die empfindlichen Teile entdeckt, so dass er als Knabe sie leitet wohin er will. Er machte Netze für Fische, Fallen für Mäuse und andre schädliche Tiere, die Pfeife um Vögel in sein Garn zu locken, und das Gewehr, womit man den Hirsch in weiter Ferne zu Boden streckt. Viele der nützlichen Tiere hat er zahm gemacht, braucht sie zu arbeiten, und auch zur Speise; dem packt er seine Lasten auf; diess muss ihn tragen und ziehen; jenes ihn kleiden und nähren. Fuchs, Wolf und Bär erkennt er an ihren Fusstritten, vergebens fliehen sie in die Wälder. Er fängt sie, nimmt ihnen ihre Pelze für sich zu einer wärmern Kleidung ab. Bei den P f l a n z e n herrscht er eben so willkührlich. Er entdeckte alle die, welche zu Speise, Trank und Kleidung taugten. Schneidet den Kohl, presst den Saft der Traube, das Oehl der Olive, schüttelt das Obst, ärntet den Weizen, hechelt den Flachs, wirft die Eiche zu Boden, stürzt ganze Wälder um sich Häuser zu bauen, im Winter sich zu wärmen, seine Mahlzeiten zu kochen, und das übrige andern zum Schiffbau und Gerätschaften zuzuführen. Er heilt mit Kräutern seine Wunden, weiss sie, Wurzeln und Rinden zu seiner Gesundheit zu gebrauchen, pflanzt Blumen, geniesst ihre schönen Farben, ihren balsamischen Geruch, und pflückt sie zu Sträusser und Kränzen.
Das S t e i n r e i c h steht ihm auch zu Gebot. Er gräbt E r z aus den Eingeweiden der Erde; verfertigt die herrlichsten, nützlichsten Werkzeuge, Gefässe und die schönsten Zierraten daraus. Sammelt Edelsteine zum Schmuck, bricht den Kalkstein, seine Mauern zu verbinden, den Schiefer, seine Dächer zu decken. Sprengt Felsen, zu Landstrassen, gräbt und pflügt die Erde auf, und sie muss ihm Früchte tragen, welche er will; findet er die Oberfläche zu dürftig, so bohrt er tiefer, und wühlt die untere bessere Erde herauf; gräbt Brunnen, trägt die Höhen ab, ebnet das Ungleiche, pflanzt Alleen, verwandelt Sümpfe in Wiesen, Sandfelder in Gärten; das Meer selbst muss sich seiner herrschaft unterwerfen, denn seine Vernunft lehrte ihn Fahrzeuge bauen, mit welchen er über unermessbare Oceane von einem Weltteile zu dem andern segelt; er mag Land sehen oder nicht, so leitet ihn der Compas. Er bringt Feuer hervor, und löscht es wieder; dem wasser setzt er grenzen durch Erddämme. Er baut Brücken über die Flüsse, und verbindet sie durch Canäle, leitet den Blitz ab und zerteilt Regenwolken durch Canonendonner; alle Städte, alle Dörfer, alle fruchtbaren Felder und Auen sind sein Werk. Er hat durch sorgsame Pflege alle Getraidearten, Blumen und Früchte veredelt. – Ach, wie lange mag es noch dauren, bis alle Gegenden der Erde zu dem seligen Genuss dieser Kenntnisse und dieser Betrachtungen gelangt sein werden? Wie lange, bis einst ihre Nachkommen die Encyclopädie kennen und lieben werden, wie ich und Wattines sie lieben und kennen, durch vermehrte Wissenschaft glücklich, durch erhöhte Gefühle der Tugend gestärkt und getröstet werden?"
Hier, sagte Emilie, muss ich Ihnen die muntre Antwort mitteilen, welche Wattines mir gab, als er die Frage las: Wann wird die Zeit kommen, dass unsere guten Indier Kenntnisse haben werden wie wir.
Das will ich gleich ausrechnen, sagte er, und ging zu unsern Büchern. Frau Vandek und ich dachten, er habe nur den Anlass genommen wegzugehen, weil er, wenn von meinen Erinnerungen auf der Insel gesprochen wurde, sich immer entfernte, so bald er bemerkte, dass er genennt werden könnte: nun kam er aber mit einem Papiere in der Hand zurück, und las in Wahrheit eine Berechnung vor, indem er sagte:
Als Cäsar nach Brittannien kam, lebten die meisten Einwohner, wie jetzt die Nordamerikaner, in Gebirgen und Wäldern, wussten nichts vom Ackerbaue, mahlten sich den Körper wie Nesquehiounah, als er wieder Mohawk wurde, und deckten sich mit Tierhäuten. Von dort an, bis zu der Zeit, wo England einen Bacon und Newton sah, verflossen 900 Jahre, also müssen die Oneidas, wenn sie nicht von den Europäern ausgerottet werden, noch 937 Jahre warten, bis ein Gelehrter von diesem hohen Verdienste unter ihnen erscheint. So wie die Griechen 514 Jahre bestanden, ehe ein S o c r a t e s , und die Römer 642 zählten, ehe C i c e r o kam, unser Vaterland aber sagte er zu mir, von Cäsar an 1700 Jahre durch alle Stuffen der Kenntnisse gehen musste, bis ein B ü f f o n entstehen konnte.
Der muntre Einfall dieser Berechnung dünkte mich sehr in dem französischen Nationalgeiste zu sein, dessen angeborne Heiterkeit wohl auf einige Zeit bewölkt wird, aber bei jedem Anlasse wieder mit Leichtigkeit hervorbricht. Ich setzte nun mit einer Art doppeltem Stolze hinzu, dass wir deutschen von Cäsar an auch 1700 Jahre zurücklegen mussten, ehe wir unsern L e i b n i t z sahen. Mein Stolz ruhte in der Tat auf zwiefachem grund. Einmal dass L e i b n i t z , welchen Wattines in seiner Encyclopädie mit so vielem Ruhme genannt finden kann, u n s g e h ö r t : und weil ich die Jahre von Cäsar bis auf ihn, ohne Bücher nachzuschlagen, sogleich nennen konnte. Ich erinnerte mich auch, dass unser grosser Wieland einmal bei dem edlen