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mich her, in den Tränen, welche auf meinen Säugling fielen, und in diesen Erinnerungen meine Bitten und Wünsche sah. Die guten Weiber gingen morgens mit ihren Kindern nach ihrer Arbeit auf dem feld, hatten aber die Sorgfalt, mir ein liebes Mädchen von acht Jahren vor die Hütte zu setzen, welche das Feuer unterhalten musste, und mir von Zeit zu Zeit, in einer grossen Muschel von dem Maisbrei oder wasser brachte. Dieses Mädchen lehrte ich Kränze und Blumengewinde machen, so wie ich von ihr Körbchen zu flechten lernte. Oft war ich ganz allein, an die Hütte gewöhnt, dachte ich an Philadelphiens und Europens Gebäude, musste mir sagen: wie unendlich ist der Abstand zwischen einfachem Bedürfniss der begränzten Gefühle des physischen Lebens, und der mit dem Anbau unseres Verstandes sich vermehrenden Begierden, welche bei uns den Wechsel des neuen, und die Menge in allen Dingen zur notwendigkeit machten. Diese Hütte fasst alles, was eine Familie der Oneidas zu ihrem Glücke wünschet. Die Begriffe ihres Verstandes von einem obersten Wesen und von andern Geschöpfen um sie her, sind eben so einfach und beschränkt wie ihre wohnung, ihre Geschäfte, Essen und Kleidung; dennoch ist die Seele dieser Menschen, wie ihr Körper mit allen Fähigkeiten begabt, die wir übrigen stolzen, glücklichen Europäer an uns kennen. Aber musste ich nicht zugleich denken, dass auch in unserm Europa die Seele einen gleichen Schritt mit dem Körper hält, wie man es in abgelegenen Wohnungen, bei Armen, die wenig Umgang baben, und bei den meisten Landleuten findet, welche man nur für Besorgung der Bedürfnisse des Leibes beschäftigt sieht, indem ihre Seele eben so wenig und so einfache Begierden nach Kenntniss zeigt, als man bei Millionen Menschen einfache Gefühle und Wünsche für körperliches Wohl und äusserliche Umstände antrifft. Wir Europäer kennen mehr Vergnügen und mehr Weh der Einbildungskraft als die Indier; diese wünschen nur heftig, was zu unmittelbarem Genusse führt; S t ä r k e , Geschicklichkeit bei der Jagd und Fischerei, T a p f e r k e i t im Kriege, Genuss der Rache und des Ueberwindens; weil es mehr Kraft beweisst. Emilie glaubt auch, dass der Hass, und alle in der einfachen natur liegenden Leidenschaften, bei den ungebildeten Völkern um so heftiger sind, weil sie, wie ein in unbewohnter Gegend aus einer reichen Quelle fliessender Bach, auf keiner Seite in Ableitungen geteilt, und also der Hauptstrom nie geschwächt ward; daher ihre Freuden, Trauer und Hass unbändig, tobend und schreiend sind. Ich war dankbar und gerecht gegen die natur, dass sie mir in einem der wichtigsten Auftritte meines Lebens unter ihren eigentlichen Kindern hülfe gab; diese Erfahrung, und die Beobachtung meines eigenen Kindes, der drei und fünf Jahr alten Indier, und yon unserer acht Jahr alten Flora, überzeugten mich von der Wahrheit des Glaubens und des Ausspruchs unsers schätzbaren Bernardin de St. Pierre, welcher sagt:

"Die natur hat den Menschen gut geschaffen, wenn sie ihn hätte übeltätig haben wollen, so würde sie, die in allen ihren Werken die Folgen bedachte, dem Menschen auch entweder Klauen, einen Rachen oder Gift, und andre angebohrne Waffen gegeben haben, wie sie viele andre Tiere ausrüstete; aber sie hat ihm nicht allein keine Verteidigungs- und Angrifsmittel gegeben, sondern sie schuf ihn, als das ärmste und hülfsbedürftigste von allen, gewiss um ihn als Gegenstand der Menschenliebe und Güte zu zeigen, und die nehmlichen Gefühle für andre in ihm zu erwecken. Die natur schuf nirgends eine Nation von lauter neidischen, verläumderischen, ehrg e i z i g e n , h a r t h e r z i g e n Menschen; eben so wenig, als man Gegenden trifft, wo alle a u s s ä t z i g , f i e b e r h a f t oder mit den B l a t t e r n behaftet gewesen wären. Diese physischen Uebel kommen von schlechter Nahrung, und die moralischen Fehler von irrigen Begriffen des Verstandes!" Diese Betrachtung erweckte aufs neue meine Dankbarkeit für meine erhaltene Erziehung, für Kenntniss der Religion. Kenntniss meines Gottes und der Verdienste der Menschheit. Meine verfeinerten Sinnen, meine gebildeten und geweckten Fähigkeiten, machten mich selbst h i e r , mitten in dem grössten Mangel, glücklich. Meine Indianerinen entbehren vieles, ohne Kummer, weil sie wenig kennen, ich entbehre, mit dem süssen Gefühle, einer ausübenden Tugend, geduldiger Unterwerfung in dem göttlichen Willen, und schaffe mir auch hülfe durch meinen angebauten Verstand. Ich wünschte mir nicht die Zufriedenheit meiner Indier, freute mich für sie, dass sie es sind, weil ich nichts für sie tun kann, aber ich hoffe doch, dass der allmählige Umlauf der Kenntnisse und Wissenschaften, auch für s i e ein edleres Glück hervorbringen wird: aber wie lange mag es noch dauern, bis diese Völkerschaften einmal ihre Kinder die ganze Würde der Menschheit lehren, und ihnen sagen werden: was für grosse und glückliche Vorzüge hat der Mensch durch die Gestalt und Fähigkeiten seines Körpers! wie viel mehr aber durch seine Vernunft, vor allen andern Wesen. Jedes schädliche Tier weis er aus dem Wege zu räumen, jedes nützliche sich zu eigen zu machen. Beider Arten bemächtigt er sich nach Gefallen, sie mogen fliehen wie sie wollen: denn, sind sie stärker und schneller als er, so ersetzt seine Vernunft beides: diese hat an dem Elephanten und an dem Pferde