, "und unter allen diesen weiss vielleicht kein einziger von dem grossen Albrecht Dürer, der mit seinen Werken meinen ganzen Kopf einnimmt, den zu erreichen mein einziges Trachten ist! Sie wissen vielleicht kaum, dass es eine Malerei gibt und doch fühlen sie sich nicht unglücklich. Ich kann es nicht einsehn, wie man so fortleben könnte, so einsam und verlassen: und doch treibt jeder emsig sein Geschäft, und es ist gut, dass es so ist und so sein muss."
Die Sonne war indes hoch gestiegen und brannte heiss herunter, die Schatten der Bäume wurden kurz, die Arbeiter gingen zum Mittagsessen nach ihren Häusern. Franz dachte daran, wie sich nun Sebastian dem Albrecht Dürer gegenüber zu Tische setze und wie man von ihm sprechen würde. Er beschloss, auch im nächsten Gehölze still zu liegen, und seinen mitgenommenen Vorrat zu geniessen. Wie erquickend war der kühle Duft, der ihm aus den grünen Blättern entgegenwehte, als er in das Wäldchen eintrat! Alles war still, und nur das Rauschen der Bäume schallte und säuselte in abwechselnden Gängen über ihm weg durch die liebliche Einsamkeit, in dem Getöne und Murmeln eines Baches, der entfernt durch das Gehölz hinfloss. Franz setzte sich auf den weichen Rasen und zog seine Schreibtafel heraus, um den Tag seiner Auswanderung anzumerken, dann holte er frischen Atem, und ihm war leicht und wohl; er war jetzt über die Abwesenheit seines Freundes getröstet, er fand alles gut, so wie es war. Er breitete seine Tafel aus, und ass mit Wohlbehagen von seinem mitgenommenen Vorrate, er fühlte jetzt nur die schöne Gegenwart, die ihn umgab.
Indem kam ein Wandersmann die Strasse gegangen und grüsste Franzen sehr freundlich, es war ein junger rotbackiger Bursche, er schien müde und Franz bat ihn daher, sich neben ihn niederzusetzen und mit ihm vorliebzunehmen. Der junge Reisende nahm sogleich diesen Vorschlag an, und beide verzehrten gutes Muts ihre Mittagsmahlzeit und tranken den Wein, den Franz aus Nürnberg mitgenommen hatte. Der Fremde erzählte hierauf unserm Freunde, dass er ein Schmiedegeselle sei und eben auf der Wanderschaft begriffen, er gehe nun, die hochberühmte Stadt Nürnberg in Augenschein zu nehmen und da etwas Rechtes für sein Handwerk bei den kunstreichen Meistern zu lernen. "Und was treibt Ihr für ein Gewerbe?" fragte er, indem er seine Erzählung geendigt hatte.
"Ich bin ein Maler", sagte Franz, "und bin heute morgen aus Nürnberg ausgewandert."
"Ein Maler?" rief jener aus, "einer von denen, die für die Kirchen und Klöster die Bilder verfertigen?"
"Recht", antwortete Franz, "mein Meister hat deren schon genug ausgearbeitet."
"Oh", sagte der Schmied, "was ich mir schon oft gewünscht habe, einem solchen Mann bei seiner Arbeit zuzusehn! denn ich kann es mir gar nicht vorstellen. Ich habe immer geglaubt, dass die Gemälde in den Kirchen schon sehr alt wären, und dass jetzt gar keine Leute lebten, die dergleichen zu machen verstünden."
"Gerade umgekehrt", sagte Franz, "die Kunst ist jetzt höher gestiegen, als sie nur jemals war, ich darf Euch sagen, dass man jetzt so malt, wie es die frühern Meister nie vermocht haben, die Manier ist jetzt edler, die Zeichnung richtiger und die Ausarbeitung bei weitem fleissiger, so dass die jetzigen Bilder den wirklichen Menschen ungleich ähnlicher sehen, als die vormaligen."
"Und könnt Ihr Euch denn davon ernähren?" fragte der Schmied.
"Ich hoffe es", antwortete Franz, "dass mich die Kunst durch die Welt bringen wird."
"Aber im grund nützt doch das zu nichts", fuhr jener fort.
"Wie man es nimmt", sagte Franz, und war innerlich über diese Rede böse. "Das menschliche Auge und Herz findet ein Wohlgefallen daran, die Bibel wird durch Gemälde verherrliche, die Religion unterstützt, was will man von dieser edlen Kunst mehr verlangen?"
"Ich meine", sagte der Gesell, ohne sehr darauf zu achten, "es könnte doch zur Not entbehrt werden, es würde doch kein Unglück daraus entstehen, kein Krieg, keine Teurung, kein Misswachs, Handel und Wandel bliebe in gehöriger Ordnung; das alles ist nicht so mit dem Schmiedehandwerk der Fall, als worauf ich reise, und darum dünkt mich, müsst Ihr mit einiger Besorgnis so in die Welt hineingehn, denn Ihr seid immer doch ungewiss, ob Ihr Arbeit finden werdet."
Franz wusste darauf nichts zu antworten und schwieg still, er hatte noch nie darüber nachgedacht, ob seine Beschäftigung den Menschen nützlich wäre, sondern sich nur seinem Triebe überlassen. Er wurde betrübt, dass nur irgend jemand an dem hohen Werte der Kunst zweifeln könne, und doch wusste er jetzt jenen nicht zu widerlegen. "Ist doch der heilige Apostel Lukas selbst ein Maler gewesen!" fuhr er endlich auf.
"Wirklich?" sagte der Schmied und verwunderte sich, "das hätt ich nicht gedacht, dass das Handwerk schon so alt wäre."
"Möchtet Ihr denn nicht", fuhr Franz mit einem hochroten gesicht fort, "wenn Ihr einen Freund oder Vater hättet, den Ihr so recht von Herzen liebtet, und Ihr müsstet nun auf viele Jahre auf die Wanderschaft gehen, und könntet sie in der langen langen Zeit nicht sehen, möchtet Ihr denn da nicht ein Bild wenigstens haben, das Euch