, doch spannte er sieben Sayten auf, und brachte auch da für Carmil gefällige, und für mich durch ihre Einfachheit äusserst rührende Töne hervor.
Ich sagte Emilien da aus vollem durchdrungnen Herzen, o, was für ein schätzbarer und grosser Beweiss sind Sie und Ihr Gemahl, von dem Werte des wahren Geistes und wahrer moralischer Stärke!
Ach, erwiderte sie, unser Glück war, dass nur Abschen vor Bosheit und Niederträchtigkeit uns von Menschen entfernt hatte, diese Gesinnung konnten wir dem Himmel zeigen, daurender Hass gegen unsere Verfolger, hätte uns keine ruhige Ergebung in unser Schicksal, keine Hoffnung auf Gottes Beistand einflössen können. Wahr ist es, Fleiss und Nachdenken stützten uns auch, wir sind jetzt um so viel glücklicher in allem, ja in Wahrheit die glücklichsten aller Colonisten; denn diese haben keine völlige Abgeschiedenheit von Menschen, keinen so gänzlichen Mangel aller hülfe empfunden, können also nicht sagen, wie viel ein guter Nachbar wert ist. – Wattines scherzte manchmal über die Wünsche des Alleinseins der Liebenden, welchen alle andre Gesellschaft zu viel und zuwider ist. – Wir liebten uns, aber gewiss, ohne moralische Gefühle, ohne edle Kenntniss und ohne Arbeit, würde unser Elend unaussprechlich gewesen sein. – O, schätzen Sie meinen Wattines für alles was er tat und ist! so viel Feuer! so sehr an grosse Welt gewöhnt, und auf der Insel Taglöhnerarbeit, bei armer Nahrung, dann so viese Ueberwindung und Opfer zur Stütze und Erheiterung für mich, und doch bei jedem Anlasse so schöne liebenswürdige Ideen, welche ihm bei seinen Griechen selbst ein Verdienst gegeben haben würden. Eines Abends, da wir vom Belvedere mit unserm Knaben nach der Hütte zurückgingen, und Wattines, um mir und Carmil allen Raum zu lassen, sich näher an den Bäumen und Gesträuchen hindrängte, also keinen Schatten machen konnte, ich aber die vor uns sich hinstreckenden schönen Gestalten der Baumschatten mit vielem Vergnügen bemerkte, sagte er so unerwartet schmeichelhaft:
Ich bin glücklicher als du, meine Emilie! denn ich sehe die Schatten von zwei Engeln neben mir hinwallen, indem er auf die Stelle deutete, wo mein Umriss, und der von unserm Carmil hinschwebten. – Er übte sorgsam die Fähigkeit, schöne Bilder und Gedanken zu schaffen, damit selbst seine mühvolle Feldarbeit in meinen Augen immer in neuer Gestalt als Spiel der ergötzenden Gärtnerei erscheinen möge, wie er im dritten Jahre des Aufentalts auf der Insel, unser Sonnenblumenfeld längst dem Endtenfange hin, äusserst sorgfältig umarbeitete, in Felder und Gänge abteilte, Linien zog, welche sich zwischen zwei kleinen Wegen immer durchkreutzten, wo er dann kleine Grübchen machte, und mir sagte, unserm Carmil das Körbchen von Maisblättern zu geben, welches ich von den Indianerinnen hatte. Wattines nahm das Mass Saamenkörner mit zu dem feld, füllte Carmils Körbchen, und zeigte ihm, wie er in jede Grube ein Körnchen werfen solle. Der liebe Knabe war erst zwei Jahre, fasste es aber sehr leicht, trat nicht aus dem von seinem Vater angewiesenen Weg, und übersah kein Grübchen; gleich als ob der Geist der geometrischen Ordnung mit ihm geboren wäre. In der Mitte des Ganges pflanzte Wattines eine Laubhütte von Bohnen, für Carmil, welcher dann, als unsere Blumen ganz aufgeschossen waren, zwischen den Reihen der hohen Stengel, wie in einer Allee hin und her gehen, und über das von seinem guten Vater gemachte Geländer hin, dem Schwimmen und Plätschern der Endten zusehen konnte. Vandek und seine Frau haben es noch gesehen, das liebe mit Blumen besetzte Feld, fanden es schön, staunten aber sichtbar darauf hin, als ob sie die Menge der Sonnenblumen für überspannte Einsiedlerideen, oder übertriebene Phantasie der Vaterliebe hielten; aber am Ende freuten sie sich des Gedankens von Sonnenblumenöhl, welches ich ihnen zu kosten gab, und bei diesem Anlasse das lang entbehrte Glück, a n d e r n z u n ü t z e n , wieder genoss; denn die vortrefflichen Vandek setzten sich vor, diese Pflanzung bei der Colonie, als etwas sehr vorteilhaftes einzuführen; doch wusste die liebe Frau die Tränen nicht zu begreifen, welche bei dieser Aeusserung ihres Mannes meine Augen netzten, aber als sie mich die Hand meines Wattines fassen sah und sagen hörte: O mein bester Freund! wir aus unserer armen Hütte, einer ganzen Colonie Dienste leisten, – da umarmte sie mich, weinte auch die schöne Träne des Mitgefühls, und schätzte von da an eine Eigenschaft meines Herzens, welche sie täglich ausübt; denn niemand kann wohltätiger sein, als diese würdige Frau und ihr Mann es sind. – Das schmeichelhafte Lob, welches sie unserm Oehle gegeben hatten, weckte oder reitzte vielmehr meine Eigenliebe, zu sagen: ich hoffte mich noch durch eine andre Einsiedlerkunst mit Frau Vandek zu verbinden; wenn sie eine glückliche Bienenjagd gemacht haben würden, wollten wir eine Honigweinfabrik anlegen, wovon ich alle Vorteile wüsste und geübt hätte. Beide lächelten darüber, aber ich füllte nun die Tassen in welchen sie mir wieder Tee und Milch zu kosten gegeben hatten, mit einer probe Honigwein, und erhielt neben der Freude, sie dieses Getränke loben zu hören, einen schönen Beweis der Güte ihres Herzens, denn sie segneten die Stunde, in welcher ich den Versuch dieser kleinen Brauerei machte, weil uns in diesem angenehmen Weine eine Art von Erquickung zufloss.
Nun kam ich wieder mit meinen fragen über das letzte Prüfungsjahr hervor, indem ich beinahe eilte, darüber wegzukommen, da mir der Gedanke ihres langen einsamen Wohnens