1798_La_Roche_066_61.txt

Ich fühlte, dass es ungerecht und töricht sei, allein nach einem verwöhnten Auge zu urteilen, und nahm mir vor, genau bei den einfachen Bedürfnissen der natur, und bei Wahrheit stehen zu bleiben. Ich fühlte mich übel, und war froh, als der Indier meinen Mann wegführte. Die Weiber und ihre hülfe waren liebreich, mein Glaube, dass die natur mir nicht mehr auflegen würde, als andern Müttern, der kleine, aber mir äusserst wichtige Umstand, dass alle Mohawks wohl gewachsen sind, dieses stützte meine Hoffnung für die gute Besorgung meines Kindes. Ich bat Gott, mir meinen Verstand und mein Leben zu erhalten, damit ich mit dem ersten alles bemerken könne, was bei diesen Umständen nötig ist, weil diese Töchter der natur in nichts eingebildete Bedürfnisse haben, und keine unnützen Dinge vornehmen, der Himmel aber in meiner Seele lesen konnte, dass ich nur für mein Kind zu leben wünschte. Gott erhörte meine Bitte, ich genass, und das sehr bald. Die überströmende, alle andre Gefühle übertreffende Freude der guten Mutter, mein Kind in meinen Armen zu halten und der ewigen Güte für meinen schönen Sohn zu danken: dieser schon vor seiner Geburt beraubte Erbe grosser Güter und zwei schöner Wohnsitze edler Ahnen, lag mit seiner Mutter unter Birkenrinden auf der von einem Indier gelehnten Bärenhaut, hatte wie Kinder der Indier von seiner Mutter nichts als ihre Liebe und die Milch ihrer Brust, von seinem Vater Unterricht im Feldbau und Fischerei, zu Erhaltung eines Lebens zu erwarten, das sie, von ihm ungewünscht, ihm gaben. Hätte wohl eine Rivalin, welche an dem Tage meiner Verlobung mit Wattines, alle Hoffnung auf sein Herz verlor; mich beneidete und hasste, hätte mir diese wohl mehr Jammer wünschen können? Wer hätte mir an diesem, meinem Herzen so schönen, glücklichen Tage gesagt: von allen, welche dich als gesunde, heitere Braut sehen, wird in den Tagen des Kummers keiner um dich sein, und während dem Gefühl der Geburtsschmerzen deines ersten Kindes wirst du sein und dein Leben in den Händen von zwei Indianerinnen sehen.

Es war sonst meine Gewohnheit, bei Schmerzen ruhig und stille, mit zugeschlossnen Augen auf Linderung zu warten, diessmal war ich auch stille, aber ich deckte meine Augen nicht: immer waren meine Blicke mit Aufmerksamkeit und bittend, auf die Mienen und Züge der zwei Sqaws gerichtet. Mich däuchte auch, dass sie meine Stille, meine Geduld und mein achtung geben auf ihre Zeichen und Winke, unter sich lobten, und dass sie mit mir, meiner glücklichen Entbindung sich freuten, und die Beweise meiner überfliessenden Liebe für mein Kind gut fanden. O, in der Hütte meiner Indianerinnen wurde ich überzeugt, dass die natur keinen Unterschied macht, dass meine Schmerzen, meine Bedürfnisse, bei der Geburt meines Sohnes, und sein hülfloses Wesen, der Zustand jedes gebährenden Weibes und jedes neugebohrnen Kindes ist.

Ach! nur in den Gefühlen und Bedürfnissen der natur ist sie, die wahre einzige Gleichheit, welche Frankreichs neue Philosophen durch das ganze Leben und in allen Verhältnissen der Menschen haben wollen. Aber zu was dienen diese Betrachtungen? – Ich befand mich wohl, und war eine glückliche Mutter, nur einen Jammer hatte ich noch zu überstehen: die eine Frau lief weg, blieb einige Zeit aus und brachte etwas auf einem Blatte, wovon sie meinem kind einen teil von ihrem Finger abzusaugen gab. Ich war mit der grössten Geschwindigkeit bei ihr, um es zu wehren, indem ich befürchtete, es möchte meinem europäischen kind schaden. Ich weinte, als ich beide Weiber mich so ernst zurückweisen sah, sie bedeuteten mir, es sei gut. Ich war ruhig aus Angst sie zu erzürnen und tröstete mich ganz, als sie mir gleich darauf meinen Knaben zum Säugen an die Brust legten, indem ich hoffte, dass meine Milch diesen Saft verdünnen und weniger schädlich machen würde; und nun wünschte ich Wattines zu sehen, und bat ihn, er solle den Indier fragen, was man unserm Sohne gegeben habe Er sagte: Ein Pulver von guten Kräutern mit Honig, diess beruhigte mich ganz. Meine Nahrung war, dünner, zerriebener Maisbrei. Ich genoss ihn mit Dank, und schätzte es als eine liebe Nahrung; denn mein Kind fand immer Milch und war wohl. Mir fehlte gar nichts, Wattines war immer um mich so dass ich ihn oft bat, mir Blumen und Kräuter von den Wiesen und aus dem wald zu holen, weil ich sie kennen lernen wollte, aber ich tat es, um ihn zu zerstreuen und Bewegung zu verschaffen; denn Blumen und Pflanzen dieser Seite waren wie die von unserer Insel. Der Indier nahm ihn ein paarmal mit auf die nahe Jagd. Ich wurde bange, es möchte diese alte Edelmannsfreude wieder in ihm erwachen, und ich liebte ihn mehr als Bauer und Gärtner, als ich ihn wie Jäger lieben würde. Traurige Betrachtungen konnte ich bei mir nicht verhindern, wenn ich, während die Indianerinnen und ihre Kinder schliefen, bei dem schwachen Lichte des Feuers in der Hütte umher blickte, und mir zurück rufte, wie meine Tante in ihrem Wochenbette lag, und wie ohne die Revolution, ich und mein Kind in den Armen geliebter Anverwandtinnen und Freundinnen gepflegt sein würden; hier traf mein Auge auf niemand, den mein Gedächtniss mir nannte, doch verscheuchte ich diese unwillkommnen Erinnerungen, dachte an meine Gesundheit, mein Kind, Wattines und den Allwissenden, Allgütigen, welcher in meinen Blicken um