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mit ihr zu sterben. Gott schützte uns, wir kamen glücklich, ohne die mindeste Gefahr an das Land, wo wir uns für Freude zitternd umarmten und Glück wünschten. Ich half Emilien ihren armen Schlafrock anziehen, band ihr das Stück Leder, so uns statt Schuhen diente, um die Füsse: ihre schönen Haare waren mit einem dünnen groben Filet von Zwirn und Garn, meiner ersten Spinnprobe umbunden, ein leichter Gurt unter ihrer Brust, machte ihren hohen Leib um so sichtbarer, und dieser Anblick durchdrang mein Herz. Dennoch, so äusserst beängstigt der bevorstehende Auftritt bei den Indianerinnen mich machte, fühlte ich mit Entzücken die natürliche Anmut, welche stets meine Emilie umgab, und mich versicherte, dass selbst die Wilden von ihr eingenommen werden müssten. Ich hatte eine kleine Flasche Honig-wasser an meinem Hals hängend, mit hinüber gebracht, wir tranken davon, und die leere Flasche begrub ich bei einem Baume; denn die Indier denken bei einer Bouteille gleich an Rumm, und wir hatten keinen mitzubringen. Nun gingen wir langsam und wahrlich beide etwas bebend die Hütten aufzusuchen, welche wir hinter dichtes Gebüsche trafen. Gleich bei der ersten sassen zwei gute Weiber mit ihren Kindern, welchen sie gekochten Mais zu essen gaben. Sie betrachteten uns mit Staunen. Eine von ihnen stand auf, sah sorgsam weiter nach dem Wege, wo wir herkamen, ob nicht mehr Leute bei uns sein möchten. Emilie erriet ihre sorge, winkte ihr nein, zeigte dabei auf mich, und mit einer Hand die gute Indianerin fassend, mit der andern auf ihren hohen Leib deutend, sagte sie in ihrem wenigen Englisch ihre Bitte mit so rührender stimme und Wesen, dass die Frau, ob sie schon die Worte nicht verstand, durch die Pantomime belehrt wurde. Ich beobachtete sie, ihre Züge sprachen sehr deutlich von Güte und Verstand. Ich fasste nun ihre noch freie Hand, welche ich an mein Herz drückte, mich auf ein Knie warf, auf Emilien zeigte und auch in meinen Ausdrücken um hülfe für sie bat. Die gute Sqwa legte nun auch eine Hand auf ihre Brust, und indem sie in abgebrochenen kurzen Sylben, doch ziemlich sanft etwas sprach, streichelte sie zu gleicher Zeit Emilien die hände, zeigte ihr den Eingang der Hütte, und liess sie neben sich sitzen, besah sie nochmals, fühlte ihr Kleid an, und winkte voll Ungeduld dass Emilie ihren Gürtel sogleich auflöse, indem sie lebhaft deutete, dass er ihr und ihrem kind schaden würde. Die andre Frau, welche wie verschwunden gewesen, kam mit eilenden Schritten nebst einem starken jungen mann, der einen kleinen sehr muntern Knaben an der Hand führte, gegen uns.

Der Mann fragte sogleich auf Englisch, was wir wollten, wo wir herkämen? und blickte dabei scharf in mein Auge. Ich sagte auch kurz, wie seine Frage war! von der Insel. Emilie, über meinen Ton beängstigt, eilte zu antworten, ehe ich mehr sagte. Da sie schon bei seiner Annäherung aufgestanden war, und sich an mich anschmiegte, bog sie sich nach dem kleinen Indier, reichte liebreich nach ihm, und sagte dem Alten: o lass mich hier, um deines Sohnes willen, diesem guten mann (auf mich deutend) auch einen Sohn gebähren! – Aber nun war ihre ganze Kraft dahin, sie sank halb ohnmächtig in meine arme. Ich war im höchsten Jammer.

Die Weiber halfen Emilien stützen und zurecht bringen. Eine holte eine Bärenhaut aus der Hütte, um sie darauf zu legen, der Indier blickte voll Empfindung auf uns erhob dann seine Hand zum Himmel, und sagte:

"B e y d e m G o t t d e r S o n n e u n d d e r Erde! du sollst sicher wohnen und H ü l f e h a b e n ," lief fort wie ein Reh, und kam eben so schnell wieder, mit weich geklopften Bieberfellen unter einem arme, breitete sie an dem Eingange der Hütte aus, und winkte Emilien, sich darauf zu legen. Sie scheuete sich und fragte warum? Er sagte freundlich: du musst ruhen, denn dein Sohn wird dich oft müde machen, bis er so gross ist wie dieser, seinen vier Jahr alten schön gebildeten Knaben küssend. Emilie war gerührt, weinte und küsste die hände des Knaben, da kam auch eine Träne in mein Auge, der Indier wischte sie mir ganz rasch ab, und sagte dabei: komm, sei Mann! lass das Weib bei Weibern. Meine Schwester ist gut. Ich stutzte: Emilie war gefasster als ich, denn ich wollte nicht gehen, wollte sie nicht verlassen: aber sie bat mich, dem mann zu folgen, sie sei in Gottes Schutz und voll Vertrauen zu den Töchtern der natur. Ich verliess sie ungern, erfüllte aber ihren Wunsch. Der gute Indier suchte mich zu zerstreuen, und ich hörte von ihm, dass die Männer von den zwei Sqwas, mit andern jungen Leuten, sehr weit von dem dorf auf der Jagd wären, dass die Weiber sich liebten, und indessen in einem Wigwham beisammen wohnten, welches ich für eine glückliche Bedeutung für uns hielt. Nun führte er mich zwischen blühenden Accacien an den See, zeigte mir unsere Insel, wie jemand der sein väterlich Haus liebt, einem andern seine Heimat zeigt. Zwischen den Bäumen dort steht dein Wigwham, sagte er sehr freundlich auf mich blickend, und schien mit dem