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einen Punkt der Aehnlichkeit zeigen, die ich zu sehen glaubte, da Tomson auch sagt:

"Es beugen die Wälder jetzt ihr bereistes Haupt, das Antlitz der Erde ist tief verborgen, gefroren, eine blendende Wüste welche der Menschen Werke begräbt."

Ich konnte nicht anders, ich musste etwas über den Eifer der guten Frau lächeln, mit welchem sie von den zwei aufgefassten Auszügen sprach. Ich sah noch den alt französischen Geist darin, wo artige Weiber alles beurteilten. Emilie bemerkte aber mein Lächeln: ein Schimmer von Rosenfarbe überzog ihr Gesicht, ich war bange, ihr Missvergnügen verursacht zu haben, und wurde in Wahrheit mehr verlegen als sie es sein konnte; auch dieses bemerkte sie, und sagte freimütig:

Lächeln Sie nur ganz offenherzig, ich weiss wohl, dass Ihr Männer Eure Sprachkenntniss und alten Schriftsteller wie Heiligtümer betrachtet, welche wir guten Geschöpfe nicht berühren sollen. Wattines lächelte auch, als ich mit ihm davon sprach. Er war aber aufrichtiger als Sie, und sagte wie zu einem vorschnellen guten kind: ich sehe darin, dass der Winter in Homers Vaterland nach den ewigen Gesetzen der natur dieser Jahrszeit sich zeigte, wie in den kalten Gegenden von England. Ich fühlte diese Wahrheit, und liebte die Betrachtungen des englischen Philosophen je mehr ich seine Landessprache kennen lernte, desto inniger, ja Tomson war auch mein Freund, weil ich in mir Sympatie mit ihm fand, da er alles was vom Himmel auf die Erde kommt, rein und schön nannte. Er wurde mir mehr als Homer durch seine edle Bitte an Gott:

"Vater des Lichts und des Lebens! lehre du mich was gut ist, fülle meine Seele mit Einsicht, mit innerem Frieden, mit reinster Tugend, mit heiliger, wesentlicher und nie welkender Wonne."

Diese anhänglichkeit an das universal Magazin und der lange Auszug welchen die liebe Frau gemacht hatte, bewogen mich, das Heft zu begehren. Sie ging und brachte alle. In allen waren die Stücke der Betrachtungen bezeichnet. Sie machte auch im Febr. 1796 die über den Schnee. Sie ist in Wahrheit sehr schön. Als ich nun sagte, dass ich mir diese Monatsschrift selbst anschaffen wollte, und gewiss nie vergessen würde, bei welcher gelegenheit sie mir bekannt wurde, sagte sie mit Würde und Freundschaft:

O es wird Sie immer freuen, das vortreffliche Werk zu besitzen, wie es mich freut, dass Sie es bei uns kennen lernten, und bei jeder Betrachtung über die Güte der natur, auch an die zwei g u t e n W a t t i n e s in Amerika denken werden.

Diese Aeusserung überraschte mich. Ich ward durch das Bild meiner Entfernung von diesen wirklich guten Menschen bewegt, wollte nicht in gerührtem Tone sprechen, und lobte nur Emiliens Fleiss im Lesen, ihren Geschmack an Kenntniss, und ihre Bemerkungen. Sie lächelte und erwiderte ganz heiter:

Meine Bemerkungen bei dem Lesen auf der Insel machten sehr oft meinen Wattines lächeln, schafften mir aber auch die Freude, von seinen eigenen Gedanken unterrichtet zu werden, wie es einst bei der sehr ernstaften gelegenheit geschah, da er mit mir von den wesentlichen Verdiensten aller Wissenschaften sprach, wo natürlich auch Sittenlehre vorkommen musste, und ich sagte: ach Männer! warum habt ihr in so vielen Jahrhunderten die Gesinnungen und das Betragen der Menschen gegen einander, wovon das Glück des Lebens für alle abhängt, nicht unter so unwandelbaren Gesetzen befestigt, als die Regeln Eurer Sprachen, Eurer Geometrie, Matematik und Künste! Mein guter Carl lächelte, wie Sie bei meiner Aeusserung über Tomson und Homer, sagte aber bald, und wie mich dünkte seufzend: ich fürchte, gute Emilie! das konnte nicht sein, weil in der moralischen Welt der G e s i n n u n g e n unserer Seele vollkommne F r e i h e i t ist; aber für das was wir t h u n w o l l e n , hat unsere sinnliche Welt G e s e t z e , diese werden schwer gemissbraucht, F r e i h e i t immer.

Ich wollte, sagte sie, nicht weiter gehen, denn n i e , ach nie hörte ich ihn das Wort Freiheit aussprechen, oder von andern in seiner Gegenwart nennen, ohne zu bemerken, dass seine Seele an den grausamen gang der französischen Freiheit dachte und er dann litte.

Auch ich konnte nun diese liebenswürdige Frau

weder lange fragen, noch Auslegungen über die geäusserten Gedanken ihres Wattines vorlegen, besonders da er alles, selbst das Ernstafte so leicht und artig einkleidet, dass es natürlich seiner Frau stets das beste und vorzüglichste sein muss, und auch, weder das gründliche noch schwankende seiner eigenen Ideen auf der Insel Oneida, keine besonderen Folgen haben konnte. Aber indessen bekommt Wattines Geist und Charakter immer mehr anziehendes für mich, so dass ich mit äusserster Sorgfalt alle Züge davon zu haschen suche: noch mehr, es liegt mir unendlich stärker daran, zu bemerken, auf was für eine Art er sich bei seiner Frau in dem unterrichtenden Tone zeigte, als zu beobachten, was er für mich oder andre Männer sein möchte; denn da, wo wir uns unter einander zeigen, durchdringen wir uns sehr oft bei der schwachen Ecke, Lustigkeit, Unmut, Eitelkeit oder Leidenschaften, verraten uns auch eher als wir denken. Nun wird Wattines seiner Frau keine Ideen geben, die er nicht gern in ihrem geist einheimisch sehen möchte. Sie spricht mit