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, welcher die Asche eines liebenswürdigen Kindes verschliesst, indem man an seine Unschuld denkt," und ach! setzte er seufzend hinzu, ein blick auf das Grab einer schönen, tugendvollen jungen Frau! – "Erz und Marmor geben da keinen Wert, ein einfacher Grabhügel erhält mehr Tränen als Trauergerüste. Der bei einem bemoosten grab des Dorfkirchhofs stehende Eibenbaum rührt mehr als Pyramidenbaue und Grab, bleiben auch in Verbindung mit der ganzen natur: der Aufgang der Sonne, das Rauschen der Luft, die Abendröte und das Dunkel der Nacht, die härteste Arbeit, der niedrigste Stand erlöschen dieses Gefühl niemals; man erinnert sich, dass zwei Jahre lang ein Neger nach dem tod seiner Frau, in seinen Ruhestunden ihr Grab mit seinen Kindern besucht und dabei geweint habe. –"

O denken Sie, was dieses Bild für mich war, sagte Wattines, wenn ich mit Emilien und Carmil hieher kam, und wusste, dass sie zum zweitenmal Mutter werden sollte, und ich sagen musste: ach die Schwangere, die Gebährerin gibt von ihren Lebenskräften mehr als der Mann bei dem Graben des Feldes; wenn ich nun, wie dieser arme Neger, mit zwei Kindern bei dem grab ihrer Mutter weinte! –

Ich antwortete ihm hier nur mit einem Blicke, und durch Erwiederung des Drucks von seiner Hand; denn was hätte der grösste Redner in diesem Moment sagen können? – Er nahm aber sein Buch wieder, und machte, indem er auf eine Linie deutete, die Anmerkung:

Hier hat St Pierre ganz die Lage gemahlt, in welche das Schicksal mich brachte; denn er sagt: die erste wirkung des Unglücks macht unsere Seele starren, die zweite zermalmt sie. – In der ersten Bewegung erhebt sich der gute Unglückliche zu Gott, mit der zweiten wird er zu dem Gefühle des Mangels aller körperlichen Bedürfnisse hinunter gebogen. – Eine Stimmung, in welcher ich den Weg von meiner Hütte hierher oft zurück legte. –

Ich konnte es begreifen, und mein Herz wünschte des edlen S a l i s G e d i c h t a n d i e W e h m u t h mit dem schätzbaren Wattines lesen zu können, es schien als ob Wehmut in meinen Zügen sich ausdrückte, weil mir Wattines in seinem schönen männlichen Tone sagte:

Ich besorge, dass ich ihr teilnehmendes Herz mit den Trauerideen des meinigen plagte. – Lassen Sie mich von dieser Stelle nur noch etwas von meiner Emilie erzählen. – Sie machte es wie alle gefühlvolle Seelen, welche das beste immer ohne Zeugen zu tun wünschen, und ich belauschte sie gerne, besonders wenn ich was vorzüglich Nachdenkendes oder Zärtliches gegen unsre Kinder bemerkte. In einer solchen Stunde, nach unserm Frühstücke, war ich bei der Pyramide, hier zwischen den Bäumen, kurz nachdem Emilie von ihrer zweiten Reise nach den indischen Hütten zurück war; sie glaubte mich lange bei meiner Fischerei, und kam mit unserer, in ein Tuch gewickelten Antonette und Carmil an der Hand hierher, legte die kleine neben die Moosbank meines Grabes, fasste aber da knieend Carmil in ihre arme, zeigte ihm die Blumen, dann den zwischen den Bäumen so klar blinkenden Himmel, faltete seine Händchen und lehrte ihn beten: guter Gott! der du die Sonne und die Blumen machst, lasse meine Eltern leben, und gieb mir meines Vaters Geist. – Nun zerfloss sie in Tränen, fasste sich aber, dem sie traurig anstaunenden Carmil zu Liebe, und zeigte ihm wo er Blumen pflücken solle. Ich war äusserst bewegt, bemerkte aber doch, dass sie Carmil zu den Blumen ihrer Ruhestätte gewiesen hatte, und fragte sie einst bei dem Bekenntnisse sie belauscht zu haben, nach der Ursache dieser Abteilung zwischen der Stelle des Betens, und des Geschenks der Blumen. – Sie antwortete mit Zärtlichkeit: mein Herz wünschte das blühende Sinnbild deines Lebens länger dauren zu sehen als meines. –

Ich hoffe, sagte ich, Sie edle beide! sollen diese Blüten noch oft sehen. Wattines dankte mir, legte sein Buch hin, und forderte mich auf ihm zu helfen, die Platte seiner Inschriften loszumachen, indem es Zeit wäre wieder nach haus zu schiffen. – Ich wollte Hand anlegen, sah ihn aber lächelnd sich wenden, zur Seite einen Stock ausziehen, nachher hinter die Pyramide gehen, Erde abwerfen, und der Platte einige Stösse mit dem Stocke geben, so dass sie vorwärts rückte, und am Ende eine flache drei Zoll hohe, und 1 1/2 Schuh weite gelbkupferne Schüssel mit zwei Handhaben vorkam, auf deren umgekehrten Bodenseite die Inschrift eingegraben war, das ganze in dem obern Teile der Erdpyramide eingeschoben, und der Stock zur Seite durch die Handringe gesteckt, dann alles mit Erde gefüllt und gedeckt war, so dass man nicht leicht diese Erfindung erraten konnte.

Ich äusserte Wattines meine Bewunderung, er sagte: dringende Not und heftige Begierden machen immer erfinderisch; und so endigte dieser Tag mit einem neuen Beweise, des immer tätigen, und so leicht in tausend Gestalten erscheinenden Geistes der französischen Nation. – Ich speisste bei Wattines zu Nacht, und hörte, dass sie allein um ihrer Kinder willen Verbindung mit Europäern wünschten.

Den folgenden Tag fragte ich nach dem Reste des letzten einsamen Frühjahrs, weil sie den Sommer zu ihrem Abzuge bestimmten, und Wattines zu den Oneidas gehen, ihnen seine Hütte und seine Felder empfehlen, und sie nur ersuchen wollte, ihnen den Weg zu den nächsten europäischen Colonisten zu weisen. "Hoffnung und Ungewissheit kämpften in