alle Tage etwas Nützliches zu lesen und meine Kenntnisse zu vermehren, zum Bedürfniss meines Lebens und zum Gefühl des grössten Glücks der Erde.
Nun kam Emilie zu uns, und ich sagte zu Wattines: Dank! Edler, wahrhaft glücklicher Freund! für das so schön ausgemalte Bild verdienstvoller Tage, und er erwiderte auf seine Frau deutend:
Emilie, Emilie allein, war die Triebfeder des Besten von allem was geschah. – Sie hörte dieses und fragte, wovon die Rede sei? Wattines machte einen kurzen Auszug von dem, was er mir erzählte, sie lächelte und sagte: nun bleibt mir für Ihren nächsten Besuch beinahe nichts zu tun übrig, als die Probestücke unserer Kunstarbeiten und Erfindungen vorzulegen: mit dieser mir so angenehmen Aussicht auf einen der folgenden Tage, ging ich nach haus und schrieb einige, Ihnen meine Freunde, und mir selbst versprochene, Blätter.
Drittes Bändchen
Ich glaube fest, dass selbst Philosophen, ja auch Frauenzimmer, eben so begierig gewesen sein würden, wie ich es war, die neuere Fortsetzung der EinsiedlerGeschichte unserer Wattines durch Emilie zu hören. – Mich dünkt, dass diese Erzählung dadurch das Ansehen einer denkwürdigen Medaille bekommt, welche bei einer besonderen gelegenheit geprägt wurde. Der innere Gehalt ist durchaus von gleichem Werte, – aber beide Seiten wurden auf verschiedene Art, in Beziehung auf die geschichte bezeichnet. –
Wattines Arbeiter fragte mich den zweiten Abend, wann ich wieder zu seinem Herrn zu kommen gedächte? es fiel mir etwas auf, aber ich vermutete, dass Wattines, welcher nun ganz hergestellt war, eine Feldarbeit vorhabe, warum er es wissen wollte: der Mann sagte auch, des Nachmittags erwarteten sie mich bald, – das war mir lieb, weil Scriba, bei welchem ich speiste, gerne früh vom Tisch aufstand. – Ich machte mich also zu meinen Wattines, fand ihn in einer ungewöhnlichen Jacke an seinem Tische sitzend, einen Band der schönen Ausgabe des Büffons vor sich, Emilie aber eifrig beschäftigt, an etwas vor ihr hängendes zu arbeiten.
Die Loghouses sind nicht helle genug, dass jemand, welcher von der freien Luft eintritt, sogleich alles unterscheiden kann. So sah ich nach einigen Minuten erst, dass Wattines strickte, Emilie ein halb graues Wämschen trug, und Antonette in dem kleinen Schifchen lag, in welchem Carmil nach der Insel gebracht wurde, und es zu seiner Schlafstätte hatte. – Beide lächelten über mein staunendes Kucken; Wattines sprach zuerst, und sagte: kommen Sie, Freund! und sehen eine kleine Wiederholung eines unserer auf der Insel verlebten Tage: als Carmil nicht grösser wie Antonette war, Emilie für mich webte, und ich bald etwas vorlas, bald fleissig strickte.
Ich kannte die einsame Hütte, in welcher sie wohnten, Wattines hatte mir die Plätze gezeigt, welche sie da einnahmen, nun waren sie mit ihrer damaligen Beschäftigung und Kleidung, selbst mit dem Stücke Leder um ihre Füsse, auch in einer Holzhütte lebend vor mir. Dieser Austritt, welcher für das feine, leicht strömende französische Blut nichts als eine Teaterscene zu sein schien, bewegte und durchdrang mein teutsches Herz auf das innerste. Trauer und Hochachtung erfüllten meine Seele, sie bemerkten es beide dankbar, und es schien ihnen leid, ihre Rolle zu gut gespielt zu haben. – Ich dachte mitten in dem Schauer, mit welchem ich ihr Leben von diesem Zeitpunkte durchblickte, und ihre Vorstellung so rührend fand:
Ach sie sind wie der Schauspieler der Alten, welcher bei einer Trauerscene, den Aschenkrug seines einzigen Sohnes umfasste, also den Jammer eines Vaters so eindringend spielen konnte, wie diese guten Menschen die Erinnerungen ihrer Kummertage. Nachdem sagte ich, näher zu ihnen tretend: Sie haben mich, meine würdigen Freunde mit einer für Sie ehrenvollen, und für mich äusserst wehmütigen Scene überrascht, von welcher ich den Eindruck niemals vergessen werde. – Gott erfülle die Wünsche, welche mein Herz für Sie macht. Wattines stand auf und umarmte mich, indem er sagte: dass er des Wohlwollens meines Herzens für sich und die Seinigen ganz versichert sei. – Emilie setzte mit sehr sanftem Tone, sich anmutsvoll gegen mich beugend, hinzu:
Unser Herz ist gewiss auch dankbar dafür. Nun schwiegen wir alle einige Zeit, Emilie arbeitete fort und rief mir dann zu: Wollen Sie nicht meine Weberei näher sehen?
Ich betrachtete sie nun aufmerksam, und sah zu, bis wirklich eines Fingersbreit fertig war. Wattines nahm munter sein Strickzeug, indem er sagte: ich will auch meine Kunst zeigen. Nun sprach aber Emilie, als er wegging, um noch seinen Arbeitern nachzusehen, und ich meine Hochachtung für ihren mühvollen Fleiss bezeigte: die mechanischen Künste, welche das Bedürfniss in unserer Einsamkeit uns lehrte, gingen langsam und mit wankenden Schritten voran, es war ganz anders mit den Saamen, welchen wir der Erde anvertrauten, denn diese folgte nach ewigen Gesetzen, der Bestimmung ihrer Wirksamkeit. Tau, Sonnenblicke und Regen, finden in der Erde weniger Hindernisse, als die Versuche der Handarbeit für den ungeübten Menschen. Wir hatten nur Erinnerungen, wie Träumende, keine Modelle, keine Werkzeuge, keine Helfer die Rat gaben, unsre Anstrengungen zu erleichtern, oder uns durch Beifall zu belohnen. – Wattines sagte einmal: er sei wirklich unter der Hand des Schicksals, in der Lage der russischen Soldaten, welche man auf den Marsch zu allen arbeiten commandirt; ein Rad des Wagens geht entzwei, da gibt der Officier dem nächsten mann den Befehl: schaffe ein neues