1798_La_Roche_066_46.txt

Vergnügen von seinen Gedanken und seinen Taten, so, dass meine Neugierde nur durch die sorge beunruhigt ward, dass ich nichts als abgebrochne Stücke erhalten würde; weil Emilie auch mit ihren Kindern und ihrem häuslichen Wesen so getreu beschäftigt ist, dass ich gewiss bin, hätte sie mir nicht versprochen, über alles zu antworten, sie schenkte mir wenig Zeit; denn bei ihr möchte ich nicht auf die gewöhnliche Gesprächigkeit der französischen Damen zählen. Demnach urteilen Sie, wie sehr ich wünschen musste, die ganze Reihe folgender Gedanken zu wissen, da er zu seiner Frau einmal sagte: dass er den Verstand und die Seele für sehr verschiedene Wesen halte, und glaube, dass der erste nur für das beste der Geschäfte dieses Lebens, wie ein erhöhter Naturtrieb zu den Künsten des vornehmsten Geschöpfs unter den Tieren bestimmt sei; auch hätte Gott nirgends dem vorzüglichsten verstand, sondern nur der vorzüglichsten Seelengüte eine Belohnung verheissen.

Ein andermal sagte er: bald möchte ich hohe Tugenden, die schönen Künste der moralischen Welt nennen, unter welchen in so vielen Jahrtausenden, die Menschengeschichte alter und neuer zeiten, nur wenige einzelne Bilder des Verdienstes, der Weisheit, Gerechtigkeit, Tapferkeit und hülfreichen Grossmut aufzeichnen konnte. So wie die Kunstwelt auch nur Einzelne: einen A p o l l , eine V e n u s , nur einmal die holde idee der G r a z i e n aufstellte; das Urbild des Cirkels als Laufbahn der Sonne, der Gestirne, Welten und Jahrszeiten, nur einmal Sinnbild des Unendlichen wurde. Es war natürlich, dass Menschen, welche selbst gut und edel sind, die Modelle der hohen Tugend eines Socrates und Mare Aurels verehrten und schön fanden; wie das Auge des feinen Geschmacks, der Künste, seit mehr als tausend Jahren die Meisterstükke der griechischen Bildhauer und Baumeister bewundert und liebt. natürlich entstanden in der moralischen denke- und der materiellen Kunst-Welt, Millionen Copien und Versuche der Nachahmung und des Bestrebens, die schöne Höhe des Verdienstes der Alten zu erreichen; man lernte ihre Sprachen, um die Modelle ihrer Gedanken zu besitzen. Man mass und zeichnete ihre Bildsäulen und die edlen Bruchstücke, welche die Zeit und barbarische Kriege von ihren Gebäuden übrig gelassen haben, – aber dieser gang der Ideen schien Emilien nicht der angenehmste zu sein, denn sie unterbrach ihn mit einer sehr muntern Bemerkung und Frage, indem sie sagte: mich dünkt, mein Carl hat eine sehr neue Anwendung von der griechischen Bildhauerkunst gemacht. Sage mein Bester! was sind wir auf unserer Insel? sollten wir unter Copien oder Originale gezählt werden?

Wattines antwortete mit sanftem Ernst: unsere Lage, meine Emilie! ist nicht ganz Original, weil es schon oft geschah, dass zwei gute Menschen, durch Schiffbruch, Treulosigkeit ihrer Reisegefährten, oder wie wir durch Unglück geleitet, auf einem unbekannten und unbewohnten Eilande einsam lebten, und wie wir, ohne alle fremde hülfe harren und für sich sorgen mussten, bis das erzürnte Verhängniss wieder mit ihnen ausgesöhnt, ihre Erlösung veranstaltete: doch ist gewiss die Ursache unsers Hierseins etwas eigenes, und alles was du, meine Emilie, getan hast, e i n z i g , dass es auch selbst in der andern Welt als Urbild einer der schönsten Erscheinungen in der Menschheit aufgestellt zu werden verdient.

Emilie erwiderte: diess würden vielleicht höfliche Männer sagen, welche mich als junge Frau von 21 Jahren hier fänden; aber meines Carls Pariser und Versailler Freundinnen könnten am aller staunenswürdigsten finden, dass ein junger französischer Hofmann, dessen liebenswerter Geist die glänzendsten Cirkel belebte, sich aller Bewunderung entzog, um freiwillig mit einer einfachen Landnymphe in dieser Einöde zu leben, und gewiss, sollten sie sehen, was der schöne Wattines auf dieser Insel für meine Unterhaltung und für mein Vergnügen unternahm, so würden alle mein Looss nur zu glücklich achten.

Dieses kleine Gespräch, meine Freunde! zeigt Ihnen doch ganz, einen Grundzug der Nation, welche stets einen so hohen Wert auf Scherz und Höflichkeit legte, dass weder Unglück den ersten verbannen, noch die häussliche Verbindung die zweite vertilgen konnten; aber gehören diese zwei Eigenschaften nicht mit unter die wirklichen Nationalvorzüge? Ich erinnere mich in diesem Moment, dass einmal in unserer kleinen Abendgesellschaft, von dem Scherze bei Kummer, und von Höflichkeit unter Eheleuten gesprochen wurde, wo die Gattin meines Freundes sagte:

Sie wünsche sich nicht das Talent, mit dem Unglücke zu scherzen, weil sie es für die erzwungne, unnatürliche wirkung des Stolzes der wilden Iroquesen halte; aber dass sie den Himmel bitte, ihr die Kraft zu geben, den Kummer ruhig zu tragen, und wie die schöne leidende Engländerin ihrem Jammer zuzulächeln, smile and griefs, denn dieses allein sei wahre edle Stärke der Seele. Höflichkeit im Ehestande, schien ihr vor ihrer Heurat der einzige beneidenswerte Vorzug der adelichen Damen zu sein, weil ihre Männer die Ebenbürtigkeit ihrer Gattinnen mit achtung behandeln, und also jede rauhe, die Liebe tödtende Vertraulichkeit vermeiden müssten; aber jetzt, fügte sie hinzu, da ich den besten, höflichsten Mann der ganzen Gegend mein nenne, habe ich keinem Frauenzimmer auf der weiten Erde etwas zu beneiden.

Meine Base wird, hoffe ich, mit mir zufrieden sein, wenn sie bemerkt, dass das Meer und die grosse Entfernung von Ihnen, ja selbst die schöne romantische Erscheinung der Wattines, das Andenken Ihres Hauses und Ihres Umgangs nicht aus meinem Gedächnisse verdrängte, und dass ich herzliche Wünsche zu dem Himmel schicke, mich wieder gesund zurück zu