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wie du bist, ihren Gott, ein Weib und das Landleben liebten." Sie kennen sie selbst, und werden mit mir sagen, setzte er hinzu, dass die immer wirksame Liebe, das aufmerksame und doch leichte Durchlesen meiner Büchersammlung, und die mit so viel Jammer verbundene Einsamkeit meiner Emilie, zu einem der edelsten Weiber bildeten,

Meine Freunde finden es gewiss auch, aber das Schicksal hatte doch die Liebenswürdigkeit der Frau von Wattines, auf einen zu hohen Preiss gesetzt. Meine teure Base wird es selbst sagen, wenn sie nun folgende Erzählung liesst.

In einiger Zeit, sagte Wattines, misch-Emilie fragen in unsere gespräche, von dem was meine Mutter zu meiner Ausbildung beigetragen habe, und bei diesen fragen hieng sie an meinen Blicken auf die Antwort harrend, liebkosste jeden Zug meines Gesichts mit der äussersten Zärtlichkeit, und war so dankbar für jeden Beweiss meiner Liebe, dass ihr und mein Schweigen mir bald unerträglich wurde, und ich auf Mittel sann, wie ich sie zum Sprechen leiten könnte. – Nach einigen sehr schönen warmen Tagen, munterte ich sie auf, wieder einmal mit mir zu baden und zu schwimmen. Sie versagte es zärtlich errötend, und von etwas anderm sprechend; doch begleitete sie mich an das wasser und sagte: ihr Auge müsse sich wieder an die Schwimmkunst gewöhnen, sie wolle mir zusehen. Den andern Morgen nahm ich einen Band der Encyclopädie, und suchte den Artikel: P f l e g e d e r Gesundheit einer schwangern Frau auf. Ich las, während Emilie unser kleines Mittagsmahl bereitete, sehr eifrig, wobei ich von Zeit zu Zeit voll Liebe und Rührung nach ihr hinblickte.

Der Winter war meist unter Lehrstücken aus der Sie küsste mich zärtlich und sagte: ach teurer WatIch staunte über diese Bitte, und antantwortete: ja Sagen Sie, redete er mich an, war dieses nicht eine s c h e n ; denn wir selbst, und die ganze Menschheit, erhielten um des kleinen anfangenden Wesens willen in unserm geist und Herzen einen höhern Wert, und von dort an, war unser Denken, unser Lesen und unsre Arbeit nur für unser Kind berechnet. Meine Feldgeschäfte wurden mir leicht, meine Kräfte schienen mir verdoppelt, wenn ich Mutter und Kind mir dachte. Emilie durchsuchte unsern kleinen Vorrat Weisszeug, und machte sorgsam etwas davon für den Dienst des kleinen kommenden Fremdlings auf dieser Insel zurecht. Sie arbeitete mit zärtlichen Blicken auf ihre Nadel und das Leinen blickend, auf einer Ecke des Feldes sitzend, wo ich zu tun hatte. Sie war wohl und heiter, aber bald wurde es trübe um uns, da jeder Tag Emilien und ihr Kind der Zeit näher führte, wo beide eine hülfe bedurften, die ich nicht geben konnte, und wir nun die zum Fischen bestimmte Zeit, immer vergebens nach der Seite der Insel gegangen waren, wo unsere guten Fischerleute herkommen mussten; da fühlten wir zugleich unsere jammervollen Sorgen und Zweifel. Einen Nachmitag, da wir lange und oft in tiefem schmerzvollem Schweigen nach der ganzen Länge des See's hingeblickt hatten: da der Abend näherte, und nichts einen Kahn ähnliches erschien, drückten wir uns die Hand, sahen mit Seufzen, mit beklemmten Herzen nach dem Himmel; ich konnte nicht reden, ich war beinahe ausser mir. Emilie fasste sich zuerst, und sagte ruhig fest; Lieber! wir wollen uns nicht mehr schmeicheln. Ich bin überzeugt, die guten Leute kommen dieses Jahr nicht, denn vielleicht betrifft ihr Fang Zugfische, die nicht alle Jahre nutzbar sind, und auch ihre Zeit zum wachsen nötig haben. Vielleicht ist es eine Gattung, welche der Creek-Fluss nur alle zwei oder drei Jahre herbeiführt: wir armen guten Kinder vergassen, selbst da wir von den schmackhaften Fischen assen, nach ihren Namen und eigentlichem vaterland zu fragen; denn es ist gewiss, keine Art von allen Fischen, welche Du in dem See fingest, waren denen, von der Fischergegend ähnlich. Nach einigem Stillschweigen setzte sie hinzu, Carl! ich bin gewiss, wir werden dieses Jahr nichts hören, nichts sehen was andre Menschen betrifft. Diese überzeugung war auch in der Tiefe meiner Seele, wo sich Verzweiflung erhob. Emilie umarmte mich mit inniger Zärtlichkeit, und sagte feierlich: Lieber, wir bleiben uns! Gott ist mit uns, Hoffnung war unsere Gesellschaft, und täuschte uns ein ganzes langes Jahr.

Sie schwieg wieder und rief endlich: mögen die guten Leute und unser Freund John glücklich sein, die göttliche Vorsicht wird für uns sorgen. Ich sagte nur A m e n , die Welt lag auf meiner Brust, und ich bemerkte, dass Emilie nicht weiter sprechen wollte, nur im nach haus gehen sagte sie, noch einmal rückwärts blickend, und die Hand nach der Fischereigegend hin, wie zum Abschiede bewegend, adieu Hoffnung, und zu mir gewendet, Lieber Carl! wir wollen nie mehr von verlornen Dingen sprechen, aber desto mehr an Gott, und an unsere von ihm erhaltenen Kräfte denken.

Nun führte mich Wattines nach der andern Seite des See's zu seinem Endtenfang. Ich suchte diesen, sagte er, zu einer Art Vollkommenheit zu bringen, wie Sie noch Spuren sehen. Die warmen Tage gaben Emilien öfters Lust zu baden, und das Schwimmen zu üben. Ost fragte sie mich scherzend: Geometer! wie weit ist jene Ecke der Insel von dem platz wo wir nun sind? oder auch, wie weit ist das nächste Ufer?