unsrer Brust, bei jedem Blicke auf dem schönen Wachstum unsrer Felder, und auf unsere Bücher, sagte Frau Wattines, welche wir nebst allem andern auf einige Zeit dem Zufalle überlassen mussten." Beinahe waren sie entschlossen noch länger zu bleiben, als mitten in diesem Hin- und Herwanken Vandek erschien, und ihr Herz mit Freude überströmte. Emilie weinte und zitterte noch, als sie davon erzählte, ja weder Wattines noch sie vermochten mir einen deutlichen Begriff von ihren Gefühlen zu geben. – Wattines sagte:
Der ungewöhnliche Ton der stimme, mit welchem Emilie rief, Carl! Europäer! machte mir die Worte unverständlich, und ich sah eifrig nach ihr, allein um die Ursache dieses durchdringenden Tons zu erforschen; aber ihre ausgehobne Hand deutete, und ihre Blicke waren auf den nehmlichen Ort geheftet, da sah auch ich den vortrefflichen Mann, der sich uns näherte, und von der Stunde an so viel väterlichen Anteil an uns nahm.
Nun schwiegen beide, Emilie fasste sich zuerst, und sagte gegen mich: O, glauben Sie, dass mein Herz den weisen, gütigen Vandek die ganze Ewigkeit hindurch danken wird!
Sie kennen, meine Freunde, die geschichte der Entdeckung aus den ersten Blättern meines Tagebuchs, nach der Erzählung des guten Vandek, welcher aber nicht sehen konnte, dass Wattines an dem äussersten rand des Wassers einen Baumstamm umfasst hielt, und seinem kleinen Kahne nachsah, so weit sein Auge reichen konnte. – Vandek wusste nicht, dass Wattines wie ein Betrunkener zu Emilien zurückkam, welche er mit ihren Kindern dem Ufer zueilend fand, und ihm zurufen hörte: Wattines, zeige mir den Weg, welchen unser guter Engel nahm: konntest du ihn landen sehen? Ich konnte ihn nicht begleiten, meine Füsse wankten zu sehr. – Vandek sah sie nicht fliessen die Tränen der Freude und des Danks zum Himmel. Er hörte den Segen nicht, welcher ihm bis an das Gestade nachfolgte; – aber Gott sah uns, Gott hörte uns, sagte Emilie. – Wir umarmten uns und unsere Kinder, und waren nahe dabei, Bücher, Hausrat und Kleidung zu küssen, welche wir seit vielen Tagen mit innerer Trauer des Verlassens angesehen hatten; nun sicher behalten und in glücklichern Tagen geniessen würden. Die Gefühle, und die Unterredung dieses Abends sind in Wahrheit unbeschreiblich, jedes von uns wollte schönere, edlere Züge in Vandek gesehen haben. Wir, welche unsere Hütte und unsere schlafenden Kinder des Abends niemals verliessen, schlossen unsere tür und eilten noch an das Ufer, um zu sehen, ob wir Lichter oder Nachtfeuer der Colonisten entdecken könnten. Es war gut, dass ein, mehrere Tage anhaltender, Regen das Aussenbleiben von Vandek rechtfertigte, denn bei schöner Witterung würde meine Seele von Jammer durchdrungen gewesen sein. Die wenigen Minuten, wo der Regen aufhörte, war eines von uns am Ufer. – Gewiss man empfindet sie nicht zweimal die Bewegung des Herzens, welche schon der Anblick des zu uns rudernden Kahns, und der Anblick einer europäischen Frau in mir hervorbrachte; wie diese Frau meine Sprache redete, und meine Kinder so teilnehmend umarmte. Ich kann es nicht ausdrücken das Gefühl, welches der Gedanke mir gab: meine Kinder, Wattines, ich, haben nun Freunde, Nachbarn, hülfe zu hoffen. – Was wurde die Vorstellung, Milch, Leinwand, Brod, Salz! – Niemand, ach niemand kann ohne Erfahrung sich einen Begriff von dieser Empfindung machen. – Ich dankte Gott für die Aussicht auf dieses so lang entbehrte, so unerwartete Glück. – Ich sprach nun mit ihr von den Noten, welche Frau Vandek über ihren charakter und über ihre Leiden gemacht habe, und erzählte ihr auch von der achtung, welche die fleissige, Hausshalt verständige Holländerin für die Ordnung und die arbeiten der Frau Wattines in der Hütte auf der Insel bezeigte. – Es freute Emilie, und lächelnd sagte sie: ich habe sie also recht wohl angewendet, die Mühe, unsere Hütte und kleinen Haussrat auf das möglichste zu ordnen, als ich wusste, dass eine Niederländerin auf unsere Insel kommen würde. –
Ich bat jetzt, dass sie mir den ganzen Vorrat ihrer Arbeitswerkzeuge weisen solle, indem ich wisse, dass sie wie Reliquien geordnet und aufbewahrt würden. – Lebhaft erwiderte sie:
Ja, es sind mir heilige Ueberreste von Geist, Liebe und Tugend meines Mannes; denn diese drei Eigenschaften mussten vereint sein, um bei dem höchsten Kummer und Leiden hervorzubringen und auszurichten, was er vier Jahre hindurch für Frau und Kinder tat.
Ihr Ton und etwas in ihrem Aeussern machte mich unruhig, und ich ersuchte sie, mir eine Frage zu erlauben, – ganz gerne, antwortete sie, vor sich hinsehend: ich besorge, etwas gesagt zu haben, dass Ihnen missfiel. – Sie errötete ein wenig, sagte aber sehr sanft: ich bekenne, der Ausdruck, dass ich die Arbeitswerkzeuge von Wattines wie Reliquien aufbewahrte, deuchte mich Spott, und verwundete mein Herz.
Ich fühlte nun auch, dass diese gesuchte Wendung, bei einer ganz einfachen idee, in Wahrheit unschicklich war, und die liebe Frau doppelt beleidigen konnte, um so mehr da sie von einer Kirche ist, welche die Reliquien verehrt, und daher dieses unbesonnene Gleichniss, in dem mund eines Protestanten wirklich Spott wurde, gewiss auch alles was Emilie und ihr Mann, in den harten Prüfungsjahren ihrer Einsamkeit ertragen und erfunden hatten, keine zweideutige Benennung verdiente. – Ich war unaussprechlich unzufrieden mit mir selbst,