Kind küsste, und mit Hoffnung im Auge mir sagte: ach wenn einst unser Knabe hier die Blumen pflücken wird, welche du für seine Mutter pflanztest!
Mein zu volles Herz erlaubte mir nicht, viel oder munter zu reden, ich erwiderte nur äusserst gerührt: da werde ich höchst glücklich sein. Sie überhörte aus Eile nach der Hütte den abgeänderten Ton meiner stimme, und horchte allein auf das Gackern unserer Hühner, worüber sie viel Vergnügen zeigte. Denken Sie sich selbst den Eintritt in unsere Hütte. Ach, sie war uns ein Pallast, unsere kleine Habe wurde zu Reichtum, Kleidungsstücke, Weisszeug und Hausgerät, so wir ganz unverrückt wieder fanden, gaden uns Gefühl von Sicherheit und Ueberfluss. Emilie hatte Freudentränen im Auge, küsste ihre Hemden und den armen aber reinen Schlafrock, welchen sie anzog, beinahe hätte ich auch meine Weste umarmt; denn ob wir schon in der indischen Hütte sahen, wie wenig der Mensch zum täglichen Fortleben bedarf, so konnten wir das Wohlsein, welches das Mehrere mit sich führt, nicht vergessen, nicht aufhören es zu wünschen. Wir öfneten Türen und Fenster, um wieder frische Luft und Sonnenstralen in unsere wohnung zu sammeln. Ich machte ein grosses Feuer, Emilie bat mich wasser zu holen, und welches aufzustellen, Carmil schlief noch in seinem Schifchen, seine Mutter eilte zu den Hühnern mit einem Vorrate klein gestossnen Mais, welchen sie noch vorfand. Sie wollte sich ihnen wieder bekannt machen und Eier suchen, sie fand einige Hühner zerstreut, brachte sie mit jubel zu dem Herde, glaubte aber eines verloren zu haben, welches ich ihr zu suchen versprach. Wir kochten Eier, assen sie mit unendlichem Vergnügen. Emilie trank herzlich vom Honigwasser, und ich bat sie, sich niederzulegen, und neben unserm Carmil zu schlafen, denn die jähe Eile, mit welcher sie alles vornahm, die ausserordentlich schnellen Bewegungen, welche sie machte, gaben mir viele Sorgen: da noch keine 14 Tage von ihrer Entbindung an verflossen waren, fürchtete ich ein Fieber. Sie schlief recht sanft bis gegen Abend, neben unserm Liebling, Ich war zu sehr erschüttert um ruhen zu können, und setzte mich vor unsere Hütte. Das Bild einer Krankheit meiner Emilie trat vor mich mit allen quälenden Ideen trauriger Nebenumstände für Carmil und mich: tiefer Jammer bemächtigte sich meines Geistes, alle vergangnen Scenen meines Lebens zogen in meinem Gedächtnisse vorüber. Der Mittelpunkt, auf welchem ich bei dieser Hütte war, rückwärts verlornen Wohlstand, gemordete Verwandte und Freunde, verlornes Vaterland, und meine ohnmächtige Wut gegen Bösewichter, hier ich mit der liebenswürdigsten Frau und einem kind allein: die Zukunft, die mit einer ernsten inneren stimme mich fragte: was willst du ferner tun? – O mein Freund, die Sprache hat keine Worte für die Beschreibung des Kummers der meine Seele zerriss, als ich mir sagte, was soll aus ihnen werden? In den Staub gebeugt, auf der Erde krümmend flehte ich: O lass sie nicht leiden die Unschuldige, für ihre Liebe zu dem heftigen, trotzbietenden mann, für den Trost, für die Freude welche sie in mein Herz goss! – o es ist zerreissend, das Gefühl, Unrecht getan zu haben! Es ist wirklich in der fühlbaren Seele der Wurm, der immer nagt, und keine Empfindung von Glück und Zufriedenheit zu reiner Blüte gedeihen lässt. Er untergräbt die Scheingründe, welche die Leidenschaften uns gegen anerkannte Pflichten aufführen helfen. Ja, mein Freund! es ist für eine moralisch edle Seele nichts trauriger und schrecklicher, als zu sagen: ich hatte Unrecht. Wie viele Vorwürfe, sagte er nach einigem Schweigen, machte ich mir nicht, dass ich meinen Indier nicht genauer nach den amerikanischen Fischern fragte, nicht weiter in ihn drang, als er mir kurz sagte, es seien keine mehr da: ich verheelte es Emilien, und tröstete mich mit den dunkeln Ahndungen, welche uns der alte Quäker mitgegeben hatte, dass bald eine Colonie Europäer nach den Ufern des Oneida kommen würde, welche gewiss wie wir ein hartes, ungerechtes Vaterland fliehend, die kleinen Ueberreste ihres Vermögens und ihrer Kräfte anstrengen würden, sich und ihren Kindern einen sichern Aufentalt und Nahrung zu schaffen. Mit welchen Schmerz rang ich meine hände, indem ich sagte, ach wann kommt sie! die Colonie, wann? Sie wissen, dass wir noch zwei volle Jahre einsam blieben. Gott sei Dank, sie sind vorbei, aber ich schaudre heute noch, wenn ich an sie denke. – Emilie erwachte wohl, und wie sie sagte erquickt.
Lieber, hast du unser Huhn gesucht, fragte sie angelegen? Ich sagte, dass ich sie und Carmil nicht hätte allein lassen wollen, ich würde jetzt hingehen, weil es noch helle genug sei. Es freuete sie. Stellen Sie sich das Entzücken vor, als ich ihr sagte, dass ich nicht nur das Huhn, sondern als Brutenne in einer Grube unter dem Gebüsch der Einzäunung gefunden habe. Wie ein Pfeil war Emilie von ihrem Bette, und eilte unaufhaltbar, selbst ohne auf den schlafenden Carmil zu sehen, nach dem Hühnerplatz. Freudentränen flossen von ihren Wangen über dieses so unerwartete Glück. Bald lief sie zurück, holte Mais, und unsern einzigen kleinen Napf welchen wir hatten, mit wasser gefüllt für die brütende Mutter. Ich musste noch eine kleine Umzäunung machen, dass unsere übrigen Hühner diese mit ihrem Müssiggange nicht störten. Wir glaubten bald an eine gute Vorbedeutung, und assen eine Suppe von