oder mit Verachtung ansah, sondern immer bedauerte; so dass ich meine beschwerliche Arbeit nicht als Strafe ansehen durfte. –
Mich dünkt, meine Freunde! Sie müssen nun die beiden freiwillig Verbannten eben so sehr lieb gewinnen, als ich selbst.
Ein paar Tage nach dem Schreiben der letzten Blätter ging ich mit Frau von Wattines am See spatzieren. Ich sprach von ihrer Familie, durch welche mir dieser teil von Amerika unvergesslich bleiben würde, und dass ich selbst in meinem vaterland oft nach dem See Oneida zurückblicken würde. Ich weiss nicht, dachte die holde Emilie, dass ich auf dem Wege sei ihr etwas Galantes zu sagen, und mir eine Sperre machen wollte, indem sie sogleich das Wort auffasste und sagte: ich liebe ihn sehr den guten See. Er verschönerte nicht nur unser Leben durch seinen Anblick, sondern auch durch unsern fisch- und Endtenfang und die vielen Arten Wasservögel, welche wir auf ihm sahen. Wattines gab mir auch ihre geschichte zu lesen, und dieses machte mich sehr glücklich, denn er hatte bis gegen den Herbst immer nur die Bilder einsamer Liebenden und die Naturgeschichte von Bäumen und Pflanzen in unserm Büchervorrate aufgesucht. Ich fand es natürlich, weil alles, was zur Nahrung gehörte, ihn zuerst anziehen musste, aber ich bemerkte auch, dass er mit einer Art von Sorgfalt vermied, von Poesien, Comedien und andern Schriften der schönen Litteratur zu sprechen, und ich suchte bei erster gelegenheit die Ursache zu erforschen.
Der Anblick vieler Schwanen und ihrer Spiele reitzte mich, ihre geschichte zu wissen, Wattines war bereit und sagte, meine Emilie hat recht, wir leben in der einfachen natur, wir wollen sie ganz kennen lernen und unsern Büffon lesen. In diesem Moment war Wattines zu uns gekommen, und hatte das letzte gehört. – Er sagte:
Emilio war bei einer Erläuterung: ja, sagte sie, aber sie ist zu Ende, wollte auch nicht fortsprechen, sondern ging nach haus, da nahm Wattines das Wort und sagte:
Emilie will nicht von sich reden, weil sie mir bei diesem Anlasse ihren Geist auf einer ganz neuen Seite zeigte, denn nachdem ich Büffons Naturgeschichte zu lesen vorgeschlagen hatte, setzte sie sich lächelnd zu mir, und sagte mit ihrer Miene: nicht wahr, Lieber! du wolltest bisher nicht, dass ich an Europa und sein geselliges Regentenleben zurück denken sollte, deswegen hindertest du immer das Lesen der Menschen-geschichte, wegen der idee von Menschen-Gesellschaft. – Ich war in etwas verlegen, und blickte nur traurig nach ihr, Sie umarmte mich und erwiderte: guter Carl! du hattest nicht ganz unrecht, die dadurch entstehende Rückerinnerungen oder Wünsche zu besorgen, weil dir deine Emilie nicht ganz bekannt war: vergieb mir den Stolz dieses zu sagen, und lass mich die Betrachtung beifügen, dass der Weg welchen du nahmst, nicht der sicherste war; nicht allein weil Evens Kinder immer das Verbotne und Versagte lieben; sondern wenn meine Seele an das Bild des geselligen Lebens geheftet gewesen wäre, so würden ja schon Bücher an sich, und nun Büffons Beschreibung von den Kunstfähigkeiten und Sitten der Tiere, seine Kenntniss und seine Feder, mir die allein in grosser menschlicher Gesellschaft erlangten Verdienste zurück gerufen haben; denn Lieber! diese Einsamkeit konnte keinen Büffon hervorbringen. Vereinte Kräfte des Geistes vieler Menschen bildeten ihn. Hast du mich nicht selbst gelehrt, dass von den geschafnen Wesen keines einzeln wirken kann, dass ein Lichtstrahl keinen heitern Tag, ein Wassertropfen keinen fruchtbaren Regen geben kann, dass viele Feuerteile vereint werden müssen, um uns zu wärmen, und nun hier unser schottisches Brod zu backen, so wie unzählbare Sand- und Staubteilchen dazu gehören, die Stellen unserer Aecker zu füllen?
Mit liebevollem Ernst setzte sie hinzu: Sammelten wir nicht auch in der Gesellschaft, wo wir ehemals lebten, die Kräfte, mit Nachdenken und Zufriedenheit alles zu tragen, zu entbehren oder selbst zu schaffen? aber ich bekenne das Alleinleben drückte mich bei Erinnerung an genossene Vorteile in der geselligen Menschen-Verbindung doch nie so schmerzhaft, als wenn ich dich über deine Kräfte arbeiten, und das tun sah, wozu in einer Stadt oder einem dorf mehrere Personen erfordert würden, und dann Gott bat um Nachbarn; aber heute bitte ich meinen Carl, schätze sie genug deine Emilie und ihre Liebe, um mit mir von dem Vergangnen und Gegenwärtigen, bei jedem Anlasse offenherzig zu reden, und lass uns mit Klugheit und Ruhe unsern Bücher-Vorrat geniessen; welches dann auf die Regentage, und die nun näher kommenden langen Winterabende beschieden wurde. Emilie suchte für sich zu lesen, alle Artikel auf, welche ihr kleines Hauswesen betreffen konnten: Bienen, Hühner, Eier, Mais, Oehl, welches sie aus den Körnern der Sonnenblumen zu erhalten hoffte, das Verwahren der Gemüs-Pflanzen u.s.w. Wattines aber brachte beinahe zwei Monate zu, um eine brauchbare kleine Oehlpresse mit ihrer Schraube zu verfertigen, während Emilie auf ihrer Seite nachdachte, ob nicht aus diesen Körnern das Oehl durch Zerstampfen und auskochen gewonnen werden könnte.
Ihre Flachserndte freuete sie unendlich, weil sie nun sicher war, Strümpfe verfertigen zu können. Wattines half ihn nach der Vorschrift in ihren Büchern bereiten, und klopfen. Er machte auch von starken Drat, welchen er spitzte, eine Art von Hechel, um den Flachs etwas fein zu kämmen, aber der Drat bog sich, und das erschwerte die Arbeit; da kam Emilie aus ihrer armen