mich auf das Paquet, ihm noch ruhig zuzusehen; als er mit der neigenden Sonne gegen das Ufer und die Bank zurückkam, bat er mich diese Stellung zu behalten. Ich lachte, wollte wissen warum? und stand auf, Carmil zu holen.
O Emilie! diese Stellung muss ich nach dem Umrisse deines Schattens in den Rasen eingraben, morgen kommen wir wieder her, und da werde ich mit vielem Vergnügen diese idee ausarbeiten. – Es war mir unmöglich zu erraten, was er damit sagen wollte, aber den zweiten Tag musste ich seinen Bitten nachgeben, und mit Carmil um die nehmliche Stunde hin, mich wieder auf eine Rolle legen, und als mein Schatten sich auf dem grünen Hintergrunde ganz deutlich zeigte, raufte er mit dem grössten Eifer das Gras aus dem inneren Umrisse, an dem kleinen über die Bank erhabenen Hügel, und änderte mehrere Tage so lange daran, bis es wirklich in einer gewissen Ferne das Ansehen hatte, als als ob eine weibliche Gestalt längst der Anhöhe auf der Bank liege. Diese Phantasie dünkte mich äusserst neu, Wattines sagte aber, dass es eine Erinnerung von seiner Reise durch England sei, wo er bei einem dorf, die Colossalgestalt eines Pferdes auf diese Art an der Seite einer schönen Anhöhe eingegraben sah, und hörte, dass es alle Jahre ein grosse fest für die jungen Bauersleute sei, den Umriss des Pferdes von dem Grase zu reinigen, damit es ja recht weit gesehen werden könnte, welches bei dem kalkartigen Boden sehr leicht seie. Er hätte diesen vorteilhaften Grund nicht gefunden, hoffte aber doch, die Dame seines Herzers sichtbar zu machen.
Nun pflanzte er einige Gesträuche näher an den Abhang, grub den Umriss tiefer, vergrösserte und ründete die ganze Gestalt, machte auch den Zusatz, sie den rechten Arm ausstrecken zu lassen, als ob sie nach einem überhängenden Ast des Gesträuches greifen wollte; und um das Ganze weiss zu halten, damit es sicher von ferne gesehen werde, besteckte er es ganz enge mit Muscheln und weissen Kieselsteinen, machte zu den Füssen des Bildes eine Vertiefung, welche einen Wasserkrug vorstellte, wozu er die wenigen, von dem wasser angeschwemmten Steine verwendete. Mehrere Wochen gingen hin, bis dieser Einfall das gewünschte Ziel erreichte, und ich muss bekennen, dass das Ganze wirklich bei anfangender Dämmerung oder bei Mondschein, einen ausserordentlichen Eindruck machte. Wattines hoffte auch, dass künftige Schiffer auf dem See Oneida, sich freuen würden, die weisse Frau zu sehen, weil es klares Wetter anzeige, wenn die Ufer der Insel helle seien, munter setzte er hinzu:
Die Gestalt meiner Emilie wird den Stoff zu künftigen Feen- und Nymphengeschichten geben, meine Liebe für dich, Anfang zu schönen Mährchen und zur Bildhauerkunst der Bewohner der Grafschaft Onotaga werden, welche dann meinen Namen auch aufbehalten werden, wie die Griechen den von der Töpferstochter Dibutade verewigten, welcher man die Entstehung der Zeichenkunst zuschreibt. Vielleicht erzählen die Oneidas einmal: die da liegende weisse Frau, sei zweimal zu ihren Grossmüttern übergeschwommen, ihre Wochen zu halten; nachdem aber verschwunden, bis man sie in einer schönen Nacht, auf einer Moosbank an dem Ende der Insel schlafen sah, wo sie aber durch das Plätschern der Ruder neugieriger Schiffer geweckt, das Gesträuche herunter ziehen und sich verstecken wollte, aber aus Schrecken und Angst vor den rauhen Fischern in Stein und Muscheln verwandelt wurde.
Als ich über diese scherzhaften Träumereien lächelte, sagte Wattines ganz ernstaft: Meine Emilie! wenn wir zurück gehen zu den Griechen der ersten alten Zeit, so war diese Art Vorstellung und Ideen der Anfang ihrer Dichtkunst und ihrer geschichte. Wer weiss also, was die Imagination der künftigen Poeten dieses Landes aus der einfachen Erzählung der Fischerfamilien des See's Oneida, für schöne Heldengedichte machen werden, da sie schon an Halbgötter glauben, welche mit erlaubnis des grossen Gottes, der in Süden wohnt, die Dinge dieser Welt besorgen. Sie verehren schon Sonne und Mond, halten den Donner für die stimme der obersten Gotteit, beten, bringen Sühnopfer. Sind sie nicht auf dem Wege, einst eine schön zusammenhängende Mytologie, einen Homer und Ossian zu haben? – Vielleicht haben wir in der Hütte der Indier durch die Blumengewinde und Kränze des kleinen Mädchens, die Sage von einer Flora oder Venus gestiftet. Einer der grössten griechischen Geschichtschreiber, Tueidides sagte, dass man in den Sitten der noch rohen und sogenannten barbarischen Völker den charakter der ersten Griechen kennen lernte; so wie man gewiss auch in den Bildern, welche die auf ihre Macht und Grösse so stolzen Römer von andern Nationen darstellten, den Zustand und die Gesinnungen sehen konnte, in welchen sie sich selbst, bei dem Anfange ihrer berühmten Stadt befanden. –
Ich wurde, setzte Emilie hinzu, sehr aufmerksam und blickte nachsinnend auf Wattines hin, er bemerkte es und sagte lächelnd: Ja, meine Emilie! wie die Römer uns Gallier kennen lernten, betrachteten sie uns als Barbaren; denn sie hatten schon weiche BettPolster und Trone, als unsere Fürsten noch auf zusammen gebundenen Heubündeln sassen; und als sie das erstemal nach Britannien kamen, trafen sie die Bewohner der glücklichen Insel, wie die Engländer in den neuern zeiten die nordamerikanischen Wilden fanden; denn Newtons und Bacons Landsleute wussten damals auch noch nichts von Ackerbau, bemahlten ihren Körper, und deckten sich im Winter mit den Fellen wilder Tiere. Bedenke nun, meine Emilie, was Gallien und Brittannien seitdem geworden sind.
Die natur machte keinen so grossen Unterschied in der