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, den Anlass zu Emiliens so schön sympatisirender Trauer. Sie lächelte hier ruhig und sprach von dem so neuen und rührenden Gedanken des deutschen Gedichts, mit so viel Empfindung und klarheit, dass ich an die Harmonie schöner Seelen glauben müsste, wenn ich auch niemals davon gehört oder eine Ahndung gehabt hätte; denn der Auszug, welchen diese Frau, von dem tief moralischem und schönen mütologischem Sinne von Schillers Gedicht, in ihrer Landessprache machte, war eine neue herrliche Abbildung von dem Originalideen in französischen Glanzflor gehüllt, der die Farben nicht verlöschte, sondern nur etwas dämmernd schimmern machte: ich staunte daneben über die Stärke und Feinheit des Geistes dieser Frau, indem sie, um ihren Mann zu schonen, mit keiner Sylbe die Erinnerung an ihre verlornen Freunde berührte, und nur von der sanften Wehmut sprach, welche ihr das Gedicht einflösste; so wie das Mitleiden für die teutsche Mutter ihre Seele erweichte und ihre Liebe für Carmil erhöhte.

Wattines nahm nun das Wort und sagte: alles was ich von dem Inhalte dieser Poesie höre, macht mich bedauern, dass ich es nicht im Original lesen kann; aber es erinnert mich auch an einem meiner LieblingsSchriftsteller unserer Nation, Bernardin de St. Pierre, welcher, setzte er gegen mich lächelnd hinzu: obschon geborner Franzose, dennoch eine schöne Abhandlung über das Vergnügen der fühlbaren Seele bei den Gräbern schrieb; nun besann er sich ein wenig, und sagte zu mir: wir wollen dieses Stück einmal auf der Insel lesen.

Dieser Vorschlag freuete mich, denn da konnte ich nach der S t e l l e v o n d e n G r ä b e r n fragen. Unsere folgenden Unterhaltungen waren nicht von so rührender, aber doch nicht minder angenehmer Art, denn sie betrafen die Antworten auf meine fragen, über ihre Herbst- und Wintertage. Wattines sagte: an diese gewöhnen sich Europäer nur mit der äussersten Mühe, indem Amerika nur drei Jahrszeiten hat, Sommer, Herbst und Winter; vom September bis November ist das Clima paradiesisch, aber wie im November die Blätter fallen, so kommen kalte, abgesetzte Regengüsse und Schneegestöber, Nordwestwinde führen um Weihnachten den strengen Winter über das ganze Land, die Erde wird hoch mit Schnee bedeckt, die Lust zu Eiss; aber der Himmel ist reiner Azur. Unsere Blicke, Wünsche und Bitten konnten stets, ohne von Nebel oder Wolken aufgehalten zu werden, zu unserm Urheber in die Höhe steigen, denn die Sonne leuchtet täglich hervor. Anfangs Mai schmilzt der Schnee und acht bis zehn Tage nachher, stehen Bäume, Felder und alles in Flor.

Diese Beschreibung freuete mich sehr für die guten Wattines, denn sie sahen also doch in ihrer tiefen Einsamkeit, zwischen den entblätterten Bäumen und Gesträuchen hindurch, – wie der Abbe Reirac in seiner Hymne sagt:

"Alle Tage einen stets warmen Freund, die S o n n e ."

Als nun Wattines zu seinen Geschäfften eilte, nahm Emilie die Fortsetzung des Erzählens auf und sagte: unser Herbst und Winter wurden auch schön durch neuen Kunstfleiss, bei Lichtern und Lampen, für mich aber durch Wattines freigebige Mitteilung aller seiner Kenntnisse.

Ich fragte nach dem Kunstfleisse, welcher für mich immer viel Anziehendes und Schätzbares hat, hier aber um so mehr hatte, wenn ich bedachte, dass weder Wattines noch seine Frau zu Mangel geboren, oder zu rauher Handarbeit erzogen waren. Aus den Bibern, Fischottern und fetten Vögeln, welche er gefangen hatte, kochte Emilie das verschiedene Fett sorgsam aus, und mengte es mit dem Vorrate Oehl, welchen sie mitbrachten. Die Dochte verfertigte sie aus äusserst schmal geschnittnen Streifen Mouselin, von einigen Halstüchern, welche sie dann zusammen drehte, Lampen- und als sie im zweiten Jahre Wachs genug hatten, und es zu behandeln wussten, auch Kerzdochte davon machte: Wattines aber, um den starken Lampendampf abzuziehen, erbaute, nahe an der Wand, von Ton einen kleinen Rauchfang, welchem er einen guten Zug zu geben wusste. Was für eine Wohltat in den langen Winternächten, wo Lesen und Arbeit der einzige Genuss von Erleichterung ihrer Not und des schrecklichen Wehs, der langen Weile war. Ihre ihnen Eier gebende, bis zu 15 Stück angewachsene Hühner, wohnten des Tages mit in ihrer stube. Wattines hatte sich einen Weg zum Fischen und Wasserholen offen gehalten, wodurch der Wechsel unserer speisen, wie auch die Mittel zu unserm Honigwasser und der Reinlichkeit gesichert war. Unser Flachs, sagte Emilie, war gut geraten, und noch in den letzten Herbsttagen ziemlich bereitet. Ich spann ganz artiges Garn, Wattines etwas starkes. Hier verliess sie mich, und kam mit zwei Spindeln voll Garn und einer Handvoll Flachs zurück. Sehen Sie! da sind noch Reste von unserer Arbeit, und Spindeln welche mein Wattines so nett und mühsam schnitzelte: dass er Netze stricken konnte, berühre ich nicht, denn dieses muss ja immer ein guter Jäger verstehen, aber das Garn dazu verfertigen, lehrte ihn die Nymphe des Hayns auf der Insel Oneida. Ich bezeugte ihr meine Freude dieses alles gesehen zu haben, und bat sie, mir Flachs, Garn und eine Spindel zu schenken. Sie bewilligte es gerne, ich dankte und setzte hinzu, ach! was für Erinnerungen ruft Ihnen diese Arbeit zurück! sie erwiderte, o diese Tage waren süss, denn Hoffnung der Rückkunft unsrer Fischer war damit verbunden. Wir arbeiteten bald in die Wette, dann auch unter wechselseitigem Lesen.

Da ich den eigentlichen Unterschied zwichen der männlichen