1798_La_Roche_066_47.txt

führen, damit ich die Erinnerungen meiner Reise und alles dessen, so mich hier freute, mit Ihnen teilen, und aufs neue das Glück Ihrer Freundschaft geniessen könne. Ich werde mir auch ein Stück Feld neben Ihrem Garten kaufen, und dort eine Hütte bauen, wie Wattines Hütte auf der Insel ist, welche ich mit Bäumen, Gesträuchen, Pflanzen und Blumen von der Insel Oneida umgeben werde, die ich mitbringen und einheimisch machen will; wie ich es mit dem Z u k k e r - A h o r n e versuchen werde, welcher eine wahre Wohltat ist, indem jeder Baum, der wie bei uns die Birken, angezapft wird, fünf Kannen Saft gibt, aus welchem fünf Pfund Zucker gekocht wird. Ein Mann kann mit drei bis vier Knaben oder Mädchen in einem monat 1500 Pfund Zucker sammeln, wenn die Kinder nur stark genug sind, die Gefässe mit dem Safte zu dem Kessel zu tragen, und ein leichtes Feuer zu unterhalten wissen, wobei sich der Saft auflöst. Wenn die Bäume geschont werden, so können sie mehrere Jahre dauern. In Europa könnte man sie zwischen die Obstbäume setzen, da sie zwei Schuh weit von einander stehen müssen, und ein Morgen überhaupt 140 Stämme sasst, da erhielten wir Zucker, von welchem das Pfund nur 8 Kreuzer kostete.

Die amerikanischen Indier machen mit diesem Safte und Maismehl einen Teig zu ihrer Nahrung auf Reisen, oder auch bei Jagden und für Kinder. Bei diesen Anlagen meines Landguts, welches O n e i d a heissen wird, soll auch die schöne Moossbank vor den büsche der Jerich oder Peonien-Rosen als Vorbild einer artigen Gartenverzierung zu stehen kommen; dort werden wir den Ahorn-Zucker quellen sehen, und ich also zweifacher Wohltäter meines Vaterlandes werden.

Bald nach diesem Tage, an welchem Frau von Wattines mit mir mit so vieler gefälligkeit, als geistvoll von ihrem ersten völlig einsamen Winter gesprochen hatte, verwiess sie meine fernern fragen an ihren Mann, indem sie artig bescheiden sagte; da ich bis zu dem Anfange der neuen Feldarbeiten meines Wattines vieles von ihm lernte, so würde das zeugnis meines Fleisses in meinem mund nicht so anständig lauten, als das, welches mein liebreicher Lehrmeister mir geben kann, auch, setzte sie mit gerührter stimme und sanft errötend mit niedergesenktem kopf hinzu, wurde meine Rolle im Frühjahre sehr wichtig. Ich wusste dass ich Mutter war, und es zu Ende Juny ganz werden sollte: aber ich verbarg dem teuren Wattines diesen Zustand so lange als möglich, um sein edles zärtliches Herz noch einige Zeit von diesen neuen Sorgen befreit zu halten. Ich konnte es um so leichter, da wir nun von der Zeit der Rückkunft unserer Fischer sprachen, und jeden Tag, da die Sonne höher stieg, lächelten wir ihnen mit mehr Freude entgegen, mehr, in Wahrheit mehr, als dem wiederaufblühenden Frühlinge und dem schönen Abglanze des himmels, der Bäume und der Blumen am Ufer des See's. Wir hofften durch sie so viel von Freund John, auch von Europa zu hören, und wieder Menschen, bekannte, gute Menschen zu sehen. O k a u m , kaum, selbst in den glücklichen Tagen, des noch königlichen Frankreichs, als mein Herz der Ankunft des geliebten Wattines entgegen klopfte, ach kaum da waren meine Hoffnungen so süss, so lebhaft, und gewiss sah ich nicht so oft nach der Landstrasse, von welcher Wattines kommen musste, als nach dem Teile des See's, von wo die Fischer kommen sollten. Nun schwieg sie, nahm ihren Carmil in ihre arme, und sagte dann so innig zu ihm: Lieber Unschuldiger! du teiltest diese sehnsucht und diese Hoffnungen unter meinem Herzen mit mir, ach, du wirst in künftigen Tagen deines Lebens auch grosse und kleine Wünsche kennen lernen, möge Gott die besten immer erfüllen.

Ich bemerkte die Träne sehr nahe in ihrem Auge, und entfernte mich, um Wattines aufzusuchen, welcher mir mit dem Zimmermanne begegnete, da sie von der Arbeit eines neuen Hausbaues zurückkamen, wobei der edle rechtschaffne Wattines eben so fleissig hilft und angreift, als die übrigen; auch durch seine grössere Geschicklichkeit und seinen erfindungsreichen Geist, bei hundert Anlässen, den andern das Anstrengen ihrer Kräfte erleichtert, abkürzt und die Arbeit verbessert. Er hat den Vorschlag getan, dass man die ersten Wohnhäuser auf der Stelle des künftigen Hofes oder eines Seitengebäudes errichten solle, um einst die Arbeit des bessern grösseren Hauses gut beobachten zu können, ohne der, beim Bauen so angenehmen und dem Ordnung liebenden Auge so nötigen Symmetrie zu schaden. Als ich ihm von Emiliens Anweisung auf seine Nachrichten sagte, willigte er sogleich ein, mit dem mir so erfreulichen Zusatze, dass er morgen mit mir einen teil des Sonntags auf der Insel feiern wolle, indem bei den Erinnerungen der wichtigsten Vorgänge, in der geschichte des zweiten Jahres ihres Aufentalts in der Insel-Hütte, einige Auftritte vorkämen, welche mich auf der Stelle selbst mehr freuen würden, als irgend eine Erzählung. Dieser Entwurf entzückte mich, weil ich viel mehr erwarten konnte, als er jemals in seinem haus und Garten gesagt haben würde.

Wir nahmen, nach Vandeks wirklich schöner Predigt, ein gutes Frühstück ein, und schifften über. Wattines lenkte den Kahn selbst, befestigte ihn an einem Baume, und ging lebhaft der Hütte zu, öfnete, sie und sagte: ich weiss, Sie haben die gute Hütte schon gesehen, aber treten Sie doch auf einige