1798_La_Roche_066_7.txt

nahe genug. Gott gab mir den Gedanken und die Kraft, aus dem Strick des Kahns, ich weiss nicht wie, eine Schleife zu machen, und schenkte mir das Glück, gerade den Hals des Tieres zu treffen, und die Schleife zuzuziehen. Erst nach einigen Minuten war ich gefasst genug aus dem Kahne zu springen, und, meinen erstickten Feind nach mir ziehend, an das User zu schwimmen. Schauder überfällt mich heute noch bei deutlicher Vorstellung meiner Gefahr, und selten gehe ich, an der in meinem haus aufgestellten Haut vorbei, ohne dem Himmel für die gesegnete Gegenwart des Geistes zu danken." – Seine liebenswürdige Frau hatte während der Erzählung Tränen der sorge und der Liebe in ihren schönen Augen. Mir war auch eine Bewegung des Entsetzens durch die Seele gegangen, und alle sprachen mit erneuter Bewunderung und Freude von dieser glücklichen Klugheit, welche ihnen einen würdigen Freund erhielt; – und, setzte Vandek hinzu, Herrn von Wattines auf immer mit uns verband.

Hier bemerkte ich, dass die Frau sich sanft gegen Frau Vandek neigte, und sie zärtlich küsste; zugleich aber ihren Knaben umarmte, die Träne im Auge zerteilte, und wieder ruhig um sich blickte. Dieser kleine Umstand zeigte mir etwas Besonderes in der geschichte der Wattines und ihrer Verhältnisse mit Vandek. Doch das muntre, durch die Jagd-Erzählung unterbrochene Tischgespräch wurde wieder belebt: wir tranken guten Caffee, und ich begleitete mit Frau Vandek die Wattines nach haus. Ernst betrachtete ich die über eine Holzform gezogene Haut des Bären, welche wie eine Art von Trophee, mit dem Strick um den Hals aufgestellt ist, und dem kleinen Caremil zum reiten dient. Das Haus der Wattines ist viel kleiner als die andern, sie haben auch weniger Dienstboten, Kühe und Schaafe; aber ihr Hof und Garten ist nach der Vestungsbaukunst mit Pallisaden und Gräben eingefasst und beschützt, weil sie, da ihre Länderei als der zuletzt angesiedelten Familie, an der äussersten Seite steht, den Anfällen der aus dem dichten Gehölze kommenden Bären und Füchsen am meisten ausgesetzt sein würden. So hatte Wattines seine als Ingenieur-Officier erlernte Wissenschaft, für die Sicherheit seines Wohnsitzes verwendet. Ich erkannte das Vaterland dieser guten Menschen an dem Eingange in ihr Haus, da man wie in Flandern über einen kleinen Graben an der Landstrasse hin eine schmale brücke von einigen Schritten bis an die Haustüre geht, wo zu beiden Seiten Accacien gepflanzt sind, und zu einer Laube gebogen werden, in welcher ein paar einfache Sitze zur Abendruhe, und dem Anblick der vorübergehenden Nachbarn dienen. In der stube fand ich nur äusserst einfaches Holzwerk, wie es einem Loghouse zukommt, aber was mich staunen machte, war eine aus 300 Bänden bestehende Bücher-Sammlung der besten französischen Schriftsteller, und die Englische Monatschrift universelle Magazin. – Der edle, bisher ganz schweigend mit uns gegangene Wattines lächelte gegen mich, sasste aber mit ernster gerührter Miene meine Hand und sagte:

Dieses erwarteten Sie nicht in meiner Hütte, aber diese Freunde erhielten das Leben meiner Seele, wie Milch der treuen Mutter das Leben ihres Kindes, wobei er auf seine Frau deutete, welche sich eben gesetzt hatte, ihrem Säuglinge die Brust zu geben. – Das äussere Betragen dieses Mannes und seiner Frau, hatte ganz die seine Form dessen, was wir unter dem Namen g r o ss e W e l t bezeichnen. Sein Aufentalt an dem See Oneida, war mir eine Erscheinung, einiger, auf den Trümmern eines schiffes, vom Sturm an eine Insel geschleuderten Menschen. Der Ton und gang seiner Ideen, wie richtig gestimmte aber zu schwach gespannte Sayten einer prächtigen Leier, deren Töne nun in einer Art von Wüste verhallen. Ich fühlte Teilnahme an ihm, und eine Art fromme Ehrfurcht für sie, wie für eine Märtyrin des Schicksals; aber ich wagte keine Frage darüber. Der Abend neigte sich, die Schaafe kamen vom feld zurück. Frau Vandek nahm Abschied, und ich begleitete sie zu haus. Nun kam ich zu meinem deutschen Landsmann, und erzählte diesem, wie sehr mich das Wesen und die Umstände der zwei liebenswürdigen Wattines eingenommen habe: dass ich sicher sei, die Pariser Revolution habe sie aus ihrem vaterland getrieben, aber so weit bis zu den Ufern des See's Oneida, dünke mich noch andre Beweggründe zu verbergen. – Er antwortete mir: wenn Sie noch einige Zeit bei uns bleiben, so werden Sie alles entdecken können. Im Ganzen ist die Verkettung des Vandek und Wattines eine merkwürdige Erscheinung, und konnte nur durch die eiserne Hand der gesetz der Not hervorgebracht werden. –

Wattines wurde durch die Liebe zur Fürsten-Regierung, und Vandek aus Hass gegen sie hierher geführt. Ersterer floh aus Europa, wo man seinen geliebten König von dem Tron stürzte, der Zweite, weil Holland seinen Prinzen wieder aufnahm. Mangel des Vermögens hinderte sie, gute angebaute Ländereien oder Güter in der Nachbarschaft grosser Städte zu kaufen: Bedürfnis des geselligen Lebens mit guten vernünftigen Menschen verband uns zusammen. Dieses kann für Sie, der nur beobachten will, einen grossen Wert haben, und wird Sie gewiss für Ihre Reise belohnen. Ich als erster Ankäufer dieses öden Landes, darf mich nicht mit solchen Betrachtungen aufhalten, und muss für das Beste des Lebens meiner Famille und der Colonisten sorgen, welche aus Vertrauen auf mich hierher zogen. Wie sehr freute ich mich, als Ihre mitgebrachten Briefe, mir einen Mann verkündeten, welcher allein den gang der Anlage einer neuen Colonie sehen will