mit Mooss bedeckten Sitze auf dem Belvedere, entstanden von der aus den Gräbern gehobenen Erde, und die zwei etwas tiefer liegenden Blumenbeete zwischen den Pappeln sind die von uns selbst verfertigten Ruheplätze; denn da ich die idee, dass Wattines meinen Körper in den See bringen sollte, ganz aufgegeben hatte, und wir viel vom tod sprachen, erneuerte sich in meinem Gedächtnisse die Vorstellung, welche meine vortreffliche Mutter mir einst nach einem alten Schriftsteller von dem Bilde des Todes gab: dass er weit entfernt, von der schreckenden Gestalt eines Gerippes, als mächtiger, liebreicher Genius, die Strasse des Lebens auf- und abschwebe, um die von Kummer und Leiden ermüdeten Sterblichen zur Ruhe des Grabes zu tragen; da forderte ich meinen Carl auf, einmal die Stelle dieses Genius zu vertreten, und mich vom Kampf ermüdet in mein letztes Bette zu legen. Er versprach es mit Zärtlichkeit, und ich bat ihn, meinen Grabhügel mit unsern Lieblingsblumen zu schmükken, wie er stets während meinem Leben die Gegend meines Aufentalts mit dem Flor der Jahrszeit verschönerte.
Den kommenden Frühling fand ich die Gruben, und die zum Decken der Verstorbenen bestimmte Erde, mit feinen wohlriechenden Kräutern und holden niedrig wachsenden Blumen, wie mit einem Teppich überzogen. Als Wattines mich bei diesem Anblicke so dankbar gerührt sah, betrachtete er meine ganze Gestalt mit aufmerksamer Liebe, und sagte, indem er mich an seine Brust drückte: wenn meine so angenehm blühende Emilie hier dahin welkt, so soll sie auch nach ihrem Wunsche von mir zur Ruhe gebracht werden, und hier in dem Schoosse der Blumengöttin schlafen.
Dieser unerwartete Gedanke erhöhte meine Gemütsbewegung, ich umarmte Wattines und sagte: Lieber wie schön und gütig ist dieses. Nun erzählte er mir, dass er diese idee einer Reise nach Berlin danke, als es Mode war, die Revue der Armeen des grossen Friedrichs zu besuchen, hätte er in den prächtigen Garten zu Sans-Souci, die so vortreffliche idee ausgeführt gesehen, dass Flora in anmutsvoller Stellung daliegend, ihren Kopf auf eine Hand gestützt mit lächelnder Miene auf einem grab schläft; wodurch der grosse Mann in dem herrlich gearbeiteten Marmorbild, nicht nur den sanften Schlummer des Todes anzeigte, sondern den edlen tröstenden Sinn des Wiederauflebens und Auferstehens zum ewigen Frühling damit verband. Sehr artig setzte Emilie hinzu: finden Sie nicht, dass ich recht hatte zu behaupten, lange Einsamkeit schafft Erscheinungen bei frommen Seelen in Klöstern und bei liebenden Unglücklichen auf der Insel Oneida?
Ich fasste den gang des Gesprächs auf, indem ich sagte, dass die Vorstellung des Sterbens, der Trennung und der andern Welt, zu allen zeiten auf schöne gefühlvolle Seelen wirkte: bei den Griechen das Bild von Elysium, und bei den Christen das von himmlischer Seligkeit hervorbrachte, so wie Liebe und Freundschaft die Denkmähler der Verstorbenen errichtete, und fügte hinzu, dass diese Empfindungen, und selbst ein Spiel des Zufalls mich in den Stand setzte, ihr von mir selbst, und in Personen meiner Nation ganz neue Beweise von dem Einflusse zu geben, welche die Erinnerung an Grab und geliebte tote, immer haben würde; Sie forderte mich auf, ihr das alles bekannt zu machen: ich suchte nun in meiner Briestasche das kleine Gemälde eines mit V e r g i ss m e i n n i c h t bepflanzten Grabes, welches mir um eines unvergesslichen Freundes willen so wert geworden war, weil er diese Blümchen vorzüglich liebte, und ich dem Andenken dieses geliebten Freundes zu Ehren, sehr oft zwischen Lerchenbäumen einen schmalen Bergpfad bestieg, wo Schloss und Garten der Grafen von Stadion lag, um den teil der Anlage zu besuchen, wo zwischen hohen grünen Wänden ein einsamer Springbrunnen lag, dessen Wasserbecken mit einem zwei Schuhe breiten Kranz von tausend und tausend V e r g i ss m e i n n i c h t umgeben war. Dort wo ich in früher Morgen- oder in der Abendstunde bei Auf- und Niedergang der Sonne, das Haus sehen konnte, in welchem er geboren war, unser Franz von la Roche, welchen wir in der vollen Blüte von männlichem geist, Tugend und Gestalt verloren. Ich zeigte Emilien die Einfassung, welche meine schätzbare Baase von dem aus diesem Kranze gepflückten Blümchen, um den Nahmenszug meines Freundes machte; dieser Kranz, wo sein schönes Auge diese Blümchen zuerst sah, und sein noch schöneres, zur edelsten Freundschaft gebildetes Herz, sie zuerst lieben lernte. Ich bekenne, dass ich mich in diesem Andenken ganz verlor, aber doch bemerkte, dass Emilie mir gerne zuhörte, und als ich ihr von der Betrachtung sagte, welche ein edler Teutscher über die V e r g i ss m e i n n i c h t schrieb, so wollte sie den Inhalt kennen.
"Es ist als hätte die natur überall die V e r g i ss m e i n n i c h t als ein Memento für das Herz hingesäet, denn wo ist der Mensch, dem nicht irgend in der Schöpfung etwas zurufe: v e r g i ss m e i n n i c h t ? Das gefühlvolle Mädchen drückt dem scheidenden Jüngling die Hand, v e r g i ss m e i n n i c h t ! die Mutter dem Sohne, der Freund dem Freunde, v e r g i ss m e i n n i c h t ! Wehe dem Unglücklichen der in der weiten Welt nichts gefunden hat, woran ihn dieses Blümchen erinnern könnte! doch