; aber Flora lernte sie gerne und ganz artig. Nun sprachen wir von unserer Abreise, die guten Weiber schienen damit eben so zufrieden, wie mit unserer Ankunft. Der Indier sagte doch, in seinem und ihrem Namen: wir könnten bleiben, oder wiederkommen, bei ihrem Feuer uns wärmen und ich mit ihm aus seiner Pfeife rauchen. Ich gab ihm ein gutes Messer, welches ich mitgebracht, und immer verborgen gehalten hatte. Es war ihm recht, aber er nahm es, mit der Gleichmütigkeit, mit welcher die Indier alles ansehen, was nicht geradezu auch für ihre Leidenschaften und Ideen passt. Sie zeigten auch nicht die geringste Begierde, uns wegschwimmen zu sehen, oder uns zu helfen, sondern die Weiber gingen morgens mit ihren Kindern weg wie sonst. Emilie hatte bemerkt, dass Flora in ihren Blumenzierraten geschlafen, und sie auf der Bärenhaut zerknickt hatte, und schmückte sie mit einer neuen Guirlande, wovon sie die andere Hälfte um Carmils Schifchen band, der Flora aber bedeutete, sich in den andern Wigwhams zu zeigen. Ich liess mein Matrosenwams in der gastfreien Hütte zurück, und trug unsern auf Moos und einem mitgebrachten Bieberfell in sein Schifchen gelegten Carmil an das User, mit welchen Wünschen und welcher sorge, lasse ich Sie urteilen. Hier band sich Emilie das andre Biberfell über ihre Brust, deckte ihren Sohn mit ihrem Kleide, wovon sie eine Ecke zum Schirm gegen die Sonne machte, und unsern Sohn mit zu dünnen Stricken gedrehten Bindgras in dem Kahne befestigte. Wir küssten beide den schlafenden Engel, und umarmten uns schweigend. Emilie kniecte, bat Gott um Schutz, und indem sie auf mich deutete, sagte sie: diess ist mein alles auf dieser Erde, Ewiger! du weisst es. Nun stand sie auf, winkte mir, mit dem kleinen Kahn in den See zu gehen, sah noch einmal nach der Gegend der indischen Hütten, küsste beide hände gegen sie, mit einem herzlichen, Gott segne Euch, rauste noch eine Hand voll Kräuter von dem Ufer, warf sie auf Carmils Decke, und eilte zu schwimmen Die idee der geschichte des Moses kam ihr wieder in das Gedächtniss, denn sie sagte so eifrig zum Himmel: ach du hast den kleinen Moses auf dem Nil geschützt, schütze auch mein Kind! Ich hatte meine Augen stets nach der kleinen in den See sich erstreckenden Spitze der Insel, Emilie die ihrigen auf mich und ihr Kind gerichtet, war stets sehr nahe bei mir. Ich war bange der Kleine möchte weinen, aber er schlief sanft bei der Bewegung welche das Rudern meiner arme in dem wasser um ihn her machte: mir wurde sonderbar zu Mute. Anfangs war ich ängstlich, dann voll Vertrauen dass Gott den Engel Emilie, um ihrer selbst willen, und mich um meines unschuldigen Kindes willen erhalten würde; denn was konnte ich für mich hoffen? war ich nicht Ursache an unserm Jammer? Mir schauderte vor mir selbst, als meine Einbildung mir sagte: der Bösewicht Nero, nahm im Ungewitter auch unschuldige Kinder in die arme. Ich litte viel, sehr viel, aber Gott half, Gott schützte uns. Wir landeten glücklich. Emilie küsste mit Entzücken die Erde, sprang auf, band ihr Kind los, fasste es in ihre arme. Der Kleine schrie bei der heftigen Bewegung, und suchte gleich die Brust. Emilie wurde blass, und dann wieder feuerrot, riss heftig an den kleinen Riemen, mit welchem sie das Bieberfell über ihre Brüste befestigt hatte: ich eilte ihr zu helfen, sie reichte, die Augen zum Himmel erhoben, dem kind stehend die Brust, der Kleine sog begierig und bekam zu viel in seinen kleinen Mund. Nun sah sie auf ihn, und rief laut, mit einer Art wilder Freude: o ich habe Milch, ich habe Milch! –
Ich war durchdrungen, umfasste und stützte sie, denn sie taumelte beinahe für Freude. Ich war bange. Emilie! teures Weib! was ist in deiner Seele? Mit einem Seufzer und in Tränen zerfliessend antwortete sie: ach, ich hatte besorgt, das Schwimmen und das wasser habe die Milch zurück getrieben, was würde da aus unserm kind geworden sein!
Das Weinen erleichterte ihr gepresstes Herz, und ich führte sie bis zu diesen Bäumen, wo sie auf meinem Schoosse sitzend, den Carmil völlig stillte. Diess, mein Freund! setzte er hinzu, ist die Ursache, warum dieser Platz besonders geordnet und besorgt ist; so wie ich den Lieblings-Fusspfad meiner Emilie in etwas auszeichnete, wo sie allein voll sorge eine günstige Stelle zu unserm leichten Ueberschwimmen suchte. Als der Kleine gesättigt war, stand sie auf, hob ihn gegen den Himmel, und rief: Dank, o Dank gütiger Gott! aber nicht mehr von hier, als zu dir, Vater der Welt!
Dieses Gebet, so schnell, so eifrig aus ihrer Seele gesprochen, zermalmte mein Herz; denn ich dachte sie müsse in der indischen Hütte, von den Weibern mehr gelitten haben, als sie mir nicht sagte, und die Rückerinnerung an die auf dem jenseitigen Ufer zugebrachten 10 Tage blieb lange wie Dolchstiche in meiner Seele. Bei dem Aufsuchen unserer Hütte genoss ich eine Freude, für welche ich dem Himmel wegen Emilien innigst dankte, als ich das Vergnügen bemerkte, mit welchem sie auf dem Wege zu unserer wohnung auf Bäume, Gesträuche, Felder und Blumen sah, mit ihren Blicken alles grüsste, bei einem Lieblingsstück stehen blieb, das