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einsamen Insel bearbeiten, und am Ende durch die Hand eines, von Unglück verfolgten, deutschen Kaufmanns, in Nordamerika, wieder zu gesellschaftlicher Verbindung zurückkommen würden?

Innere Trauer und Ernst erfüllten mein Herz, und ich war froh, mir selbst entzogen zu werden, weil ich bei dem Kaufmanne zu Mittag speiste. Ich achte ihn glücklicher als alle andre, auch hat er wirklich die schönste Rolle. – Er bahnte allen übrigen den Weg zu neuer Hoffnung von Glück und Zufriedenheit des Lebens, alle seine Entwürfe sind gut durchdacht, seinen Colonisten und ihrer Lage angemessen, welches nicht bei allen neuen Anstalten beobachtet wird. – In dem Gange der Unterredung äusserte Hr. S. den Wunsch recht genau bemerken zu können, welche Wendung die so verschiedenen Grundsätze des Vandek und Wattines am Ende nehmen würden. Ich behauptete, dass er beide als vollkommne Muster guter Familienväter und Landwirte, die Zierde seiner Colonie nennen könnte. – Hr. S. gab es zu, zeigte mir aber eine sorge in Ansehung des Characters, Geburt und Geist von Wattines, indem dieser auf der Insel allein nach Willkühr seiner Ideen und Gefühle lebte, wo Bedürfniss der Lebensmittel, die einzige Art von Gesetzen war, welche seinen Gehorsam forderten. Diesen Forderungen unterwerfe man sich in jedem stand und jeder Lage: dass alles was Wattines aus Liebe für Frau und Kinder tat, mit süsser, natürlicher Freude verbunden war, und er in seiner Familie, keinen Gedanken und keine leidenschaft fand, welche den seinen entgegen standen, sie in ihrem Gange hindern oder stossen konnten; jetzt aber, da er wieder mit Vielen und verschieden Gesinnten leben müsste, wo der Name C o l o n i s t , jedem gleiche Rechte und gleiche Pflichten gebe, alle aber aus so verschiedenen Gegenden unsers Europa kamen, also verschiedene Erziehung und Gewohnheiten mitbrachten, wodurch leicht eine gelegenheit entstehen könnte, in Wattines das Gefühl angebohrner Vorzüge zu erwecken, und eine unfreundliche leidenschaft zu reitzen. – Ich sagte hier freimütig, dass ich das sicherste Verwahrungsmittel gegen diese Gefahr, in dem Festalten und Einprägen der englischen Grundgesetze sähe: Freiheit zu lassen, mit sich und seinem Eigentume zu tun was man will, nur nichts gegen das gemeine Beste und gegen andre. Dieses würde alle und jeden glücklich machen, wobei ich wirklich versichern konnte, dass Wattines nie dagegen fehlen würde. Ich ersuchte daneben den Hrn. S. um stillen Schutz für das vorzügliche Verdienst, um es nie dem Neide und Widerwillen gewöhnlicher Menschen auszusetzen, und war sehr froh, die Versicherung geben zu können, dass Wattines niemals eine andre Beschäftigung annehmen würde, als was mit Ingenieur und Bauwesen in verhältnis stünde, im übrigen aber nur als fleissiger Landmann und Lehrer seiner Kinder leben, und arbeiten wollte. – Dienste zu leisten sei ihm heilige Pflicht vor Gott, und Vergnügen für sein Herz. – Mehr wollte ich nicht zu seinem Besten sagen, weil man oft durch zu viel Gutes rühmen schadet; und da ich schon bemerkt hatte, dass Wattines mehr beobachtet wird als andre, so freute mich ein Zug von Klugheit, welchen er mit einem artigen Plane zu dem Besten unsers Zimmermanns, und Verschönerung der Anlage verband. Da noch kein Steinbruch und keine Ziegelbrennerei im Gange ist, und man Holz genug hat, so soll der Zimmermann sein Haus nach der Gewohnheit in der Ukraine bauen, wo auch die Steine fehlen, aber das Holz alles so behauen und bearbeitet wird, als ob es Quaderstücke des besten Steines wären, welche dann mit Oehlfarbe angestrichen, sehr schöne Gebäude darstellen. Wattines wollte sein Haus nicht zuerst auf diese Art unterscheiden, weil er sich in nichts auszuzeichnen sucht. Bei dem Baumeister sieht es als Lockspeise aus, einem reichen Colonisten die Begierde nach einem so schönen haus zu geben, und also etwas mehr zu verdienen als bei einem Loghouse. – Diesen Winter will Wattines zu einer solchen Bekleidung seiner wirklich stehenden Gebäude, selbst Hand anlegen, da er in allem die Bahn des männlich tätigen Lebens so lebhaft und eifrig befolgt. Jagd freut ihn, aber seine Meierei noch viel mehr, doch tief, sehr tief hat der Kummer, wie unsere Karschin sagte, mit diamantnem Pfluge Furchen in sein Herz gegraben; denn als er mir den Plan von dem Bezirke seiner Felder, Gärten und Waldung vorgelegt, und mir alles auf dem freien platz seines Hofes zeigen wollte, sagte seine Frau: er solle doch die Zeichnung seines väterlichen Hauses mit dazu nehmen, und es mir auch weisen. Hier bemerkte ich, dass er mit einem zug des innersten Schmerzens gegen die tür des kleinen Kämmerchens ging und die Rolle holte. Die mit Antonette auf dem Schoosse da sitzende Emilie, reichte, da er vorbei wollte, mit der Hand nach ihm, küsste seine Hand, blickte mit so wahrer Zärtlichkeit ihn an, dass sein schönes Auge auch lächelte, als er einen Kuss auf ihre Stirne und ihre Hand drückte, dann aber mit mir dem hof zueilte, wo ich ihm den zu Wäsche und Weiberarbeit bestimmten Tisch, näher zu den Bäumen tragen half. um dort seine Papiere auszubreiten. Der Zufall schickte es, dass das Bild von dem prächtigen Wohnsitze seiner Voreltern, und das gerade von ihm daneben gelegte Blatt, mit der Zeichnung seines Loghouses, in dem Moment von der Sonne beleuchtet wurden, als er mit seinem Bleistifte in der Hand auf das erste deutend sagte: h i e r W o h n u n g d e s V a t e