern Bilde verbunden ist.'

Er rief einen jungen Burschen, seinen Enkel, der mit dem Hunde spielte, und befahl ihm das Lied abzusingen, worauf jener in einer einfachen Weise diese Worte sang:

Arian schifft auf Meereswogen

Nach seiner teuren Heimat zu,

Er wird von Winden fortgezogen,

Die See in stiller, sanfter Ruh.

Die Schiffer stehen von fern und flüstern,

Der Dichter sieht ins Morgenrot

Nach seinen goldnen Schätzen lüstern

Beschliessen sie des Sängers Tod.

Arian merkt die stille Tücke,

Er bietet ihnen all sein Gold,

Er klagt und seufzt, dass seinem Glücke

Das Schicksal nicht wie vordem hold.

Sie aber haben es beschlossen

Nur Tod gibt ihnen Sicherheit,

Hinab ins Meer wird er gestossen;

Schon sind sie mit dem Schiffe weit.

Er hat die Leier nur gerettet,

Sie schwebt in seiner schönen Hand;

In Meeresfluten hingebettet

Ist Freude von ihm abgewandt.

Doch greift er in die goldnen saiten,

Dass laut die Wölbung widerklingt,

Statt mit den Wogen wild zu streiten,

Er sanft die zarten Töne singt:

'Klinge Saitenspiel!

In der Flut

Wächst mein Mut,

Sterb ich gleich, verfehl ich nicht mein Ziel.

Unverdrossen

Komm ich, Tod,

Dein Gebot

Schreckt mich nicht, mein Leben ward genossen.

Welle hebt

Mich im Schimmer,

Bald den Schwimmer

Sie in tiefer, nasser Flut begräbt.'

So klang das Lied durch alle Tiefen,

Die Wogen wurden sanft bewegt,

In Abgrunds Schlüften, wo sie schliefen,

Die Seegetiere aufgeregt.

Aus allen Tiefen blaue Wunder,

Die hüpfend um den Sänger ziehen,

Die Meeresfläche weit hinunter

Beschwimmen die Tritonen grün.

Die Wellen tanzen, Fische springen,

Seit Venus aus den Fluten kam

Man dieses Jauchzen, Wonneklingen

In Meeresvesten nicht vernahm.

Arian sieht mit trunknen Blicken

Lautsingend in das Seegewühl,

Er fährt auf eines Delphins rücken,

Schlägt lächelnd in sein Saitenspiel.

Des Fisches Sinn zum Dienst gezwungen

Naht schon mir ihm der Felsenbank,

Er landet, hat den Fels errungen,

Und singt dem Fährmann seinen Dank.

Am Ufer kniet er, dankt den Göttern,

Dass er entrann