Blumen an der Griechen ihre Blumengöttin dachten. Wir dankten dennoch unserem erkannten Gott, mit frommer Verehrung für jedes Körnchen Mais und Gerste, für jedes Blatt unseres Gemüses; – aber die holden Phantasien der griechischen Dichter, welche zuerst ländliche Arbeit und die einsame Hütte der Liebe besangen, dieser, den Griechen allein zuerst bekannt gewordene Geist, der alles mit einer gefälligen und wohltätigen Anmut beseelt, dieser begleitete und lenkte unsere Spatziergänge und unsere Gefühle, machte uns lächeln und an den Frühling der Welt und die guten Kinder der natur denken, wo gesetz und Ordnung noch keine Stuffenfolge unter den Menschen gemacht, und den bösen niedern Neid noch nicht geweckt hatten. Ich wollte den edlen gefühlvollen Wattines nicht an der Reihe dieser Ideen stehen lassen, sondern ihn sobald möglich ablenken, doch denken meine Freunde gewiss noch nicht, dass ich hiezu das Andenken an einen Mönch und einen Pabst zu hülfe nahm. Ich bin gewiss, meine Base lächelt, über diese seltsame Mischung mit griechischem Genius, Haynen und Nymphen einen düstern Kloster und den Vatican. Mich dünkte, dass Wattines sich entschuldigen wollte, so vielen Wert auf mytologische Bilder und Ideen zu legen, auch vielleicht vermutete, ich hätte von ihm lauter ernstaft moralische Vorstellungen gefordert, weil poetische Ideen in seiner Lage zu tändelnd seien. – Alles dieses wollte ich in den guten Mann verscheuchen, und sagte ihm: dass er mache, dass ich die Fabeln und die Dichtkunst der Griechen aufs Neue segne, da dieser liebenswürdige Genius seine bittre Einsamkeit versüsste; so wie er dem schätzbaren Ganganelli in seinem Kloster erschien, und ihn liebreich tröstete; wie es ein kleines Gedicht anzeigte, welches er zu der Teorbe gesungen haben soll. Da ich es nur in der Uebersetzung kenne, sagte ich Wattines den mir stets interessanten Inhalt des Liedes, so gut als möglich in seiner Sprache, weil mich dünkte, Gefühle verstehen sich leichter, als gelehrte Gedanken. –
Lichtgeist! der vor Gottes Trone
Anmut über Engel giesst,
und durch den auf jeder Zone
eine Schönheitsquelle fliesst.
Aus dem Gitter meiner engen Zelle
sehe ich oft den Wiederschein von dir,
plötzlich wird die dunkle Clause helle
und den ganzen Himmel zeigst du mir.
In des himmels weiter Ferne
und hier auf der nahen Flur,
Folget Glanz im Abendsterne,
und dort Blumen deiner Spur.
Lieg ich einst auf jenem Todeshügel
den dein Fuss auf ewig flieht,
o! dann wehe mit dem Purpurflügel
bis auf meinem Grab ein Blümchen blüht.
Wattines fasste den Sinn dieses Liedes so richtig, dass er gerührt wurde und sagte: edler Mönch, unglücklicher Pabst! dein Herz verdiente ein besseres Schicksal; – aber wäre Europa noch, was es vor zehen Jahren gewesen, und ich hätte diese Anecdote in Versailles gehört, so würde ich einen Urlaub von drei Monaten erbeten, und die Reise nach Rom gemacht haben, um diese Verse in ihrer Ursprache, mit der Teorbe begleitet, singen zu hören; – denn, sagte er nach einigem Schweigen: nun liegt Ganganelli vergiftet in der Peterskirche begraben, und ich wohne hier. Der Geist seines Gedichts soll aber neben dem Bilde seines Lebens und seiner schönen Briefe in meinem Gedächtnisse bleiben.
Ich war unendlich erfreut, unserer Unterredung die
sen Ton gegeben zu haben. Wattines folgte nun seinen Geschäften, und ich ging die erlaubnis zu benützen, meine fragen bei Emilien fortzusetzen, denn ich wollte ihr ganzes Leben auf der Insel kennen, zog also die Noten der Frau Vandek aus meiner Brieftasche, und ordnete meine Blätter und fragen. Mit Verehrung muss ich sagen, dass Madame Wattines stets in gelassenem ruhigen Tone und gleichmütig von ihrem erlittenen Jammer sprach, während ich sehr oft mit Schauer an die 4 Jahre zurück dachte, welche die vortreffliche Frau auf der öden Insel verlebte: – oft auch segnete ich in dem grund meiner Seele, die Liebe des Schönen und zierlichen, durch welchen die schätzbaren Wattines so viel kleinen freundlichen Trost, Zerstreuung und Vergnügen fanden. Gärtnerei, Poesie, Blumen, ja die Zeichenkunst, alles ist mir werter, und auf gewisse Art heilig geworden, indem ich sie alle als gute untergeordnete Wesen ansehe, welche nach der Weisung des Oberherrn unserer Schicksale, die arme Wattines stützen, sanft erheitern, und an dem Zauberfaden angenehmer Gefühle, von den traurigen Aussichten ihres einsamen labyrintischen Pfads ablenken sollten.
Ich arbeite viel in Wattines Garten, wenn ich bemerke, dass Emilie mit ihren Kindern, oder mit sich selbst allein sein möchte, wie sie auch freimütig bekennt, dass alleinsein ein Bedürfniss für sie geworden sei, und dass sie Mühe hatte, sich ungeachtet ihrer Freude, Europäer zu sehen, an die Erscheinung vieler Leute zu gewöhnen. Nur für Carmil hatte ich sorge auf der Insel, für Carmil liebte ich das feste Land und die Verbindung mit Menschen. Er schien so glücklich mit Käfern und andern Insecten, mit den kleinen Fischen am Ufer, denn die ruhige Schönheit und das stille Verdienst der Blumen und Pflanzen konnten für den muntern, immer in Bewegung lebenden Knaben nicht sein, was sein Vater und seine Mutter darin fanden. Als ich bemerkte, wie sehr ihn der Gesang der Vögel anzog, suchte ich meine stimme wieder hervor, und Wattines machte eine Art Flöte, auf welcher er nach einiger Uebung recht artige Liedchen und Tänze spielen konnte. Ja der gute Wattines machte einen Versuch, die erste Leier nachzuahmen, wie er sie in den Kupfern der Idyllen des edlen sanftmutvollen Gessner sah, aber es mangelte nun an Verschiedenheit des Drats