weisst." – Das blinkende Spielwerk sticht dem Menschen in die
Augen,
Er reckt die hände gierig aus! Indem erwacht mit dem Morgen die Vernunft, Reibt die Augen und gähnt und dehnt sich: "Wo ist mein lieber Mensch? Ist er zu neuen Taten gestärkt?" so ruft sie. Der Alte hört die stimme und fängt an zu zittern, Der Mensch schämt sich, lässt Kegel und Kugel fallen, Vernunft tritt ins Gemach. "Ist der alte Wirrwarr schon wieder los geworden?" Ruft Vernunft aus, "lässest du dich immer wieder
locken
Von dem kindschen Greise, der selber nicht weiss Was er beginnt?" – Der Alte fängt an zu weinen, Der Mantel wieder umgekehrt Ihm um die Schultern gehängt, Arm' und Beine festgebunden, Sitzt wieder grämlich da. Sein Spielzeug eingepackt, Ihm alles wieder ins Kleid gesteckt Und Vernunft macht 'ne drohende Miene. Der Mensch muss an die Geschäfte gehen, Sieht den Alten nur von der Seite an Und zuckt die Schultern über ihn. "Warum verführt ihr mir den lieben Menschen!" Grämelt der alte Phantasus, "Ihr werdet ihn matt und tot noch machen, Wird vor der Zeit kindisch werden, Sein Leben nicht geniessen. Sein bester Freund sitzt hier gebunden, Der es gut mit ihm meint. Er verzehrt sich und möchte es gern mit mir halten, Aber ihr Überklugen Habt ihm meinen Umgang verleidet Und wisst nicht, was ihr mit ihm wollt. Schlaf ist weg und keiner steht mir bei." Der Morgen brach indessen an, die übrigen im haus wurden munter, und Franz las dem Bildhauer seine Verse vor, der darüber lachte und sagte: "Auch dies Gedicht, mein Freund, rührt vom Phantasus her, man sieht es ihm wohl an, dass es in der Nacht geschrieben ist; dieser Mann hat, wie es scheint, Spott und Ernst gleich lieb."
Das dunkle Gemach wurde erhellt, der Köhler trat mit seiner Frau herein. Franz lächelte über seine nächtliche Einbildung, er sah nun die Tür, die er immer gefürchtet hatte, deutlich vor sich stehen, nichts Furchtbares war an ihr sichtbar. Die Gesellschaft frühstückte, wobei der muntere Köhler noch allerhand erzählte. Er sagte, dass in einigen Tagen eine Nonne im benachbarten Kloster ihr Gelübde ablegen würde, und dass sich dann zu dieser Feierlichkeit alle Leute aus der umliegenden Gegend versammelten. Er beschrieb die Zeremonien, die dabei vorfielen, er freute sich auf das fest, Sternbald schied von ihm und dem Pilgrim, und ging mit dem Bildhauer zur Stadt zurück.
Sternbald liess sich im Kloster melden, er ward der Äbtissin vorgestellt, er betrachtete das alte Gemälde, das er auffrischen sollte. Es war die geschichte der heiligen Genoveva, wie sie mit ihrem Sohne unter einsamen Felsen in der Wildnis sitzt, und von freundlichen, liebkosenden Tieren umgeben ist. Das Bild schien alt, er konnte nicht das Zeichen eines ihm bekannten Künstlers entdecken. Denksprüche gingen aus dem mund der Heiligen, ihres Sohnes und der Tiere, die Komposition war einfach und ohne Künstlichkeit, das Gemälde sollte nichts als den Gegenstand auf die einfältigste Weise ausdrücken. Sternbald war willens, die Buchstaben zu verlöschen und den Ausdruck der Figur zu erhöhen, aber die Äbtissin sagte: "Nein, Herr Maler, Ihr müsst das Bild im ganzen so lassen, wie es ist, und um alles ja die Worte stehenlassen. Ich mag es durchaus nicht, wenn ein Gemälde zu zierlich ist."
Franz machte ihr deutlich, wie diese weissen Zettel alle Täuschung aufhöben und unnatürlich wären, ja wie sie gewissermassen das ganze Gemälde vernichteten, aber die Äbtissin antwortete: "Dies alles ist mir sehr gleich, aber eine geistliche, bewegliche Historie muss durchaus nicht auf eine ganz weltliche Art ausgedrückt werden, Reiz, und was ihr Maler Schönheit nennt, gehört gar nicht in ein Bild, das zur Erbauung dienen und heilige Gedanken erwecken soll. Mir ist hier das Steife, Altfränkische viel erwünschter, dies schon trägt zu einer gewissen Erhebung bei. Die Worte sind aber eigentlich die Erklärung des Gemäldes, und diese gottseligen Betrachtungen könnt Ihr nimmermehr durch den Ausdruck der Mienen ersetzen. An der sogenannten Wahrheit und Täuschung liegt mir sehr wenig: wenn ich mich einmal davon überzeugen kann, dass ich hier in der Kirche diese Wildnis mit Tieren und Felsen antreffe, so ist es mir ein kleines, auch anzunehmen, dass diese Tiere sprechen, und dass ihre Worte hingeschrieben sind, wie sie selbst nur gemalt sind. Es entsteht dadurch etwas Geheimnisvolles, wovon ich nicht gut sagen kann, worin es liegt. Die übertriebenen Mienen und Gebärden aber sind mir zuwider. Wenn die Maler immer bei dieser alten Metode bleiben, so werden sie sich auch stets in den Schranken der guten Sitten halten, denn dieser Ausdruck mit Worten führt gleichsam eine Aufsicht über ihr Werk. Ein Gemälde ist und bleibt eine gutgemeinte Spielerei, und darum muss man sie auch niemals zu ernstaft treiben."
Franz ging betrübt hinweg, er wollte am folgenden Morgen anfangen. Das Gerüst wurde eingerichtet, die Farben waren zubereitet; als er in der Kirche oben allein stand, und in die trüben Gitter hineinsah, fühlte er sich unbeschreiblich einsam, er lächelte über sich selber, dass er den Pinsel in der Hand führe. Er fühlte, dass er nur als Handwerker gedungen sei, etwas zu machen, wobei ihm seine Kunstliebe, ja sein Talent völlig überflüssig war. "Was ist