1798_La_Roche_066_51.txt

Weltmeer gehen, wir werden bei heiterm Himmel und ruhiger Luft, nur quer über den kleinen Arm eines Land-See's, wie im Baden spielend, an das andere Ufer schwimmen. Ich habe seit vielen Tagen den schmaleften teil des Wassers gesucht, um den Weg abzukürzen, ich fand ihn hier, mit der inneren überzeugung, dass Gott mich mit seinem Schutze zu der Erfüllung einer mir von ihm auferlegten Pflicht geleiten wird.

Wattines hielt nun mit seiner Erzählung inne, sah, wie ich, nach dem gegenüber liegende land, und fuhr fort: Sie können leicht glauben, mein Freund! dass ich diesen Tag und diese mütterlich heroische Entschliessung meiner Emilie nie vergessen kann. Wir sassen hier auf einer kleinen mit Moos bedeckten Erhöhung; ich warf mich beinahe ausser mir zu ihren Füssen, bereuete das Glück ihrer Liebe und ihres Besitzes, drückte sie mit Bewunderung, Schmerz und leidenschaft an meine Brust, und rief aus, ach warummit edelmütiger Eile schloss sie meinen Mund mit einer ihrer hände, und sagte ernst:

O sprich ihn nicht aus, den schwarzen, deiner und meiner Liebe unwürdigen Gedanken. Sei zärtlicher, sorgsamer Vater, wie ich treue Mutter sein will! und geleite mich einen dieser schönen Tage hinüber.

Ich fragte, ob es nicht besser für sie sein würde, wenn ich eine von den Indianerinnen holte, aber Emilie wollte es nicht, und erwiderte: es ist gegen die Sitte dieser Leute, und gewiss, die beste von diesen Weibern hat eigene Kinder und einen Mann der sie liebt, wie soll sie ihre Kinder verlassen, und der Mann seine Frau ruhig mit einem Fremden davon schwimmen sehen? – nein, mein Carl! wir wollen zu ihnen, der erste blick auf meinen Zustand wird für mich reden.

Ich nannte sie eine heldenmütige Mutter, schnell und munter antwortete sie, ich hoffe auch Mutter eines Helden zu werden; denn ein Mädchen würde mich mich nicht zu dieser Unternehmung treiben, sondern mich still ergeben, mein Schicksal erwarten lassen.

Bei dem Zurückgehen nach unserer Hütte sprach sie von den Zurüstungen zu unserer Reise; den Morgen darauf fand ich, dass Emilie schon für alles gesorgt hatte, und für sich eine Art blauen leinenen Mannsschlafrock zurecht hielt, den sie als Staubrock auf der Reise trug; Linnen für ihr Kind, ein paar Hemden für sie, und meine Matrosen-Sommerkleidung, sollte in ein paar Bieberfelle gepackt, und diese Bündels im Ueberschwimmen vor uns hergestossen werden. Unsere übrige Haabe war geordnet und dem gütigen Schicksale empfohlen, nur für unsere Hühner war ihr bange, da wir nicht wussten, wie lange unsere Abwesenheit dauern würde, und wir sie nicht verlieren wollten, so machte ich eine gedeckte und wohlverwahrte Einzäunung, wo sie Gras hatten, streute ihnen Futter umher, bald mehr, bald weniger, trug morastigen Boden hin, damit sie Würmer suchen konnten, grub hie und da von unserm kleinen Vorrate Schüsseln ein, welche ich den Tag unsers Weggehens mit wasser füllte. Wie es mir bei alle dem zu Mute war, unternehme ich nicht zu beschreiben. Gott sah es, Gott stützte mich.

Die Hast und die Eile, mit welcher Emilie alles betrieb, wie ich sie der Hütte, den Hühnern und Blumen Abschied sagen hörte, und da, wo man bei den dicht bewachsenen büsche gegen die See geht, Felder und Hütte nur noch ein wenig sieht, ihre hände küsste, noch gegen die Plätze hinblickte und sagte: Himmel! schütze den Zufluchtsort den du uns gabest, liebe Felder! ihr werdet eurer Reife nahe sein, wann ich wiederkommealles dieses wälzte Centner Lasten auf mein Herz. Eine Träne war in ihrem Auge, ihre stimme war so zärtlich, wie wenn man von Freunden scheidet. Bald waren wir am Ufer des See's, Emilie rüstete sich mutvoll, und selbst scherzend zum Schwimmen. Sie umarmte mich noch einmal, und blickte, an meine Brust gelehnt, auf zum Himmel. O mein Freund! was für ein Gebet stieg in diesem Blikke zu Gott! Ich konnte nicht reden, aber mein Auge erhob sich auch flehend zu dem Allmächtigen um seinen Beistand. Ich schloss Emilien in meine arme, aber sie wand sich los und sagte: komm mein Carl, denn die Sonne muss uns noch hinüber begleiten; damit eilte sie nach dem See. Ich folgte ihr mit gepresster Seele, und flehte im Stillen um Kräfte zu ihrer Unterstützung. Denken Sie sich meine Lage, als wir so weit von dem Ufer waren um wasser genug zum Schwimmen zu haben, ich immer nur Emilien beobachtete, sie dann gegen das Ufer binüber blicken, und zugleich eine Hand küssen sah, mit welcher sie das wasser um sich her streichelte, und mit bittender stimme sagte: o Ewiger! beweise deinen Namen an mir! Sei wirklich Arm, der mich an das andere Ufer trägt!

Diese unerwartete Einkleidung ihrer inneren Besorgnisse, ruste mir unglücklicher Weise die Bitte des jungen liebenswürdigen Prinz Artur, aus einem Stücke des Shakespear in mein Gedächtniss zurück, welches einen unauslöschlichen Eindruck auf mein Herz gemacht hatte: da der holde Knabe auf der Mauer seines Gefängnisses stehend, ehe er heruntersprang, die Steine bat, ihn sanft aufzunehmen, und das Schicksal den Unschuldigen den Kopf zerschmettern lässt. Mich ergriff der Gedanke, Emilie könnte in ihrem Zustande durch Erkältung einen Krampf bekommen und sinken. Ich litte unaussprechlich bei dieser Vorstellung, war aber fest entschlossen, sie zu retten, oder