ich Euch ein Lied von der Einsamkeit singen, es schickt sich gut zu unserm Zustande.
Über mir das hellgestirnte Himmelsdach,
Alle Menschen dem Schlaf ergeben,
Ruhend von dem mühevollen Leben,
Ich allein, allein im haus wach.
Trübe brennt das Licht herunter;
Soll ich aus dem Fenster schauen,
'nüber nach den fernen Auen?
Meine Augen bleiben munter.
Soll ich mich im Strahl ergehen
Und des Mondes Aufgang suchen?
Sieh, er flimmert durch die Buchen,
Weiden am Bach im Golde stehen.
Ist es nicht, als käme aus den Weiden
Ach ein Freund, den ich lange nicht gesehen,
Ach, wie viel ist schon seiter geschehn,
Seit dem qualenvollen, bittern Scheiden!
An den Busen will ich ihn mächtig drücken,
Sagen, was so ofte mir gebangt,
Wie mich inniglich nach ihm verlangt,
Und ihm in die süssen Augen blicken.
Aber der Schatten bleibt dort unter den Zweigen,
Ist nur Mondenschein,
kommt nicht zu mir herein,
Sich als Freund zu zeigen.
Ist auch schon gestorben und begraben,
Und vergess es jeden Tag,
Weil ich's so übergerne vergessen mag;
wie kann ich mich an seinem Anblick laben?
Geht der Fluss murmelnd durch die Klüfte,
Sucht die Ferne nach eigner Melodie,
Unermüdet sprechend spat und früh:
Wehn vom Berge schon Septemberlüfte.
Töne fallen von oben in die Welt,
Lustge Pfeifen, fröhliche Schalmein,
Ach, sollten es Bekannte sein?
Sie wandern zu mir übers Feld.
Fernab erklingt es, keiner weiss von mir,
Alle meine Freunde mich verlassen,
Die mich liebten, jetzt mich hassen,
Kümmert sich keiner, dass ich wohne hier.
ziehen mit Netzen oft lustig zum See,
Höre oft das ferne Gelach;
Seufze mein kümmerlich Ach!
Tut mir der Busen so weh.
Ach! wo bist du Bild geblieben,
Engelsbild vom schönsten Kind?
Keine Freuden übrig sind,
Unterstund mich, dich zu lieben.
Hast den Gatten längst gefunden; –
Wie der fernste Schimmerschein,
Fällt mein Name dir wohl ein,
Nie in deinen guten Stunden.
Und das Licht ist ausgegangen,
Sitze in der Dunkelheit,
Denke, was mich sonst erfreut,
Als noch Nachtigallen sangen.
Ach! und warst nicht einsam immer?
Keiner, der dein Herz verstand,
Keiner sich zu dir verband. –
Geh auch unter Mondesschimmer!
Lösche, lösche letztes Licht!
Auch wenn Freunde mich umgeben,
Führ ich doch einsames Leben:
Lösche, lösche letztes Licht!
Der Unglückliche braucht dich nicht!"
Indem hörten sie nicht weit von sich eine stimme singen:
"Wer lustgen Mut zur Arbeit trägt
Und rasch die arme stets bewegt,
Sich durch die Welt noch immer schlägt.
Der Träge sitzt, weiss nicht wo aus
Und über ihm stürzt ein das Haus,
Mit vollen Segeln munter
Fährt der Frohe das Leben hinunter."
Der Singende war ein Kohlenbrenner, der jetzt näher kam. Bolz und Sternbald gingen auf ihn zu, sie standen seiner Hütte ganz nahe, ohne dass sie es bemerkt hatten. Er war freundlich und bot ihnen von freien Stücken sein kleines Haus zum Nachtlager an. Die beiden Ermüdeten folgten ihm gern.
Drinnen war ein kleines Abendessen zurechtgemacht, kein Licht brannte, aber einige Späne, die auf dem Herde unterhalten wurden, erleuchteten die Hütte. Eine junge Frau war geschäftig, den Fremden einen Sitz auf einer Bank zu bereiten, die sie an den Tisch schob. Alle setzten sich nieder, und assen aus derselben Schüssel; Franz sass neben der Frau des Köhlers, die ihn mit lustigen Augen zum Essen nötigte. Er fand sie artig, und bewunderte die wirkung des Lichtes auf die Figuren.
Der Köhler erzählte viel vom nahen Eisenhammer, für den er die meisten Kohlen lieferte, er hatte noch so spät einen Weiler besucht. Ein kleiner Hund gesellte sich zu ihnen und war äusserst freundlich, die Frau, die lebhaft war, spielte und sprach mit ihm, wie mit einem kind. Sternbald fühlte in der Hütte wieder die ruhigen, frommen Empfindungen, die ihn schon so oft beglückt hatten: er prägte sich die Figuren und Erleuchtung seinem Gedächtnisse ein, um einmal ein solches Gemälde darzustellen.
Als sie mit dem Essen beinahe fertig waren, klopfte noch jemand an die Tür, und eine klägliche stimme flehte um nächtliche Herberge. Alle verwunderten sich, der Köhler öffnete die Hütte, und Sternbald erstaunte, als er den Pilgrim hereintreten sah. Der Köhler war gegen den Wallfahrter sehr ehrerbietig, es wurde Speise herbeigeschafft, die stube heller gemacht. Der Pilgrim erschrak, als er hörte, dass er der Stadt so nahe sei, er hatte sie schon seit zwei Tagen verlassen, sich auf eine unbegreifliche Art verirrt, und bei allen Zurechtweisungen immer den unrechten Weg ergriffen, so dass er jetzt kaum eine halbe Meile von dem Orte entfernt war, von dem er ausging.
Der Wirt erzählte noch allerhand, die junge Frau war geschäftig, der Hund war gegen Sternbald sehr zutunlich. Nach der Mahlzeit wurde für die Fremden eine Streu zubereitet, auf der sich der Wallfahrter und Bolz sogleich ausstreckten. Franz war gegen sein Erwarten munter. Der Köhler und seine Frau gingen nun auch zu Bette, der Hund ward nach seiner Behausung auf den kleinen Hof gebracht, Sternbald blieb bei den Schlafenden allein.
Der Mond sah durch das Fenster, in der Einsamkeit fiel des Bildhauers Gesicht dem Wachenden auf, es war eine Physiognomie, die Heftigkeit und Ungestüm ausdrückte. Franz begriff es