des Geistes nicht auch zufälligen Meinungen, oder Erschütterung fremder Gewalt unterworfen?
Ich lächelte nun auch, und stimmte mit Frau Wattines ein, dass die Einsiedler sehr oft Erscheinungen und Träume für wahr halten, und überhaupt ihre Denkkraft einen besonderen gang nehme; – doch ist Wattines Vergleich, da er sich auf seine geliebte Encyclopädie gründet, nicht so schief, besonders da er ihn nur seiner Frau in einer Erholungsstunde vorlegte, und gewiss niemals bei einer Akademie damit auftreten wird. Wie sehr wünsche ich über diese und alle andre in meinen Blättern entaltene Gedanken und Bilder, etwas von den Bemerkungen und Noten meines teuren Freundes zu hören. Aber es wird noch viele Zeit hinfliessen, ehe ich dieses angenehme Glück meines Geistes geniessen kann. Leben Sie indessen Beste beide wohl, und wünschen Sie, dass auch ich leben möge. Mit einem innigen Gefühle von Freude sage ich, die Tage an dem See Oneida haben auch nur 24 Stunden, wie in unserm vaterland, und gehen bei nützlicher Arbeit eben so geschwind zu Ende, doch machen mich die Nachrichten aus Europa wünschen, dass der so schnelle Lauf der Zeit, doch bald, sehr bald, alle gute Leidende, mit den schönen Vers unseres edlen Haller einstimmend sagen lasse:
ja, ja die Zeit trägt auf geschwinden Flügeln,
das Unglück weg, und unser Wohl heran,
und mein Herz wiederholte leise:
geliebte Luft! auf väterlichen Hügeln
wer weiss, ob ich dich nicht bald schöpfen kann;
denn ich fühle, der Schwabe liebt sein Vaterland, wie der Schweizer. Meine nächsten fragen betrafen den dritten Winter, welchen die guten Wattines auf der Insel verlebten. Sanft sagte die edle Frau:
Es war alles einförmig, wie die zwei ersten Jahre, und Gewohnheit hatte mit ihrer wohltätigen, sanft wirkenden Macht, schon vieles versüsst und erleichtert. Gewiss erheiterte auch der Gedanke, im künftigen Sommer wegzuziehen oder Leute zu uns zu nehmen, unsere trüben Stunden, wie eine Trennung dichter Regenwolken, durch den Anblick des blauen Aeters, an die wiederkommende Sonne denken und ihr entgegen lächeln macht. Sie wissen, dass Lesen und Arbeit unsere einzige Stütze war. Die zwei ersten Winter wollten wir nur die Naturgeschichte ganz kennen, – als mein Carmil da war, wiederholten wir die von dem Menschen und seiner Seele, indem wir dadurch in den Stand gesetzt wurden, unsern Sohn um so besser zu erziehen, und ihn um so glücklicher zu machen. Nun da das Bild von Wiedervereinigung mit Menschen vor unsern künftigen Tagen schimmerte, so bat mich Wattines, die Wiederholung der historischen Geopraphie mit ihm zu teilen. Sie können leicht denken, dass ich gerne einwilligte, aber ich glaube auch, dass es Ihnen nicht möglich ist, sich die Summe der glücklichen Gefühle zu denken, welche mein Herz und mein Geist in unserer Holzhütte genoss, wenn mein edler tenrer Carl mir kurze Auszüge mitteilte, welche als Abbild des Ganzen in seiner Seele waren, indem er mich auf den charakter aller grossen und kleinen Nationen alter und neuer zeiten aufmerksam machte, mir das Entstehen, die Dauer und den Zerfall der Verbindungen, Regierungsarten, Fürstentümer, Monarchien und Republiken bekannt machte, und mit eben so viel Empfindung als Kenntniss in dem mir so lieben gang seiner Ideen, mir in einer Betrachtung sagte: alle Millionen Menschen, welche in den verflossenen Jahrtausenden auf unserer Erde lebten, erhielten von der natur die nehmlichen Gefühle für körperliches Wohl und Weh, wie wir, wurden von der nehmlichen Erde getragen, von ihren Früchten genährt, von der nehmlichen Sonne beleuchtet; alle Keime der Leidenschaften unserer Seele, alle Fähigkeiten des Geistes wurden mit mütterlicher Hand unter sie wie unter uns ausgestreut; – alle Menschengeschlechter hatten einen gleichen Anteil an Tugenden und Fehler. – Weissheit und Torheit flossen durch alle Jahrhunderte der geschichte der Menschheit, wie wasser durch alle Gegenden der Erde; alle vor uns lebenden genossen den Wechsel der Jahrszeiten, Blumen im Lenz, KornErndten im Sommer, Früchte im Herbste und tiefe Ruhe im Winter. Ein Philosoph behauptete, dass T u g e n d , W i s s e n s c h a f t , G l ü c k und s c h ö n e Kunst die Menschheit durchwandeln, wie die Jahrszeiten unsere Erde, – und Wattines erzählte mir nun auch die geschichte des Geistes der Kenntnisse und moralischer Begriffe. Mir war der Wechsel der Jahrszeiten in dem Gebiete der Seele äusserst unangenehm, denn die idee des Winters der Menschheit, der jeden Anbau des Verstandes deckt, jede Quelle der Wissenschaften stocken macht, schmerzte mich noch mehr als die begränzten Einsichten unserer Oneidas. Wattines sagte, ich will also dieses Gleichniss nicht weiter führen, besonders da die Naturgeschichte der Erde beweisst, dass das irrdische Paradies nur einmal unter dem mond erschien, und mit der Unschuld verschwand. – Unter allen Himmelsgegenden fand einer der grössten Seefahrer nur durch ein Ungefähr auf der kleinen Insel T i n i a n , den Ueberrest eines Landes, wo immerwährender Frühling herrscht, viel merkwürdiger ist, dass sie unbewohnt war, diese liebliche Insel, auf welcher der englische Admiral Ansen, und alle Leute seiner Flotte, ihre verlorne Gesundheit und ihre Heiterkeit wieder fanden. Ich fragte ob T i n i a n jetzt in der Gewalt von Grossbrittannien sei? nein sagte er, sie ist auch noch nicht bevölkert, die schöne wohltätige Insel, und dieses wie man sagt, aus gemeinsamen Neide der Seemächte, weil Tinian zu klein ist, um von ihnen