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, voller Güte zu uns kam, uns gewiss gerne seine Einsichten mitteilt, so wie er unsere Erholungsstunden versüsst. Vandek ist ein Gelehrter, der sich nun als Familienvater der Landwirtschaft widmet, mit welchem ich als einem gebohrnen Holländer auch von Producten und Erwerb sprechen kann. Fleiss und Sparsamkeit seines National-Characters, seine Sitten und Lehren als Geistlicher, sind mir von unschätzbarem Werte und Nutzen für meine Colonie. Ihm wird es auch wohl tun, hie und da ein Stündchen mit Ihnen zu sprechen, so wie ihn die Bücher von Wattines freuten. Dieser ist auf einer andern Seite viel für uns geworden, weil wir den klagenden Colonisten sagen konnten:

Seht! diess war ein reicher junger Edelmann in Frankreich, der alles verlohr, und eben so dürftig hierher kam, als Ihr, auf der Insel allein wohnte, mit seiner schönen jungen Frau arbeitete, Geduld hatte, und Gott vertraute. Wir sind gleich mit nachbarlicher hülfe unserer eigenen Landeleute hergekommen, haben Handwerkszeug und Nahrungsmittel mitgebracht, welches alles der gute Mann und seine Frau nicht hatten. Seht, wie beide noch arbeiten, und euch und eure Weiber noch vieles lehren können. –

Dieses wirkte viel; denn unsere deutschen Landsleute sind noch sehr an den alten Begriff der Vorzüge des Adels geheftet, und beurteilen das Schicksal der Wattines nach dem, was sie besassen und verlohren. Die meisten unserer Leute haben ihre wohnung und ihre Felder auf der Insel besucht, alle kamen von Hochachtung und Mitleiden durchdrungen zurück, und der letzte Auftritt des Hrn. v. Wattines, da seine Gegenwart des Geistes, sein Mut und seine Geschicklichkeit ihn von der augenscheinlichen Todesgefahr rettete, hat diese Gesinnungen mit einer Art höherer Ehrfurcht verbunden, und nicht nur das, sondern unsere Jungens, und Handwerks-Gesellen, ja selbst Männer, üben sich mit Schleifen machen, und haben Pflöcke mit einem Stück Bärenhaut auf einem Bret befestigt, welches einige Buben ziehen, und andre dastehende bemühen sich, dem Pflock die Schleife überzuwerfen, und den Bären, wie sie ihn nennen, nach sich zu schleppen; ja viele tragen jetzt einen Strick bei sich, um mit ihrer Geschicklichkeit und Stärke auch einst einen Fang zu machen. – Mich dünkt dieser Tag und diese Unterredung war die Hälfte meiner Reise wert; aber mein Hauswirt und seine Frau endigten mit der Versicherung, dass die Wattines sich sehr über meine Ankunft freueten, weil ich so geläufig französisch spräche, und Frankreich kenne, indem sie wie alle Emigrirte, an ihrem vaterland, seiner Sprache und Gewohnheiten hängen. Er dankte mir dabei nochmals für den jungen Zimmermann, welchen ich mitbrachte: ihm wird morgen nach dem Gottesdienste, ein Stück Feld und Wald zugemessen werden. Ja der Kaufmann, der heute lange mit ihm redete, und seinen guten Verstand schätzt, will ohne Kaufschilling und ohne Pacht für ihn sorgen. Sie können nicht glauben, meine Freunde! Mit was für einem vergnügten Herzen, ich in mein Loghouse kam; diesen jungen Mann versorgt, und die Colonie mit einem n ü t z l i c h e n B ü r g e r bereichert zu haben. Es war ein wahres fest, diese Aufnahme des neuen Einwohners der künftigen Stadt, und gewiss konnte in der ganzen Christenheit kein Sonntag schöner gefeiert werden. Vandek hielt erst die Gebete, dann eine kurze rührende Rede; über die göttliche Vorsicht und Bestimmung der Menschen, welche sie alle von so verschiedenen Gegenden hierher führte, um den ursprünglichen Beruf, b e t e und a r b e i t e , hier auszuüben; es koste Mühe, gösse aber seeligen Trost in das Herz, als guter Hausvater und nützlicher Mensch zu leben. Er sei sicher, dass nicht einer unter ihnen sei, der nicht mit ihm Gott danke, dass er jetzt die Schritte eines guten Zimmermanns hierher leitete, weil sie gerade noch einen solchen Mitbürger gewünscht hätten, um noch in der schönen Jahreszeit ihre Wohnungen alle gesund und nützlich auszubauen. Gewiss würden auch alle mit ihm jeden Fussbreit Erde, der ihrem neuen Nachbar zugemessen würde, segnen, und ihm hülfreiche Dienste leisten, wo er es brauchte; und Gott würde diese Ausübung der Nächstenliebe an ihnen lohnen. Nun zog alles hinaus, die Messstangen wurden von jungen Leuten, in vollem jubel getragen: kleinere Knaben, und die Mädchen trugen Baumzweige und Tannenreissig, welche sie auf die gemessenen und etwas aufgehackten Striche der Felder des neuen Landmanns legten, so dass der ganze Umfang des ihm zugeteilten Bodens, eine zwei Fuss breite Einfassung hatte, die von beiden Seiten an den ausgesteckten, und mit Waldblumen verzierten Bäumen endigten, welche man an der Stelle eingegraben hatte, wo das Wohnhaus hinkommen soll. Dieser, nebst dem bestimmten Hofplatz, war seit ein paar Tagen gereinigt und geebnet, und Baumstämme statt Bänken umher gelegt: dort hatten während dem Abmessen des Landes, die Weiber Mittagessen und Bier zugetragen, und alles, Herr und Knecht, Frauen und Mägde, Kinder und Alte, verzehrten ihr Mittagbrod mit freundlicher Eintracht und Munterkeit. Ich gab gutes englisches Bier, auf die Gesundheit des Zimmermanns zu trinken, und Vandek sagte: wir sind hier in dieser Wildnis viel glücklicher als der berühmte Lord Baco, Canzler von England, mitten in London war, da er in seinem Alter zu arm wurde, um sich gutes Bier zu kaufen. Diese wohl angebrachte Erinnerung, verhinderte jeden Wunsch nach Wein. Die Zufriedenheit wurde vermehrt, da ich einen Vorrat Braten, Schinken, Bier und