wieder zu lesen, dünkte mich einzig und höchst interessant, da ich zugleich die geschichte des Menschen vor mir haben werde. Mein Geschmack an Reisebeschreibungen, und selbst Reisen zu machen, wurde mir ein hohes Verdienst, als ich bedachte, dass Büffon alle möglichen Reisebeschreibungen alter und neuer zeiten las, Vergleiche zwischen ihnen machte, und gleichsam die Mehrheit der Stimmen, für den Beweiss einer Naturbegebenheit sammelte, welche in fernen Landen, und in entfernten zeiten beobachtet wurde. Ich konnte dieses nicht ganz allein denken, sondern drückte meine Bewunderung und Liebe für Büffon auch bei Frau Wattines mit vielem Eifer aus, und machte sie lächeln; doch sagte sie auch ernst: "ich glaube sehr gerne, dass Ihrem die natur und schöne Kenntniss liebenden geist, Büffons Werke sehr schätzbar sind, uns war er wohltätiger Genius, der in der engen Hütte auf der Insel, die ganze Grösse unsers Schöpfers uns zeigte; die geschichte der Gestirne und der Erde mit ihren Bewohnern vor uns vorbei führte, und uns dadurch glückliche Tage schenkte."
Wattines kam mit dem guten Zimmermanne zu uns zurück, weil dieser sich bei ihm wegen der Angelegenheiten der neuen Colonisten befragte: wie er ihre Wohnungen besser und auch hübscher, als die bisher gewöhnlichen erbauen könnte. Er bekam die vortrefflichste Anweisung zu allem, weil der edle Wattines mit dem Bleistifte in der Hand, seine Ideen doppelt deutlich und nützlich machte; auch ging der Mann mit einem frohen, dankerfüllten Herzen weg. Ich gab Wattines die Hand, und dankte ihm für alle Güte, welche er dem Fremdlinge bewiese. Er erwiderte den Druck meiner Hand, und sagte männlich wahr:
"O mein Freund! Nutzbarkeit für andre, und Tätigkeit sind wirklich gute Genien, die jeden traurigen übeltätigen Dämon verjagen." Emiliens holdes Gesicht glänzte für Freude, ihren angebeteten Carl wieder ruhig zu sehen. Es war mein Fragetag, aber ich hielt es in Wattines Stimmung für unschicklich, nur im mindesten davon zu reden. Er sagte aber selbst: sind heute keine Noten der Frau Vandek in Ihrer tasche? und lächelte mich an.
Nein! antwortete ich, der Niagara hat sie weggeschwemmt.
Das soll nicht sein, bleiben Sie den Abend bei uns und fragen; denn es gehen doch wieder Tage vorbei, ehe die grosse Reihe an mich kommt. Emilie war beschäftigt, Wattines nahm mich noch in den Garten, wo wir ernst schweigend bis an das Ende, bei den Alleen von grossen Waldbäumen, dann wieder auf den freien Platz in der Mitte zurück gingen, wo er stille stand und sagte: O wie lieb sind mir Luft und Erde! sie tragen und umfassen mich so beruhigend, und ein blick auf die Ferne zeigt mir das schöne Ziel, wo der Lauf meines Lebens sich enden wird, wie der tägliche Lauf der Sonne. Ich stutzte in mir selbst über diesen Ton, aber ich wollte mit einstimmen und sagte: ja, so soll es, aber nur am späten Abend des längsten Tages, an welchem ein glückliches Schicksal, Sie mit Lächeln auf den zurückgelegten Weg blicken heisst, sein.
Mit Ernst sagte Wattines: Dank mein schätzbarer Freund! aber wo sind Ihre fragen? Weil ihm nun so viel daran gelegen zu sein schien, so sagte ich freimütig, ich wünsche zu wissen, welche ihrer ländlichen arbeiten die beschwerlichste war. Meine Presse zum Sonnenblumenöhl, antwortete er, denn ich musste die Schraube von festem Holze mit vieler Mühe und Sorgfalt schneiden, dann eine dichte Holzplatte durchsägen, in die zwei Hälften die Schraube passend einarbeiten, und diese mit Drat und Nägeln verbinden. Die gemeinsame Mühe für Emilien und mich war, die Körner zu dörren, von den Schalen zu reinigen, damit das Oehl zu unserm Salate süss bliebe. Dieses alles erforderte Fleiss; aber wir hatten alle Stunden des Tages für uns, da konnten wir vieles unternehmen. Keine Besuche, keine Einladungen, kein Spiel- und Putztisch störten oder verhinderten unsere Beschäftigungen, und raubten uns unsere Zeit. Meine zweite Erndte war reich in allem, denn wir hatten auch G e r s t e von welcher wir eine Art leichtes Bier kochten, und hatten daneben auch schöne, und eine Menge Erdtosseln, so dass ich sicher war, dass Emilie, mein Sohn und ich, keinen Mangel leiden würden. A l s o a u c h , sagte ich, seine Hand fassend, keine Schüssel mit Ton nötig war. O, mein Freund, was für eine Erinnerung! Sprechen Sie ja bei Emilien, in meiner Gegenwart nie von Ton und der Nation der A l t a nen.
Ich versicherte es ihm, und bedauerte, ihm diese unangenehme Scene zurückgerufen zu haben.
Mir ist es lieb dass ich Sie warnen konnte, meine Emilie ja nie damit zu betrüben. Die Sache schmerzte mich nur wegen ihr, da ich bei dem Versuche doch sagen konnte, die A l t a n e s sind Menschen wie ich, vielleicht trägt die Luft des nehmlichen Landes, das ich jetzt bewohne, etwas zur Verdauung einer Speise bei, welche ich in Europa nie gekostet haben würde; doch wusste ich von meinem Grossvater, welcher unter dem Marschall von Belleisle mit in Böhmen war, dass dort die armen Landleute, unter ihre Erbsen und Korn, einen teil Baumrinden malen. Ich habe auch gelesen, dass die Isländer Fischgräten dörren, stossen, sein malen und mit ihrem Brodteig vermengen; so wie in Hungersnot das Bergmehl oder Mondmilch gebraucht wird,