, ist nicht hier gewesen."
Andrea sagte: "Wie sehr wünschen aber auch alle Kunstfreunde, dass er sich möchte hierherbemüht haben, um erst einzusehn, wie viel er ist, und dann zu lernen, was er mit seinem grossen Talente ausrichten könne. So aber, wie er ist, ist er merkwürdig genug, doch ohne Bedeutung für die Kunst, der Italiener mit weit geringerem Talente wird doch immer den Sieg über ihn davontragen."
"Ihr seid unbillig", fuhr Sternbald auf, "ja undankbar, denn ohne ihn, ohne seine Erfindungen würden sich manche Eurer Gemälde ohne Figuren behelfen müssen."
"Ihr müsst nicht heftig werden", sagte der lindernde Francesco, "wahr ist es, Dürer ist Andreas hülfreicher Freund, und vielleicht verlästert er ihn eben darum, weil er sich der Dienste zu gut bewusst ist, die jener ihm geleistet hat. Aber wir wollen lieber ein Gespräch abbrechen, das Euch nur erhitzt."
Die Musik lärmte dazwischen, Andrea, der wenig streitsüchtig war, gab seine Meinung auf, die Tänze fingen von neuem an. Es wurde Abend: manche von der Gesellschaft gingen nach haus, einigen wurden von ihren Dienern Pferde gebracht. Rustici liess eins der schönsten Pferde in den Garten kommen, und setzte sich hinauf, indem er durch die Baumgänge ritt, die mutwillige Laura liess sich zu ihm hinaufheben, und in einem leichten Galopp ritt sie hin und her, indem sie vor dem Maler sass, der sie mit seinen Armen festielt. Franz bewunderte das schöne Gemälde, er glaubte den Raub der Dejanire vor sich zu sehen, der Kranz in ihren Haaren schwankte und drohte herabzufallen, leicht sass sie oben, und doch von einer kleinen Ängstlichkeit beunruhigt, die sie noch schöner machte: das Pferd hob sich majestätisch, auf seine Beute stolz. Zwei Trompeten bliesen einen mutigen Marsch, die prächtigen Töne begleiteten die Bewegungen des Rosses; und der gewandte und starke Rustici sass wie ein Gott oben.
Die zurückgebliebenen Freunde führte Francesco nun nach einem andern Teile seines Gartens. Hier war ein runder Zirkel von Bäumen, und Festons und Girlanden von allerhand Blumen hingen in den Zweigen und schaukelten im Abendwinde, farbige Lampen brannten dazwischen, dämmernde Lauben waren in den Baumnischen angelegt. Wein und Früchte wurden genossen: die zärtlichen Paare sassen nebeneinander, Musik ermunterte sie, ihr Liebesgespräch zu führen.
Fünftes Kapitel
Castellani war zurückgekommen, Franz hatte in seiner und Lenorens Gesellschaft Florenz verlassen. Jetzt waren sie vor Rom, die Sonne ging unter, alle stiegen aus dem Wagen, um den erhabenen Anblick zu geniessen. Eine mächtige Glut hing über der Stadt, das Riesengebäude, die Peterskirche, ragte über allen Häusern hervor, alle Gebäude sahen dagegen nur wie Hütten aus. – Sternbalds Herz klopfte, er hatte nun das, was er von Jugend auf immer mit so vieler Inbrunst gewünscht hatte, er stand nun an der Stelle, die ihm so oft ahndungsvoll vorgeschwebt war, die er schon in seinen Träumen gesehen hatte.
Sie fuhren durchs Tor, sie stiegen in ihrem Quartiere ab. Sternbald fühlte sich immer begeistert, die Strassen, die Häuser, alles redete ihn an.
Castellani war ein grosser Freund der Kunst, er studierte sie unablässig, und schrieb darüber, sprach auch viel mit seinen Freunden. Sternbald war sein Liebling, dem er gern alle seine Gedanken mitteilte, dem er nichts verbarg. Er hatte in Rom viele Bekannte, meistens junge Leute, die sich an ihn schlossen, ihn oft besuchten und gewissermassen eine Schule oder Akademie um ihn bildeten. Auch ein gewisser Camillo, dessen Andrea del Sarto schon erwähnt hatte, besuchte ihn. Dieser Camillo war ein Greis, lang und stark, der Ausdruck seiner Mienen hatte etwas Seltsames, seine grossen feurigen Augen konnten erschrecken, wenn er sie plötzlich herumrollte. Seine Art zu sprechen war ebenso auffallend, er galt bei allen seinen Bekannten für wahnsinnig, sie behandelten ihn als einen Unverständigen, den man schonen müsse, weil er der Schwächere sei. Er sprach wenig, und hörte nur zu, Castellani war freundlich gegen ihn, nahm aber sonst mit ihm wenige Rücksicht.
Sternbald besuchte die Kirchen, die Gemäldesammlungen, die Maler. Er konnte nicht zur Ruhe kommen, er sah und erfuhr so viel, dass er nicht Zeit hatte, seine Vorstellungen zu ordnen. Dabei gab er sich Mühe, mit jedem Tage in seinen Begriffen weiterzukommen, und in das eigentliche Wesen und die natur der Kunst einzudringen. Er fühlte sich zu Castellani freundschaftlich hingezogen, weil er durch diesen am meisten in seiner Ausbildung, in der Erkenntnis gewann; er besuchte die Gesellschaften fleissig, und bestrebte sich, kein Wort, nichts, was er dort lernte, wieder zu verlieren.
Castellanis Begriffe von der Kunst waren so erhaben, dass er keinen der lebenden oder gestorbenen Künstler für ein Musterbild, für vollendet wollte gelten lassen. Er belächelte oft Sternbalds Heftigkeit, der ihm Raffael, Buonarotti, oder gar Albrecht Dürer nannte, der sich ungern in Vergleichungen einliess, und meinte, jeder sei für sich der Höchste und Trefflichste. "Ihr seid noch jung", sagte dann sein älterer Freund, "wenn Ihr weiterkommt, werdet Ihr statt der Künstler die Kunst verehren, und einsehn, wie viel noch einem jeden gebricht."
Sternald gewöhnte sich mit einiger Überwindung an seine Art zu denken, er zwang sich, nicht heftig zu sein, nicht seine Gefühle sprechen zu lassen, wenn sein Verstand und