zu ziehen, misslang schon an sich selbst, auch fand Emilie den Geschmack davon unangenehm. Sie wissen, dass unser französisches Brod ganz süss ist, unser schottisches war es auch. Unsern Carmil wollten wir gar nicht mit dem Salze bekannt machen, sondern ihn wie unsere ersten Landsleute, die alten Gallier, und wie Plinius von den ersten drei Jahrhunderten der Römer erzählt, mit Brei von unsern Feldfrüchten ernähren, wozu Emilie etwas Honig mischte.
So lebten wir in immer regem Fleisse vergnügt unsre Tage hin, bis ein Zufall durch die Hand meines mich verfolgenden Verhängnisses, aufs neue etwas Wermut in die Schaale meiner süssesten Hoffnung goss Die zweite Hälfte des May's war äusserst schön, alles stand in herrlichem Wuchse, Carmil war gesund, stark, blühend, wie unsere jungen Bäume, lief auch im Juny schon mir mit seiner angebeteten Mutter entgegen, aber den Tag, an welchem ich ihn zu dem Altare seiner Mutter tragen, und wie in dem Tempel der Tugend segnen und einweihen wollte, in der Stunde wo ich hin ging, meine heimlich gezognen und gepflückten Blumen um den Altar und die Bäume zu streuen, einen schön geflochtnen Kranz auf ihn zu legen, welchen ich mit Emilien vereint unserm Lieblinge aussetzen, und ihn mit einem zahm gemachten Vogel, in einem mit hundert kleinen Blümchen umgebnen feinen Dratkäsich beschenken wollte, – in dieser Zeit, wo mein Herz voll Wonne alles dieses veranstaltete, hatte ihn seine Mutter zu den Urnen, zu dem Andenken alles unsers Jammers getragen, hatte mir nichts von diesem Vorhaben gesagt. Ich kam hüpfend zur Hütte, um sie und unsern Sohn zu holen, fand sie nicht, rufte und suchte sie vergebens bei dem Belvedere, als mir die unseligen Urnen in das Gedächtniss kamen. Ich wollte sie nicht stören, aber alle meine Freude war dahin, und die Empfindungen, welche Emilie bei den Denkmählern der gemordeten Verwandten sammelte, machten auch sie der Freude unfähig. Ich ging lange Zeit traurig halb ausser mir, von Emiliens Bank zu der Hütte, und von der Hütte zu der Bank hin und wieder, immer mich umsehend, endlich kam sie langsam, ihren Kopf auf Carmil gebogen, zwischen den Bäumen hervor, blickte eifrig um sich her, und als sie mich an ihrer Bank stehen sah, verdoppelte sie ihre Schritte, staunte aber etwas zurück, als sie mich, wie auf den Boden angewurzelt fand. Ich, der sonst ihr entgegen eilte, mit meinen Blicken schon sie umarmte, stand mit zu der Erde geheftetem Auge da, und erhob nur eine Hand matt gegen sie, die ihre rot geweinten Augen in einer Beugung gegen das Kind verbergen wollte.
Der Kleine rief: Papa, und reichte mit seinen Aermchen nach mir hin: diess lösste mein Starren, und zugleich meine Tränen, ich eilte nach meinem Sohne, fasste ihn, drückte ihn hastig an meine Brust. Emilie sah mit dem höchsten Schmerz auf mich, hieng sich an meinen Arm, und schluchzend sagte sie:
Carl! o Carl! was ist in deiner Seele? und diess auf den Geburtstag unsers Carmils, ich antwortete mit zitternder stimme: ach Emilie! ich wollte ihn auch feiern, den lieben Tag, aber nicht mit Tränen des innersten Jammers, indem ich traurig auf sie hinblickte. O, rief sie aus, gibt es andre Tränen auf dieser Stelle?
Diese Frage schmerzte mich tief, und ich erwiderte mit gedämpftem Tone: ich hoffte es, aber nun ist alles entflohn.
Emilie schwieg einige Augenblicke, sah um sich, und dann auf mich, wobei sie eine meiner hände fasste, und ängstlich sagte: Carl, eine Freude dir entflohn? durch mich? O verzeih mir! Nun war ich gerührt und sagte: teure Emilie! ich hatte Unrecht dich zu verlassen, dir nicht gleich zu sagen: komm mit mir! nimm für dich, nimm für Carmil, was ich hier geben kann; aber wo soll jetzt ein Gefühl der Freude herkommen, da du deine Seele bei den Urnen mit tiefem, bitterem Kummer erfülltest? Sie schwieg wieder einige Zeit still weinend, und sagte dann ernst, ob schon sehr sanft:
Carl! ich habe dort für unsern Sohn gebetet, und unsere Mütter angerufen, für ihn und uns vor Gottes Trone zu beten, und brachte ihn dann zu dir zurück. Soll da keine Ursache zum Vergnügen sein?
Ich fürchte es Emilie! aber ich habe ein kleines Geschenk füx Carmil aufgestellt, das wollen wir holen, und schweigend ging ich mit meinem Sohne im arme voran, gegen den kleinen Hayn.
Sie können nicht glauben, meine Freunde, wie traurig mich bei diesem Teile der Erzählung der Gedanke machte, dass selbst unter den besten edelsten Menschen, bei sehr geringen Anlässen Missverständnisse erscheinen, welche die schönsten Tage verderben. – Wattines fuhr fort: Sie wissen, dass man bei Emiliens Ruhebank vorbei, den gebognen Weg zwischen den Gesträuchen nach Elysium gehen muss, wie wir von dem Tage an diesen kleinen teil des Waldes genannt haben. Emilie folgte mir nachdenkend mit langsamen Schritten: ich hielt auch ein mit meinem raschen Gange, kehrte mich am Ende des Ganges gegen Emilie, stellte Carmil auf die Erde und sagte, geh, und hole Mama. Sie staunte auf die mit einem Blumengewinde zu einem Bogen verbundenen Aeste von zwei prächtigen Accarien hin, sah dann mit Blicken voll Liebe und Tränen nach mir, unsern Sohn an der linken Hand haltend, und mit der rechten nach mir