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Hirsche, Rehe, Haasen und zahme Schweine liebe, also waren mir alle oben benannte, im wald und dem Garten zu viel; die PelzTiere, als: Waschbären, Marder, Fischotter, Bieber, Caninchen, will ich wegen ihren wärmenden Fellen, und wegen dem Nutzen der Handlung gerne dulden; wildes Geflügel söhnte mich etwas mit den rauhen Waldbewohnern aus. Fasanen, Kalkutten, PurpurDrossel, Schnepfen, Lerchen, Wachteln, Perl- Rebund Birkhühner, Wander-Tauben, welche sich auch von Eicheln nähren, und des Jahrs viermal kommen, leicht zu fangen sind und delicates Fleisch haben, und die Wander-Drossel, sind alle in wohltätiger Menge da. Aber wie diese Erde in allem ein Gegengewicht hat, so gibt es auch alle Arten Raubvögel: Falken, Adler, Eulen, Krähen, ja einen, der den schrecklichen Namen: Menschenfresser, hat. Hingegen wieder alle wahrhaft liebenswürdige Wasservögel: Schwanen, wilde Enten und Gänse in reichem Ueberflusse. Die Zucht zahmer Gänse aber, wird in den niedern Gegenden, durch ein mir verhasstes geschöpf, die Schildkröten gestört. – See- und Fluss-Fische haben alle Provinzen in Uebermass; diesen Auszug habe ich wegen Ihnen und mir selbst niedergeschrieben. Ebelings staates-Calender von Nordamerika belehrt Sie noch besser in Allem, und ich gehe nun nach dem berühmten Philadelphiawirklich eine der schönsten Städte alter und neuer Welt. Ihre breiten geraden Strassen, mit den abgesonderten Wegen für Fussgänger, welche alle Nächte beleuchtet sind; wasser-Rinnen, Brunnen, zierliche Häuser und die, wie in London, reitzenden Kaufläden, und Reinlichkeit; – aber wie sollte sich Penn wundern, die völlig europäische Pracht, in Equipagen, Hausrat, Kleidung, Gastgeboten und allen Belustigungen zu sehen! – Es ist ohnmöglich, Ihnen einen Begriff davon zu geben. Die Gegend, der grosse Fluss Delavare, der Shulkyl, alles erregt Staunen, und gibt dem Begriff von Schönheit mit Grösse vereint. Nur muss ich bekennen, dass mich diese Pracht schmerzte; dass die idee von Penn mich verfolgte, und dass, nachdem ich viele Wanderungen gemacht hatte, der lebhafte Wunsch in mir entstand: E u r o p ä e r in einer neuen Anpflanzung zu sehen; um nach dem so vollkommnen Philadelphia und den schönen Garten von Jersei, ganz wilde natur und erste arme Holzhütten zu betrachten. Ich sprach in ein Paar Familien davon, und wurde angewiesen, nach dem in Neuyorks Gebiet liegenden See Oneida zu reisen, wo ein teutscher Kaufmann, Scriba, eine grosse Strecke Landes gekauft, und einen seiner Freunde aus Holland überredet habe, sich bei ihm ein Landgut anzubauen, und die Colonisten anleiten zu helfen, welche er hinführe, um nach dem Bedingnis des Congresses, in zehn Jahren eine Stadt errichtet zu sehen. Diese Leute wären noch nicht lange hingezogen, bei diesen könnte ich meine Neugierde vollkommen befriedigen. Die Jahrszeit war schön, ich bekam von einem schätzbaren Mann Emphelungsschreiben, nahm einen braven jungen Zimmermann, der auch neues Land suchte, mein Bett und andre Bedürfnisse mit mir, und machte mich in einem gemächlichen Fuhrwerke mit einem braven Philadelphier, welchem dieser Weg bekannt war, mit grossen Freuden reisefertig. In Wahrheit, das Auge des Philosophen geniesst viel, bald an prächtigen Flüssen, bald durch unermessliche Wälder, längst hohen Bergen und engen Tälern hin. Anfangs noch einige artige Dörfer, dann abgesonderte Wohnungen, in welchen die Menschen weise genug sind, ihr Glück in Gemütsruhe und in der natur zu suchen. Wir waren bei einem dieser einsamen Pächter über Nacht, der ehemals in einem Städtchen wohnte und mir sagte:

"Wie wohl ist meiner guten Frau und mir, bei unserer täglichen Arbeit, welche uns Statt Besuche, und Abends die versammelte Familie Statt grosser Gesellschaft dient; das Gewühl der Städte hat keinen Wert für uns, – wie oft sagen wir: Bäume verläumden nicht, und verführen unsere Töchter nicht." – – – –

Wie soll ich aber meinen Freunden das Staunen schildern, in welches meine Einbildungskraft, meine Vernunft und meine Gefühle versetzt wurden, als ich in dem, wenig Tage vor meiner Ankunft, durch Ahndung errichteten L o g h o u s e oder Holzhütte ankam, welche Herr Scriba mir und meinen gefährten einräumte, nachdem er mich seinem Freunde Vandek und seiner eigenen Familie vorstellte. Die lange, 400 englische Meilen daurende Reise; alle Naturscenen von Gebirgen, Flüssen, Seen, unabsehbaren Flächen, seit Jahrhunderten nur vor Gottes Augen geblühter und verwelkter Millionen Pflanzen und grünen Wildnissen, an welchen ich vorüber gekommen; der Anblick des 18 Stunden langen See's Oneida, in welchem die Stralen der niedergehenden Sonne eine lange Feuersäule bildeten, welche sich längst einer Insel, an den Ufern des festen Landes ausdehnten, und die hölzernen Häuser der Europäischen Ansiedler beleuchteten; die, in dieser weiten Einsamkeit, feierliche Stille, zu welcher ich, von dem geräuschvollen Philadelphia an, durch bewohnte und unbewohnte Gegenden gelangt war, hier wo man nicht einmal die Räder meines Wagens tönen hörte. – Alles dieses hatte schon auf mich gewirkt; ja es erschien mir die idee meiner Freunde in Europa, in einigen dunkeln Vertiefungen der Wälder, mit dem Gefühl: ach wie weit bin ich von ihnen, dem Aufentalt einer Menge von wilden Tieren, und vielleicht auch wilder Menschen gegen über! An dem See aber frenete ich mich innig, zu deutschen zu kommen: lebhafte Neugierde führte sämtliche Hüttenbewohner, welche von der Feldarbeit