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e n finden Geschmack an 458 Gattungen von Pflanzen und Blättern, verwerfen nur 74; das P f e r d zieht 278 allen andern vor, und lässt 207 unberührt; die S c h w e i n e suchen begierig 107 und versagen 190.

Die gute Emilie segnete und verehrte den Linne innigst, wegen dieser Aufmerksamkeit auf die nützlichen Haustiere, und behauptete dabei: er würde nicht so gut gewesen sein, wenn er nicht die Pflanzen vorzüglich geliebt hätte; weil die stille Schönheit und Verdienste dieser Geschöpfe, das Herz auch mit sanften, wohlwollenden Gesinnungen erfülle. Aber wie sehr dankte sie dem Himmel, für die herrliche Gabe, welche er den Menschen schenkte, Gemüs und Blumen zu veredeln und zu vermehren; mit wie viel Freude war ihr Staunen verbunden, als sie lernte, dass die Sorgfalt der Gärtner, aus der erst einzelnen Art L a t t i c h und C i c h o r i e n , welche nicht sehr wohlschmeckend, und etwas herbe waren, jetzt mehr als funfzig sehr nahrhafte und angenehme Gattungen ziehen. Bei dem Artikel der Naturgeschichte der Tiere, wunderte sie sich, dass nur 300 Gattungen vierfüssige und 1500 Vögel gezählt werden, und dass unter diesen die Menschen nur ungefähr 20 auswählten; aber diese so vermehrten und verbesserten, dass sie dadurch einen grösseren teil Glück auf der Erde verbreiteten, als die übrige Menge beider Tierarten geben. Wie glücklich, wie unendlich glücklich war ich in meinem Elende, dass Emilie, die junge blühende Emilie, Gott, mich und die natur so innig liebte. Und was für ein gesegnetes Geschenk der Gotteit war unser Carmil, dessen Dasein und Liebenswürdigkeit das ganze Herz seiner Mutter erfüllte, und sie in der Uebung der Pflichten ihres Erdenlebens glücklich machte: K i n d e r z u e r z i e h e n , wie ich dem ursprünglichen Beruf folgte, das F e l d z u b a u e n und damit Mutter und Kind zu ernähren. Carmil war aber noch mehr als Kind für uns, er war Gesellschafter, und gab uns das Vergnügen eines süssen Wechsels, zwischen Arbeit, Büchern und uns selbst zu kosten; denn ach! der Herbst kam, aber keine Fischer mit ihm, auf welche wir doch beide, nach gegenseitigem Geständnisse, in dem inneren unserer Seele, den ganzen Sommer hofften. Wir suchten also nur unsern Vorrat gut zu ordnen. Unsere Hühner hatten uns sehr glücklich gemacht, indem wir 20 Küchelchen bekamen, welche wir für den Winter, und zu jüngern Nachzucht aufbewahrten. Emilie erinnerte sich, dass in ihrem väterlichen haus öfters schon gebratenes Geflügel, in Töpfen, mit zerlassenem Fette übergossen, sich lange essbar erhielt, und versuchte es mit unsern wilden Endten, mit dem aus mehrern von ihnen ausgekochten Fett, so wie wir auch welche räucherten. – Was Emilie am meisten wünschte und betrieb, war die Zubereitung von unserm Flachs. In den letzten schönen Tagen aber führte sie mich auch auf Stellen der Insel, auf welchen Moos und langes Strickgras war, wovon sie auch eine Aernte zu machen wünschte. Ich mähte also Gras, sie raufte Moos, und Carmil lag auf einer ausgebreiteten Decke nahe bei uns; als wir genug hatten, und beides trocken war, trugen wir es auf unserer kleinen Tragbare aufgebunden, unsern Carmil oben liegend, nach der Hütte, wo Emilie mir dann ihre geheime Absicht eröfnete, welche darin bestand, unsere Bettmatratzen aufzutrennen, die Wolle auszunehmen, und sie dagegen mit dem Strickgrase in der Mitte, unten und oben mit Moos zu füllen, um die Wolle den Herbst und Winter über zu spinnen, wovon sie dann einen höhern Nutzen zu ziehen hoffte, als auf der Wolle zu schlafen, weil im Sommer das Moos kühl und eben so weich sei, im Winter aber eine unserer wollenen Decken darüber gelegt, uns warm halten würde. Carmil schlief in seinem mit Moos belegten Schifchen, wie in einer Wiege zwischen unsern beiden Schlafstellen, und Emilie bestimmte ihm eine, mit den Federn unserer gefangenen Endten gefüllte Decke, welche sie aus einem ihrer Kleider verfertigte. Ich nahm sehr gerne Anteil an allen arbeiten, welche sie ersann, besonders weil sie einst sagte, dass sie Gott danke, dass ich täglich Arbeit hätte, meinen eifrigen und tätigen Geist zu zersirenen und zu beschäftigen. Ich bemerkte aber auch sehr wohl, dass Nachsinnen und Arbeit auch sehr gut für Emilie war, und freuete mich, wenn sie auf neue Gedanken und Erfindungen kam; denn ihre Stille und Tiefsinn, kurz nach der Zurückkunft auf unsere Insel, waren mir sehr schmerzlich, und ihre anhaltenden Besuche mit Carmil bei den Urnen unserer Eltern, machten mir Kummer, Mich däuchte immer, sie gehe hin ihre Klagen über ihr Schicksal zu ergiessen, und ich konnte sie dort nicht belauschen, wie ich bekenne, es zu tun wünschte; denn diese Vermutungen durchwühlten mein Herz. Bald aber stellte sie diese mich quälenden Wallfahrten ein, ohne dass ich mir nur das mindeste verlauten lassen, und trug nun den Liebling ihrer Seele öfter auf den Platz, an dem Ufer des See's, welchen wir, wie Sie wissen, Belvedere nannten. Einen der schönsten Abende, welcher mir auf immer unvergeblich bleiben wird, glaubte sie mich ohne Zweifel länger bei meiner Arbeit mit den Obstbäumen beschäftigt, welche, wie sie wusste, meine Lieblingsarbeit war, und ging mit Carmil auf dem arme nach dem Moosgrunde, an der Spitze