für das Rataus, die Kirche und Schule bestimmt ist. Wattines und Emilie waren anfangs sehr beängstigt, es möchten französische Emigrirte dabei sein, und scheinen sehr zufrieden, nichts als Teutsche und Holländer um sich zu sehen, indem sie sagten: dass ihre Landsleute eine besondre anhänglichkeit von ihnen fordern würden, und alles nach ihrer Sitte haben wollten, und auch sie beide durch Landessprache und Erzählungen, immer zu den Bildern und Erinnerungen ihres Jammers zurück führen würden. Mir war die Beobachtung sehr viel wert, welche ich über die neuen Ankömmlinge und die schon länger hier wohnenden Colonisten machte. Die ersten waren froh, durch erfahrne Leute mit der Landschaft und ihrem Anbaue bekannt zu werden, die zweiten genossen das Vergnügen der Eigenliebe, den andern eine Anweisung zu geben, mehr Menschen zu sehen, und wieder von andern Gegenden sprechen zu hören. Characterzüge, welche sich bei allen in etwas eivilisirten Nationen finden. Vandek und Scriba erhielten auch Briefe, in welchen die Nachricht einer sehr wichtigen Naturerscheinung Wattines und mich äusserst beunruhigte. Es war die Beschreibung von dem Erdbeben, welches einen teil des Felsen lossriss, der den Wasserfall des Niagara bildet, wovon die Umstände sehr beängstigend sind, indem, wenn noch eine solche Erschütterung kommen sollte, und noch ein Stück von 15 Klaftern völlig einstürzte, so wird sich der See Erie mit solcher Gewalt in den See Ontario ergiessen, dass nicht nur alle niedre Gegenden seiner Ufer, sondern auch der grösste teil von Ober- und Unter-Canada an dem Lorenzo-Fluss überschwemmt würden, und also den Untergang der schönsten Landschaft mit so vielen Dörfern und Wohnsitzen guter Familien auf mehr als 40 Meilen hervorbringen würde. Bei diesem Teile der Unterredung zwischen Wattines und mir, da auf einer Ecke des Tisches die Landeharte vor uns lag, und Emilie auf der andern Seite mit ihrer Autonette auf dem Schoosse ihr Suppe gab, und Carmil neben ihr auch welche ass, zeigte sich ein schöner teil von Emiliens Seele, indem sie auf die Charte blickte, als wir den Umfang des Landes bezeichneten, welches mit diesem Unglücke bedrohet ist. Sie wurde ausserordentlich gerührt, und der Instinkt mütterlicher Liebe wirkte zugleich in dem hohen Grade, dass sie ihre Kinder an sich drückend, in Tränen ausbrach und sagte: Ach Gott! wie viele Mütter müssten da ihre Kinder ohne hülfe umkommen sehen! Man bemerkte dabei, dass ihre Seele schauderte und gepresst war, aber wie schön war diese Bewegung!
Mein Freund weiss aus Herrn Ebelings Beschreibung von Amerika, dass der Landstrich des See's Erie 300 englische Fuss höher liegt, als die Gegend des Ontario, dass der Sturz des Falls durchaus steil, und 2226 Fuss breit und 273 Fuss hoch ist, also unserm so prächtigen Rheinfall bei Schafhausen das Ansehen der Cascade eines Bachs geben würde, wenn man beide in kurzer Zeit nach einander sehen könnte. Sicher ist es, dass man das Getöse von dem Fall des Niagara auf 20 englische Meilen hört. Da ich diesen Wasserfall und die herrliche Landschaft umher kenne, so war mir diese Nachricht eben so schmerzhaft, als mir die von dem Ergusse einer glühenden Lava des Vesuvs über die Elysäischen Gefilde sein würde, welche an seinem fuss verbreitet liegen. Der edle kenntnissvolle Wattines öfnete seinen Bücherschrank, holte einen Band der schönen Edition von Büffons Naturgeschichte, und bat mich, sogleich mit ihm die Abhandlung über die Erdbeben zu lesen. O mein Freund! wer wie Sie, die Werke des grossen verehrungswerten Mannes las, und in seinem geist einzugehen wusste, nur der kann fühlen, was die Schönheit und Würde seiner Schreibart, auf Wattines und mich wirkte. Je weiter wir kamen, desto höher glühten die Wangen des schätzbaren Wattines, von edlem Stolze bei den prächtigen Bildern und Ideen der edelsten, den Wundern der Schöpfung ganz angemessenen Beredsamkeit des grossen Büffons. Er war unser, sagte Wattines, dieser einzige Mann, um welchen die stolzen Engländer uns beneideten. Schön war der riefe Schmerz, mit welchem Wattines aufstand und ausrief, o Büffon! und deinen Sohn mordete man auch. Der edle, das Verdienst seines Vaters fühlende Sohn, sprach noch seinen Namen aus: i c h h e i ss e B ü f f o n ! dennoch wurde er gemordet. Nun küsste Wattines mit einer Träne seine Emilie, drückte meine Hand und ging in seinen Garten, indem er deutete, dass er allein zu bleiben wünsche. Seine Frau sah mit Tränen, ich mit Rührung und Verehrung ihm nach. Ich nahm den kleinen Carmil auf meinen Schooss, und konnte, ihn an mich drückend, mich nicht entalten laut zu sagen: liebenswürdiger Knabe! Gott lasse den Geist und das Herz deiner Eltern vereint auf dir ruhen. Emilie dankte mir sanft errötend, und mit einem Blicke zum Himmel um die Erfüllung dieses Wunsches betend. Ich nahm den Band von Büffon wieder in die Hand, fühlte mich glücklich in einer Zeit zu leben, und eine Erziehung erhalten zu haben, welche mich fähig machte, nicht nur den grossen Geist, der vor Jahrtausenden lebenden Griechen und Römer, sondern auch Englands Bacon und Newton, unsere grossen deutschen und Büffon zu kennen. Der Wasserfall des Niagara, wurde mir Quelle edler geistiger Freude; denn ich setzte mir vor, diesen Herbst und Winter Buffons Epoques de la nature hier zu lesen. H i e r , wo seit der ersten Erschütterung, seit der ersten Ueberschwemmung der Erde noch niemand wohnte. Hier die geschichte der Erde und aller ihrer Geschöpfe