wohnen verlangte, 100 Taler bezahlen; mein Bette, Wein, Zitronen-Saft in Bouteillen, gesalzne Butter, dürre Zungen und Würste, feinen Zwieback, Zucker, Caffee und Mandeln mitnehmen, welches mir auch wieder so viel kostete. Das gewöhnliche Essen besteht in gesalzen Rindfleisch, Stockfisch, Bohnen und Grütze.
Ich eilte meine Reise fortzusetzen, und verliess Baltimore zwei Tage nach meiner Ankunft, um sogleich neu-Jersei aufzusuchen, welches mir als der Garten von Nordamerika bekannt war: ein Ausdruck der auf mich wirkte, wie die Benennung der Bergstrasse, als Garten von Teutschland, in unserm Europa mich eher anlockte, als das schöne Mannheim; – so durchreiste ich Jersei ehe ich Philadelphia besuchte, und wahrlich ich staunte bei jedem Schritte meines Pferdes in den prächtigen Kornfluren, und zwischen den vielfachen Kräutern, die so üppig da wachsen, und die Erde mit dem lieblichsten Grün schmücken. Mein mir seit meiner englischen Reise so wertes Ferren-Kraut, stand in höchster Schönheit; das zweiblättrige KolbenKraut, Indian Grass, typha latisolia, wovon man die Saamen-Woll benützt, und aus den Stengeln geflochtene Sachen macht, traf ich in der höchsten Vollkommenheit an. Diese Freude über die Pflanzen-Welt wurde für mich dadurch erhöht, weil ihre, mehr als anderwärts, herrlich grüne Farbe, den Eisenteilchen des Bodens zugeschrieben wird. Sie wissen, dass ich Eisen mehr als andre Metall-Arten schätze, ich freute mich also, dass mein, allen Menschen so nützlicher, Liebling, in seinen kleinsten Teilen die Gabe der Verschönerung zeigte: die Menge prächtiger weisser Cypressen, welche zu tausenden, 120 Schuh hoch wachsen, und ihren Sümpfen den Namen; CypressenSümpfe gaben, würden Jersei allein reich machen können, weil dieses Holz so dauerhaft zum Schiffbau, Zimmerholz, Bretter, Stäbe und Dachschindeln ist. Magnolia, Wallnüsse, rote Cedern, Eichen, SommerLorbeer, roter Massholder zu Tischlerarbeit, Buchen, Eschen, wilde Castanien, der blumigte Fischerbaum, Accacia, Ulmen, Pech-Kiefer, P e r s i m o n , der eine Art Mispel trägt, aus welcher man eine Gattung leichtes Bier braut. – – – O, meine Freundin! wie glücklich machte mich die Pflanzen-Welt, wovon ich die Beschreibung der Bäume meinem Freunde, die schönen fruchttragenden Sträuche aber Ihnen weihe. Sie haben nie solche Heidel- Johannis- Moos- Erd- und Brombeeren gesehen, so wie mir die an den Bäumen sich aufschlängelnden Fuchs-Trauben, ganz unbekannt waren, welche sehr klein, in ihrer Blüte einen herrlichen Geruch verbreiten, essbar sind, Wein geben, und deren gedörrte Beeren zu Backwerk dienen. Dieses Gewächs werde ich suchen in Ihren und meinen Garten zu pflanzen, so wie das hanfartige Apoeinum, aus welchem schon die Indier Stricke, Säcke und Dekken machten. Ich hatte jetzt die mächtigen Schifftragenden Flüsse: Hudson und Belavare gesehen, welche Jersei der Länge nach von Pensilvanien abschneiden. Nun ging ich nach dem Wasserfall des Passaik, welcher in einem, auf der Höhe liegenden Moor entstand; aber nach einem langsamen ruhigen Lauf zwischen zwei Reihen mit Kiefern bewachsenen Bergen stellte sich ihm auf einmal ein grosser Fels entgegen und hemmte seinen gang. Der Druck des Wassers sprengte den Fels bis in die Tiefe, nun stürzt der Fluss durch eine 30 Fuss breite Spalte 70 Schuh hoch in einen grundlosen Schlund, in welchem er sich von dem Falle zu erholen scheint; dann ohne das mindeste Brausen zwischen den Steinmassen hervorkommt, und sich als stillfliessender Strom verbreitet, welcher auf der Abendseite durch ein hohes Ufer eingeschlossen wird, von dessen Höhe man die schönste Aussicht nach den fruchtbaren östlichen Flächen hat. Jersei ist meist von Holländern und Engländern angebaut, welche den Geist der Ordnung und Nettigkeit ihres Vaterlandes in allem zeigen.
Denken Sie, was für einen ergötzenden Anblick dieser Fleck der fruchtbarsten Erde dem Auge gewährt. Mais, 8 Schuh hoch, viel von meinem lieben wilden Spargel dazwischen; Buchweizen, der zu Kuchen, sonst aber wie Hafer zur Fütterung gebraucht wird; tausend Weizen-Felder, welche Korn und Mehl zur Ausfuhr liefern; R o g g e n , der unter Mais-Mehl gemischt, ein gutes Brod gibt, welches von allen Einwohnern gebraucht wird; Erbsen, aber sehr wenig, weil ein in Amerika eigenes Insect, B r u n u s genannt, sie zerstört, hingegen wird sehr viel Gerste gebaut: Obst- und Küchen-Gärten im höchsten Flor: WasserMelonen gibt es so viel, dass im Sommer die Feldarbeiter sie, wie es in Italien üblich ist, zum Labsal erhalten; grosser weisser Winterkohl, Artischocken, alle Arten Rüben, Bohnen, Zwiebeln, Knoblauch, Salatkräuter, Raute, Salbei, Senf, besonders eine Menge der schönsten Aepfel, von welchen der vortrefflichste Cider gemacht wird: jeder Bauerhof hat auch seine eigne Presse; Pfirsiche werden häufig zu Branntwein und zu Schweinsmast gezogen, Kirschen, Birnen und Wallnüsse in Menge; da man weiss, dass die europäischen Obstbäume früher blühen, als die amerikanischen, so hat man viele gepflanzt. Sie können leicht denken, dass mir diese Aussicht und dieser Wasserfall eine ausserordentliche Freude machten, aber die Nachricht, dass die waldigten Teile dieses Gartens von Panter, Tieger, Wölfen, Luchse, Bären, roten und grauen Füchsen bewohnt waren, und noch sind, machte mich etwas ernst und missmutig. Meine Freundin weiss, dass ich von allen vierfüssigen Tieren nur Pferde, Rindvieh, Schaafe,