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einen Umweg nehmen? Verdient dein charakter und deine Liebe nicht alles Vertrauen meiner Seele, und würde mir nicht das Blid deines scharfsinnigen Geistes immer zeigen, dass alle meine Feinheit ganz platt vor deinem Auge liege? – Dass ich unserm blühenden Carmil einen immerwährenden Frühling wünschte, sagt nicht, dass ich Elysium vergass, welches deine Liebe hier für mich schuf.

Wattines wurde überzeugt, dass ich gerecht für ihn dachte, und diese Betrachtung besänftigte ihn ganz: sie war ihm leid die Strenge, mit welcher er eine kleine Phantasie meines mütterlichen Herzens beurteilt hatte. – Mir war dieser kleine Auftritt sehr viel zur Beleuchtung eines neuen Teils in Wattines charakter und Lage.

Ich dankte mit Emilien dem Himmel, dass er sie aus dem peinlichen einsamen Leben zog, denn als der Entusiasmus der Reue und der Trauer, die holde Emilie hieher gebracht zu haben, nur einen Augenblick einem Zweifel gegen ihre Gesinnungen Raum gab, so wankte eine Stütze des in Wahrheit kunstvollen Gebäudes ihrer Glückseligkeit, und mir wurde auf der andern Seite wegen Emiliens Bemerkung, über den Einfluss von Oneidas Einsamkeit bange; aber sie wusste ihren Ideen und Ausdrücken so schnell eine liebliche Wendung zu geben, dass sein Verstand und sein Herz eben so umfasst wurden, als er selbst von ihren Armen umschlungen ward. Ich erkannte den hohen Wert der Feinheit des Gefühls einer mit einem Hitzkopfe verbundenen Frau, denn wie viel vermag da sanftes Schweigen und Klugheit, den schicklichen Moment zu einer liebreichen Unterredung zu finden. Ich wünsche diesen Geist jedem Frauenzimmer, wie ihn Frau Wattines hat; aber ich konnte ihr diese Betrachtungen nicht mitteilen, und auch nicht länger auf diesem gegenstand verweilen, sondern ich zeigte ihr auf einmal einen grossen Unmut über Englands Barden, dass noch keiner die geschichte von T i n i a n zu dem gegenstand eines Gedichts wählte, wo der Poet einen so reichen und edlen Stoff vor sich hat; den charakter des Seehelden Anson, dann Sturm, Melancholie der Seeleute, und endlich die Entdeckung des herrlichen T i n i a n s . Engländer haben so viele Empfindung für natur und grosse, schöne Charactere, müssen wir nicht sagen, dass Madame Wattines ganz nahe bei dem Entwurfe eines entzückenden Gedichts war? Bild des fruchtbaren, mit Einwohnern und Wohltaten der Erde versunkenen Landes, nur die Anhöhe mit dem Tempel gerettet. – Die Mutter welche ihr Kind beten lehrt. – Zwei Schutzgeister welche in Ueberresten schöner Kunst, das Andenken der ersten Besitzer dieser Insel aufbewahren. –

Emilie verliess mich auf einige Zeit, und ich dachte

an unsers schätzbaren Professors Jacobi in Freiburg nicht genug bekanntes, nur zu kleines Werk: N e s s i r u n d Z u l i m a , worin man wirklich in ein moralisches Tinian versetzt wird; e i n f a c h e , w a h r e , s c h ö n e , g u t und g l ü c k l i c h machende Begriffe von allem, was der Menschheit am meisten angelegen sein kann erhält. – Frau Wattines kam mit einer heitern, doch sehr aufmerksamen Miene zurück, nahm ihre Arbeit wieder und sagte:

Warum haben Sie meine geschichte von Tinian mit

einem Ausfalle auf die englischen Poeten abgebrochen? – Ich sagte ihr von dem Ernst meiner Unzufriedenheit, dass ich Tinian noch nie besungen fand, – lächelnd antwortete sie: ich glaube an diesen Unwillen, aber gewiss ist es doch auch, dass Sie nichts weiter fragen wollten, weil die idee des kleinen Zwistes zwischen Wattines und mir vor Ihnen stand. –

Ich war wegen ihrem scharfen Auge etwas betreten,

sagte aber freimütig: w e r s o l l t e d a w e i t e r f r a g e n ? Lebhaft und mit freundlichem Tone erwiderte sie: ein Freund sollte es, der Wattines und mich als gute Menschen kennt, die wohl manchmal auf dem Wege ihres Lebens ein paar Schritte von einander abweichen, aber sich immer wieder einholen, und zurufen, um Hand in Hand weiter zu wandeln, Blumen zu pflücken, oder sich bei beschwerlichen Stellen zu wechselseitiger Stütze zu dienen.

Ich konnte mich nicht entalten zu sagen: vereh

rungswürdige Frau!

Warum dieser grosse Ausruf bei einer so erstau

nend einfachen gelegenheit? Geht in Ihrem Teutschland das eheliche Leben so ganz ohne Missverständnisse hin? hat man nie Anlass dem mann zu sagen: Vereine mit der Obergewalt edle G ü t e ! und der Frau zuzustüstern, s e y s a n f t u n d k l u g ? muss man letzteres nicht bei Freunden und Bekannten beobachten, so lange wir und sie keine Engel treffen? Aber ich will meine durch Wattines unterrichtende gespräche verkürzten und verschönerten Winter wieder vorsuchen, da wir gerade auf einen Beweiss kommen, dass die Eigenschaften der Engel sich selten mit irdischen Wesen vermengen. Mein Carl liess mich bei dem so äusserst angenehmen Vorlesen der historischen Geographie, in dem charakter aller zeiten, das ungleiche Mass der Talente und Glücksgüter, der Tugenden und der Künste bemerken. Meine Emilie, sagte er, bedauerte in der Borkenhütte der freien Indier, die so sehr engen grenzen ihrer Kenntnisse, hier, indem er die Charte von Europa ausbreitete, in diesem, auf seine allgemeine kultur so stolzen Weltteile, leben unter dem Scepter moralischer und politischer gesetz, Halbwilde, an welchen man nichts zu achten scheint, als ihre körperlichen Kräfte zum Kriegsdienst und Landbau. – Er zeigte mir Provinzen aller Mächte