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? war es nicht schön dass ihre gefühlvolle Seele das Weh der Mexicaner eben so lebhaft fühlte, als ihr eigenes? – und, sagen Sie nicht auch mit mir, dass die Familie der Vandeks sehr schätzbar ist, da sie die Züge des fremden Verdienstes so gerne sammelt und bekannt macht? wie ich sogleich noch eine Note abschreiben kann. –

Einmal, da Frau Wattines ihren Carmil mit den Kindern der Vandeks spielen sah, drückte sie ihr die Hand und sagte:

Liebe Freundin! ist es Ihnen nicht ein süsser Trost in dieser Einsamkeit, dass unsere Kinder nichts als das Beispiel ihrer guten Eltern zum Vorbilde ihres Lebens und ihrer Sitten haben? Erzählen Sie einmal meiner Tochter von den Tugenden der Mädchen ihres Vaterlandes, ich will den Ihrigen von den Verdiensten junger Personen unseres Geschlechts in Frankreich erzählen, aber nie nichts von Leidenschaften, nie, sondern von abwechselndem Fleisse, Heiterkeit, Kenntniss, Güte und dem Geschmack am Schönen. – Ja das wollen wir, sagte Frau Vandek, für unsere Töchter tun, denn unsere Knaben werden durch ihre Väter zu männlichem Sinn und Kraft des Denkens gebildet. –

Ich wünsche, sagte Frau Wattines, dass unsere Männer einen kurzen Auszug des Besten aus den Gesetzen machten und hier einführten. – Frau Vandek erwiderte lächelnd: Ihr Wunsch wird schon zu der Hälfte erfüllt, denn Vandek macht wirklich einen Auszug aus der Moral, welcher gewiss gerne befolgt werden wird, weil alles ganz einfach diesem Leben und Pflichten angemessen, nicht übertrieben und nicht überladen sein wird. Frau Wattines erwiderte lebhaft:

O, unsere Kinder werden es gerne annehmen, denn ihre Seelen sind, wie der Boden dieses Aufentalts, noch neu, und wie dieser gerne Saamen auffasst, werden ihre reinen Seelen Ideen annehmen und zur Vollkommenheit bringen. Mögen diese einfachen Vorschriften nur so lange ungestört wirken, als der Bau unserer Stadt dauern wird; denn unsere jungen Colonisten würden indessen neben der fleissigen Handarbeit an die Befolgung dieser gesetz gewöhnt, und genössen das Glück des ausübenden Guten.

Einmal fragten die Vandeks unsere holde Emilie; ob sie auf der Insel nie an den Tod ihres Mannes dachte, was sie da für Entwürfe machte? – Die liebe Frau schauderte und sagte: ach! an was für Tage erinnern Sie mich! Nach einigem Schweigen setzte sie sanft nachdenkend hinzu. – Ehe ich Kinder hatte, war dieser Fall so schrecklich in meinen Augen, dass ich nichts vor mir sah, als mein Leben in dem See zu endigen, indem ich fest überzeugt war, dass mir Gott in dieser fürchterlichen Lage, diese willkührliche Erscheinung vor seinem Trone vergeben würde; aber als ich Mutter war, wollte ich Carmil und etwas Kleidung in das Rindenschifchen binden, welches Wattines zu seinem Vergnügen verfertigte, und damit zu den guten Oneidas hinüber schwimmen, welche mich gewiss aufgenommen, und dann zu Europäern gebracht haben würden, welchen ich dann von meinem Schicksale, von meiner Hütte und der Anlage auf der Insel erzählt, und sie gebeten hätte, die kleine Habe meines Waysen zu retten.

Frau Vandek sagte hier, als ich sie weiter fragte: Ach das war eine sehr melancholische Unterredung, und ich bereuete sehr, der lieben Frau Wattines eine so schmerzliche Erinnerung erneuet zu haben: bereuete es um so mehr, da sie mir den nehmlichen Abend einen rührenden Beweis des edelsten fühlbarsten Herzens zurück liess, indem sie mir, ehe sie nach haus ging, dieses Papier als Uebung im Englischen gab. –

Vielleicht kennen Sie es, meine Freunde, schon lange, das schöne Stück englischer Phantasie, aber ich kann mir doch das Vergnügen nicht versagen, diesen neuen Beweis von Emiliens Denkart, in meine Blätter zu verweben, ob ich schon sicher bin, niemals nur das mindeste zu vergessen, was eine Familie betrifft, welche die Vorzüge der edlen Menschheit so glänzend zeigt, – Emiliens Papier sagte:

"Ihre Güte, Ihre Teilnahme an meiner Familie und an mir, rufen meinem Gedächtnisse eines der ersten englischen Stücke zurück, welches ich wie aus einer Art von Ahndung, vorzüglich liebte, weil es mir gegenwärtiges und kommendes Schicksal zeigte.

Liebe und Freude.

In der Zeit des goldnen Weltalters schuf Zeus L i e b e und F r e u d e , ein Zwillingspaar, und men sprossten Blumen, und verschönerte sich die natur, aber zu gleicher Zeit verliessen die Menschen den Weg der Unschuld und Güte. Asträa floh mit der Freude und ihrem Gefolge die mit Blut besudelte Flur, die Liebe allein blieb zurück. Die Hoffnung, ihre Amme, hatte sie aus dem Haufen der bösen verdorbnen Menschen entwandt, und nach Arkadien gebracht, wo sie unter schuldlosen Hirten auferzogen wurde; aber der erzürnte Zevs vermählte sie mit dem Schmerze, der Brautkranz war von Cypressen und Wermut, aus dieser Verbindung entsprang eine Nymphe, welche mit ihren beiden Eltern viel ähnliches hatte; Kummerzüge des Vaters, und das süsse Liebenswürdige der Mutter. Die Hirtenmädchen versammelten sich um sie, und nannten sie M i t l e i d . Ein Rotkehlchen baute in der Laube worin sie geboren war, und eine vom Habicht verfolgte Taube floh in ihren Busen. Sie war von etwas ernstem melancholischen Ansehn, hatte aber einen so einnehmenden blick, das sie, wo sie sich zeigte, geliebt wurde. Ihre stimme war leise, aber von unaussprechlicher Lieblichkeit. Viele Stunden weilte sie unter hangenden Weiden, am Ufer eines klagenden Stroms, und sang zur Laute. Sie lehrte die Menschen weinen, und oft, wenn