ich da bei den Erinnerungen an die besten Eltern fühlte, kann ich nicht aussprechen, aber es war unendlicher Dank damit verbunden, weil die idee in meiner Seele lag, dass die Fürbitte unserer Eltern, Wattines bewegt habe, sich zu der Abreise von der Insel zu entschliessen. Ich rufte Gott und sie für meine Kinder an, Antonette schlief auf meinem Schoosse. Wattines kam, setzte sich mit dem zärtlichsten Gefühle zu mir, und wünschte, dass einst unsere Kinder für uns gesinnt sein möchten, wie wir für unsere Eltern.
Meine Freunde kennen mich, und sagen sich gewiss bei dem Lesen dieser Scene, dass ich bei der Erzählung sicher eben so gerührt war, als Wattines selbst. Dieses ist auch so; doch beschäfftigte ich mich sogleich mit der Vorstellung, dass dieser Auftritt unter den Händen eines gefühlvollen Künstlers, ein äusserst schönes Bild werden könnte. – Frau Wattines sah mich von tausend Gefühlen durchdrungen, und schien zu bereuen, meine Empfindungen so sehr bewegt zu haben. Sie schwieg einige Zeit, lächelte dann etwas vor sich hin, nachdem auch gegen mich und sagte:
Es ist in Wahrheit eine sonderbare Sache um die Verbindung und das Wecken der Ideen, denn da ich so eben von dem dicht mit Bäumen besetzten platz sprach, welcher den heiligen geliebten Denkmählern gewidmet war, kam mir bei Erinnerung unsers Rückweges längst den zur Seite frei stehenden Stämmen, eine Phantasie von Wattines in das Gedächtniss zurück, welche ich Ihnen als einen neuen Beweis vorlegen will, dass Einsamkeit die Einbildungskraft lebhafter Menschen auf mancherlei Art beschäftigt. – Die Vermutung, dass die feindenkende Frau meine Ideen von dem mit so rührenden Farben gemalten Bilde der Wallfart zu den Urnen abziehen wolle, gab mir um so viel mehr Aufmerksamkeit, auf die Art, wie sie es anfangen würde, und ich bat sie angelegen, wenn das Erzählen sie nicht ermüde, so wünschte ich den Anlass zu ihrem Lächeln zu hören: ich wüsste wohl, setzte ich hinzu, dass unsere Seele sehr schnell die entferntesten Gegenstände mit einander verbände, und diese Uebergänge in einer Seele wie die Ihrige, würden mir immer äusserst wichtig sein. Ihr Erröten und die kleine Verlegenheit, in welche sie kam, zeigten mir aufs neue, dass ich richtig urteilte, als ich die Besorgniss in ihr dachte, ich möchte am Ende zu viel Anteil an ihr nehmen! welches sie vermeiden und also einen zu gefühlvollen Eindruck verwischen wollte. Sie sagte mit Ruhe und gefasstem Tone: Sie legen zu viel Wert auf eine vorübergehende idee, von dem leicht hin- und herschwankenden geist einer Frau; aber Sie sollen es wissen: als Wattines unsere Obstbäume pflanzte, fällte er mehrere von den Wildstämmen, welche den ersten die Mittagssonne benahmen, die welche in einiger Entfernung stehen blieben, konnten sich aber um so mehr ausbreiten. Eines Tages, da Wattines seine Obstbäume besorgte, und ich unser kleines Vesperbrod, den schottischen, in Honigwein gelegten Brodkuchen brachte, und auf die Rasenbank neben ihm mich setzte, jeden Bissen seines hart erworbenen Abendbrods segnete, so wie ich Anteil an der Freude nahm, welche er über den Wachstum der guten Fruchtbäume äusserte, ich aber bei Betrachtung der prächtigen Wald-Stämme wünschte, dass die Obsttragenden auch so stark und dauerhaft werden möchten, Wattines mich aber ganz darüber belehrte. –
Endlich aber sagte mein teurer Carl: er habe in einer Ruhestunde diese Bäume als Sinnbild des menschlichen Geistes betrachtet, wie unser geliebter Bernardin de St. Pierre das Bild des menschlichen Schicksals darin erblickte, und sagte:
"Alle Aeste und Zweige unsers Lebens sind sterblich wie der Stamm selbst es ist. Unser Glück, unser Ruhm, unsere Freundschaften, unsere Liebe, alle Gegenstände unserer liebsten Neigungen vergehen und verfallen sehr oft vor uns. – Wie oft scheinen glückliche Umstände einer Familie zu glänzen, wie der weit verbreitete, den Wald verschönernde Gipfel einer mächtigen Eiche, welche unerwartet vom Donner zerschmettert fällt." Diese Erinnerung war mir nicht lieb, und ich sagte zu Wattines: Bester Mann! d e i n e Betrachtung wird doch nicht so düster sein wie diese?
Nein, aber vielleicht nicht so nahe bei der Wahrheit. Meine Träumerei entstand aus der Erinnerung, dass unsere grossen Gelehrten in der Encyclopädie sagten: a l l e u n s e r e I d e e n u n d K e n n t n i s s e erhält unser Geist durch die Sinne: also durch sinnliche irdische Hülfsmittel, des Fühlens und Sehens, wie Bäume, welche nach dem gesetz der natur aus der Erde stammen, von ihr festgehalten und ernährt werden, die Kraft des Erhebens und Ausbreitens durch sie bekommen, durch die Wurzeln unaufhörlich Säfte und Kräfte sammeln, und diese in dem freien Luftraum in Aesten, Zweigen, Blättern und Früchten, in tausendfacher Richtung und Biegungen zeigen, weil sie in der Luft sich frei und willkührlich ausbreiten können, ihre Bewegung aber nur durch zufällige, schwache oder starke Erschütterung erhalten. – Ist es, dachte ich, nach dem Grundsatze der Gelehrten und dem Stammbaume der Wissenschaften nicht eben so? Da sie durch die Sinne, also durch die mit unserer Erde verbundenen Wesen entstehen, und durch sie unterhalten werden? – Erheben und verbreiten sich die Ideen der Menschen nicht in dem unermesslichen Spielraume der moralischen Welt des Denkens, bald in mächtigen fruchtbaren Aesten grosser und nützlicher Wissenschaften, bald in tausend grösseren und kleinern Zweigen der Dichtkunst, wohl auch in Tändelei und Phantasien? Sind die Werke