habe nichts mehr."
"Du bist nicht bezahlt worden?" rief Andrea aus, "ja, ich kenne die vornehmen und reichen Leute, die es gar nicht wissen und nicht zu begreifen scheinen, in welche Not ein armer Künstler geraten kann, der ihnen nun endlich seine fertige Arbeit bringt, und doch mit leeren Händen wieder zurückgehen muss. Ich bin manchmal schon so böse geworden, dass ich Pinsel und Palette nachher in den Winkel warf und die ganze Malereikunst verfluchte. Sei nicht böse darüber, Francesco, du musst dich ein paar unnütze Gänge nicht verdriessen lassen."
"Er ist bezahlt", sagte ein junger Mann, der mit dem Maler gekommen war.
"Und wo hat er denn sein Geld gelassen?" fragte Andrea verwundert.
"Ihr kennt ja seine Art", fuhr jener fort, "wie er keinen Armen vor sich sehen kann, ohne ihn zu beschenken, wenn er Geld bei sich hat. Kaum sahen sie ihn daher heute aus dem Palast kommen und seinen bekannten Korb an seinem Arm, als ihm auch alle Bettler folgen, die mit seiner Guterzigkeit bekannt sind. Er gab jedem reichlich, und nahm es nicht übel, dass einige darunter waren, denen er erst gestern gegeben hatte; als ich es ihm heimlich sagte, antwortete er lachend: 'Mein Freund, sie wollen aber heute wieder essen.' Ein alter Mann stand von der Seite und sah dem Austeilen zu, er heftete die Augen aufmerksam auf den Korb, und seufzte für sich: 'Ach Gott, wenn ich doch nur das Geld hätte, das in diesem Korbe ist!' Francesco hatte es unvermuteterweise gehört. Er geht auf den Alten zu, und frägt, ob es ihn glücklich machen würde? 'Oh, mich und meine Familie', ruft jener, 'aber seid nicht böse, ich dachte nicht, dass Ihr es hören würdet.' – Sogleich kehrt mein launiger Francesco den ganzen Korb um, und schüttet ihn dem alten Bettler in seine lederne Mütze, geht davon, ohne auch nur den Dank abzuwarten."
"Ihr seid ein edler Mann!" rief Sternbald aus.
"Oh, Ihr irrt", sagte der Maler, "es ist gar nichts Besonderes, ich kann den Armen nicht sehen, es jammert mich, und so gebe ich ihm wenigstens, da ich nicht mehr tun kann. Bei diesem Alten fiel mir ein, wie manche unnütze Ausgaben ich in meinem Leben schon gemacht hätte, wie wenig ich aufopfre, wenn ich mir eine Tapete oder ein kostbares Hausgerät versage. Ich dachte: 'Wenn du nun kein Geld bekommen, wenn du das Gemälde gar nicht gemalt hättest?' Ich sah Kinder und seine alte zerlumpte Gattin in Gedanken vor mir, die mit so heisser sehnsucht seine Rückkehr erwarteten."
"Aber wenn du so handeln willst", sagte Andrea, "so kannst du deinem geben gar keinen Einhalt tun."
"Das ist es eben, was mich betrübt", fuhr Rustici fort, "dass ich meine Guterzigkeit einschränken muss, dass alles, was wir an Wohltaten tun können, nichts ist, weil wir nicht immer, weil wir nicht alles geben können. Es ist eine sonderbare Fügung des Schicksals, dass Überfluss und Pracht und drückender Mangel dicht nebeneinander bestehen müssen, die Armut auf Erden kann niemals aufgehoben werden, und wenn alle Menschen gleich wären, müssten sie alle betteln, und keiner könnte geben. Das allein tröstet mich auch oft darüber, wenn mir einfällt, dass ich mich bei meiner Kunst wohl befinde, indessen andre, die weit härtere arbeiten tun, die weit fleissiger sind, Mangel leiden müssen. Hier ist auf Erden See und Weltmeer, hier strömen grosse Flüsse, dort leiden die heissen Ebenen, die wenigen Pflanzen ersterben aus Mangel am nötigen wasser. Einer soll gar nicht dem andern nützen, jedes Wesen in der natur ist um sein selbst willen da. – Doch, wir müssen über das Gespräch nicht unsers Gastmahls vergessen."
Er versammelte hierauf die Gesellschaft. Ein schöner Knabe ging mit einem Korbe voll grosser Blumenkränze herum, jeder musste einen davon nehmen und ihn sich auf die Stirn drücken. Nun setzte man sich um einen runden Tisch, der auf einem schattigen kühlen platz im Garten gedeckt war, an allen Orten standen schöne Blumen, die speisen wurden aufgetragen. Die Gesellschaft nahm sich sehr malerisch aus, mit den grossen, vollen, bunten Kränzen, jeder sass bei seiner Geliebten, Wein ward herumgegeben, aus den Gebüschen erschallten Instrumente von unsichtbaren Musikanten.
Rustici stand auf, und nahm ein volles Glas: "Nun zuerst", rief er aus, "dem Stolze von Toskana, dem grössten mann, den das florentinische Vaterland hervorgebracht hat, dem grossen Michael Agnolo Buonarotti!" – Alle stiessen an, alle liessen ihr "Er lebe!" ertönen.
"Schade", sagte Andrea, "dass unser wahnsinniger Camillo uns verlassen hat, und jetzt in Rom herumwandert, er würde uns eine Rede halten, die sich gut zu dieser gelegenheit schickt."
Muntere Trompeten ertönten zu den Gesundheiten, und Flöten mit Waldhörnern gemischt klangen, wenn sie schwiegen, vom entfernten Ende des Gartens. Die Schönen wurden erheitert, sie legten nun auch den Schleier ab, sie lösten die Locken aus ihren Fesseln, der Busen war bloss. Franz sagte: "Nur ein Künstler kann die Welt und ihre Freuden auf die wahre