Geschenk gross, so werde desswegen nicht eitel oder toll vor Freude: ist die Gabe klein, verachte sie nicht, um den Geber nicht zum Misvergnügen zu reitzen. Wenn du reich wirst, sei nicht übermütig, und blicke nicht mit Verachtung auf den Armen, sondern besorge, dass dir die Götter den Reichtum, welchen sie dir schenkten, um des Stolzes willen wieder nehmen würden. – Ernähre dich von deinem Fleisse; dein Essen wird dir besser schmecken. Ich, mein Sohn, habe dich bis jetzt durch meine Arbeit erhalten, und ohne fremde Beihülfe alles Nötige angeschafft, mache es auch so. Erzähle nie eine Unwahrheit, denn es ist eine gehässige Sünde; wenn es nötig ist, einem dritten mitzuteilen, was ein andrer dir sagte, so setze nichts zu und sage die einfache Wahrheit. Rede von niemand Böses, werde kein Neuigkeitsträger, und säe nie Zwietracht, wenn du zu jemand geschickt wirst, und die Botschaft missfällt, sage nicht wieder was dem Menschen im Zorne entfiel, sondern suche alles zu besänftigen: scheine das Böse nicht zu hören, und vermeide Missverständnisse zu vergrössern; denn es würde dich gereuen. bleibe auf dem Marktplatze nicht länger als nötig ist, denn auf diesen Plätzen ist die grösste Gefahr für die guten Sitten, – Wird dir eine Stelle angetragen, ergreife sie nicht zu schnell, als ob du glaubtest dass andre nicht so viel Verdienst hätten als du, sondern zeige bescheidnen Zweifel in dich selbst, so wirst du mehr geschätzt werden. – Lebe niemals sittenlos; denn die Götter werden dich mit Schande strafen. – Halte dich von den Mädchen entfernt, du bist noch jung mein Sohn! warte bis die Götter dir deine bestimmte Gattin zeigen. Verbinde dich nicht ohne die Einwilligung deiner Eltern, es möchte dir Unglück bringen. – Raube niemand nichts, spiele nicht; du machst sonst deine Eltern und dich selbst elend, wenn du gegen ihre Lehren handelst; wenn du aber tugendhaft bist, so wird dein gutes Beispiel den bösen beschämen und bessern. – Nun nichts mehr, mein Sohn, ich habe alles gesagt, was die Pflicht eines Vaters fordert, ich wollte mit diesen Ratschlägen deinen Verstand stärken, verwirf sie nicht, denn das Glück deines Lebens hängt daran." So unterrichteten die Mexicaner ihre Söhne überhaupt, und jeder Vater sprach noch von den besonderen Pflichten jedes Standes. – Nun folgen die
Lehren der guten mexicanischen
Mütter.
"Meine Tochter! du bist aus den besten Säften meines Lebens entstanden, ich habe dich mit meiner Milch genährt, mit vieler Müheerzogen, und mit äusserster sorge so weit gebracht, als du nun bist. Dein Vater hat deinen Verstand bearbeitet und polirt, wie einen Smaragd, damit du in den Augen aller Menschen, als ein Kleinod erscheinen mögest. Befleissige dich immer gut zu sein, denn wer würde dich sonst zu seiner Frau wünschen? du würdest von allen verworfen werden. wir müssen uns bestreben, die Güter zu verdienen, welche uns die Götter geben sollen; also dürfen wir nicht träge und nachlässig bleiben, sondern eifrig und fleissig in allem sein. Liebe die Ordnung und bemühe dich, eine gute Haushaltung zu führen. Gieb deinem mann wasser für seine hände und backe gutes Brod für seine Hausgenossen. Wohin du deine Schritte wendest, gehe eines bescheidnen und gesetzten Ganges, ohne zu eilende Schritte, oder laut mit den Bekannten zu lachen welche du antriffst, oder deine Blicke gedankenlos hierhin und dahin zu werfen. sorge, dass dein guter Ruf nicht besudelt werde; gieb aber allen, welche mit dir sprechen, höfliche Antwort. Sei fleissig in Spinnen und Weben, in Säumen und Sticken; denn durch diese künstlichen arbeiten, wirst du deine Nahrung und Kleidung erwerben. – Schlafe nicht zu lange. Suche nicht immer den tiefen Schatten, sondern gehe in die freie Luft und ruhe dort; denn Weichlichkeit bringt Müssiggang und andre Laster mit sich. – Bei allem was du tust, denke an die Verehrung der Götter und an die Freude deiner Eltern. Wenn dich dein Vater oder deine Mutter rufen, bleib nicht stehen, bis du ihre stimme zum zweitenmale hörst, sondern gehe gleich hin, wo du etwas zu ihrem Vergnügen tun kannst, damit deine Langsamkeit sie nicht erzürne. – Gieb niemand eine rauhe Antwort, zeige niemals einen Mangel an gefälligkeit; kannst du das, was man fordert nicht ausführen, so mache eine bescheidene Entschuldigung. Wird eine andre person gerufen, und kommt nicht gleich, so komme du, höre was man verlangt, und verrichte es auf das beste: betrüge niemand; denn die Götter sehen alle deine Handlungen. – Lebe mit allen Menschen in Frieden, zeige allen ein aufrichtiges und anständiges Wohlwollen; so wirst du auch bei allen beliebt sein. – Sei nicht geizig mit den Gütern, welche du hast, und nicht begierig nach dem, was du siehst, das andern gegeben wird. Gieb dem Neide niemals eine Stelle in deinem Herzen; denn die Götter teilen ihre Güter nach ihrem Gefallen. – Wenn du kein Missvergnügen erfahren willst, so gieb auch den andern keines. – Hüte dich vor jeder Vertraulichkeit mit Männern. Horche nicht auf verführerische Wünsche, und auf strafbare Begierden deines eignen Herzens, oder du wirst den Vorwürfen deiner Familie ausgesetzt sein, und dein eigenes Gemüt beflecken, wie Morast das klareste wasser trübt. Meide die Gesellschaft sittenloser Lügnerinnen und Müssiggängerinnen, oder du wirst von ihrem Beispiele wie durch eine ansteckende Krankheit ergriffen,