1798_La_Roche_066_95.txt

r s , – und, indem er das zweite berührte, mit einer etwas geänderten stimme und einem unterdrückten Seufzer hinzu setzte, h i e r d i e d e s S o h n e s . Bei den über alles verbreiteten Stralen, ergriff er schnell das Bild des Schlosses von Wattines, hielt es mit ausgestrecktem arme gegen die Sonne, indem er mit einem mir auf immer unvergesslichen Tone sagte: O, du sahest den schönen Wohnsitz meiner Voreltern gründen und diese Hütte bauen, du reiftest die Saaten ihrer durch Gerechtigkeit und Güte glücklichen Pächter so viele Jahrhunderte, o reife auch die, welche die Hand ihres unglücklichen Enkels hier in dieser fernen Gegend ausstreute! – Ich war äusserst gerührt, umfasste ihn und sagte: Edler, schätzbarer Mann! der Gott der Sonne sieht Sie, Ihre Leiden und Ihre Tugend, gewiss lohnt er Sie! –

Innig blickte er mich an und antwortete seufzend, ach mein Freund! ich wünsche nichts für mich, aber für Emilie und meine Kinder. Nun eilte er nach seiner Gewohnheit hinweg, nach irgend einer einsamen Ecke zwischen Bäumen und Gesträuchen, damit er durch schnelles Gehen, durch die Bewegung der Luft, durch das Eindringen, Anstreifen und den Widerstand der kleinen verwachsenen Aeste in dichten Gebüschen einen teil der Empörung seiner Seele und seines Blutes verliere, bis er sich am Ende etwas ermüdet umsieht und Freude fühlt allein zu sein, keinen Menschen zu erblicken, nur von seelenlosen Geschöpfen umgeben zu sein. Einst sagte er, in diesen Momenten bin ich nicht einmal ein guter Grieche der schönen alten Zeit, da ich in einer solchen trüben Stunde, selbst die sanft auf mich wirkenden Gestalten und Farben der Pflanzen nicht sehen wollte, einen dastehenden Baum umklammerte, und mein Gesicht mit geschlossnen Augen gegen seine Rinde andrückte, und wirklich eine Wohltat darin empfand, als die idee der Lehre von Dryaden vor mir erschien, und mich von dem umarmten Baums fliehen machte; aber dann folgen ganz andre Gefühle: ich bedaure niedergestampfte Pflanzen, zerrissne Zweige, suche meinen Rückweg, freue mich der sich erweiternden Aussicht, und des fernen Horizonts, und eine, das Weh meiner Seele mildernde, Träne füllt mein nun zum Himmel erhobnes betendes Auge, und langsam, halb erschöpft, halb beruhigt komm ich zurück.

Wer, meine Freunde! kann diesen Ausdruck der schmerzvollen Rückerinnerung tadeln? Die Zeit wird das Gefühl davon schwächen, aber nie ganz erlöschen. – Wattines kam auch jetzt bald und erheitert wieder zurück, drückte mir die Hand und sagte: ich hoffe, Sie finden meine etwas lebhafte Erinnerung doch nicht ungegründet? ich antwortete: gewiss nicht, ja noch mehr, ich finde sie gerecht und natürlich.

Diess schien ihm zu gefallen, und er sprach nun ganz gelassen von allem, was seine verlornen Güter und seine Familie betraf. – Ach, er verlor viel, sehr viel, der gute Wattines! – Mein Abend war dem Vandek versprochen, welchem ich die kleine Scene von Wattines erzählte, dieser sagte mir, indem er einen Pappendeckel öfnete, und einige Quartblätter aushob: ja, ja, es wird noch oft unruhige Momente seiner Seele geben, ehe alles so ganz in einer daurenden Stimmung sein wird, wie er einst hoffte, und sich damals bei meinem Lobe seiner Gelassenheit gegen mich äusserte, indem er hier schrieb:

"Gütiger Vandek! Sie loben meine Gleichmütigkeit, meine Ruhe bei dem Andenken dessen was ich war, hatte und verlor, ach, das Unglück und die Einsamkeit, welche mich in moralischen Gefühlen und Ideen hülfe suchen machte, zeigte mir auch den wahren Wert aller Dinge dieser Erde; das Schicksal meiner Verwandten und tausend andrer schätzbaren Menschen verbietet mir zu klagen; Nachdenken und Ergeben heisst mich den Mangel des gewohnten Wohlstandes durch ausübende Tugend meiner Lage ersetzen. – Der Himmel hat mir unendlich viel Gutes getan, da er mir in Ihnen einen Freund gab, der älter und weiser als ich, doch auch durch überfliessenden Eifer für das, was er seinem vaterland das beste zu sein achtete, auch den Schauplatz dieses standhaften Eifers verlassen musste. – Unsere Erinnerungen von Menschen, die unter alten Gesetzen aufwuchsen, unsere Erfahrung des gewaltsamen Abänderns, können hier unsere Beobachtung über Fähigkeiten, Leidenschaften und Neigungen der menschlichen Seele zum Besten unserer Kinder berichtigen helfen. – Ich wurde beraubt, Sie opferten alles auf. Unsere Lage, unsere Miteinwohner und die natur lehren uns, glaube ich, wahres Wohl und Weh bestimmen. Mich dünkt, wir werden unser Glück gründen, wenn Geduld und unser Fleiss eben so wirksam und anhaltend bleiben, als der Unmut war, durch welchen wir hierher getrieben wurden." – Vandek fuhr fort: Sie sehen hierin den edlen raschen jungen Mann von philosophischer Moral und schöner Kenntniss beseelt, welche seinen Gesichtspunkt bald glänzend bald trübe machen. – Seine Frau zeigte sich ganz anders, schön freute sie sich, wieder bei Menschen zu wohnen, und sagte zu meiner Frau: ach wie viel Glück ist durch Ihre Ankunft auf mein Leben verbreitet! Ich bin wieder unter denkenden Menschen, geniesse Freundschaft, Mitteilung der Gefühle, Teilnahme an mir, und dabei das edle Vergnügen, hier und da Gutes zu tun; denn ich litte auf der Insel, selbst durch die wirkung der besten Grundsätze. – Meine geliebte Mutter hatte die Pflichten der Wohltätigkeit und Nächstenliebe so tief und so früh in meine Seele gegraben, dass w o h l t h u n in meinem Herzen nicht nur zu den Ideen