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meine gefasste Entschliessung: er umarmte mich äusserst gerührt, sank auf seine Knie, bat Gott um Leben, Trost und Glück für mich, um Stärke und Weisheit für sich selbst, um für mich zu sorgen, und meine Liebe zu lohnen. Ich war neben ihn gekniet, konnte nicht reden, ich weinte und mein Herz betete. Wattines stand zuerst auf, half mir und umfasste mich mit einem arme, erhob den andern und seine schönen Augen gegen den Himmel, und als ob er einen Eid ablegte, sagte er:

Ja ewiger Vater! du sollst auf deiner ganzen Erde keine bessere Kinder sehen, als uns. Einige der letzten Stralen der sich unter die fernen Ufer des See's senkenden Sonne, beleuchteten in diesem Moment seine Züge, unsere vereinten Schatten erstreckten sich über die Felder hin, und alles das ward mir sichtbares Zeichen von Beifall und Segen unsers Gottes. Von da an war Resignation der Grund meines Wohls.

Wattines sagte, als wir Abends von der Entdeckung des Bienenbaums sprachen, dass gewiss kein Kaufmann von Amsterdam ein höheres Maass Freude empfinden könnte, wenn ein für ihn beladenes Schiff aus Ostindien glücklich anlangte, als er bei der Entdekkung eines kleinen Bienenschwarms, an der Höhle eines nicht gar hohen Baums empfand. Wir mengten von dem Honig aus der Wawe unter unsern Abendtrank, waren glücklich einen Ersatz des Sprossbiers vor uns zu sehen, und Wachs zu Lichtern zu hoffen. Wattines musste mir versprechen, dass ich den wohltätigen Bienenbaum bald besuchen sollte.

Den zweiten Tag ging Wattines früh aus, um einige Fische zum Mittagsessen zu fangen: Emilie dünkte ihm gegen ihre Gewohnheit mit seiner Abwesenheit zufrieden. Er fand sie auch bei seiner Zurückkunft sehr heiter. Sie forderte ihn auf, dass er die Fische schuppen helfe; weil sie bei dem guten Bäume zu Mittag essen möchte, dann trug jedes einen teil der Mahlzeit in den Wald. Emilie fand den Weg schon gebahnt, weil der Mann schon zweimal hin und her gegangen war, auch mehrere Bäume zum Fällen gezeichnet hatte. Er zeigte nun Emilien den so werten Baum, und machte noch etwas Platz umher, damit sie sich zu ihrem Essen setzen könnten. Emilie schien das Tuch öfnen zu wollen, in welchem sie ihre kleine Last eingeknüpft gebracht hatte, bat aber Wattines, er möchte etwas wasser holen, weil sie dürstete. Er eilte hinweg, und fand bei seiner Zurückkunft den Bienenbaum mit einem Gewinde von Löwenzahn, wilden roten Nelken, weissen Blüten der Schaafgarben und mit schönen blauen Blumen geschmückten Sauerampfer umgeben. Diese liebliche idee entzückte ihn, weil sie ihm Emiliens heitre Zufriedenheit anzeigte, indem sie ihm zugleich sagte: ich konnte der guten Dryade, welche den Honig so wohl verwahrte, meinen Dank auf keine andre Art beweisen. Wattines bekam auch einen Kranz, und sie sagte: dass dieses die Arbeit sei, welche sie den Morgen während seiner kleinen Fischerei gemacht hätte.

Ihr einfaches Mittagsessen wurde dadurch unendlich angenehm, sie beredeten sich dann über die Art den neuen Schwarm einzufangen, welches Wattines nach der Vorschrift ausführte, und Emilie ihm getreu an der kleinen Schleife ziehen und tragen half. Wenige Zeit nachher entdeckte er auch Ton. Emilie suchte Muscheln und machte sie rein, dann kamen sie mit ihrem eisernen Kessel an einer Stange, und trugen mehrere Tage scherzend und munter, bald eine Last Ton, bald eine von Muscheln in die Nähe ihrer Hütte, zu einem hinreichenden Vorrat für ihre Arbeit zusammen. Wattines besetzte nach seinen ersten Gedanken den Fuss der Hütte schräg abwärts mit Ton, und half Emilien Vorteile finden, welche das Einsetzen und Festmachen der Muscheln erleichterte.

Da war es angenehm arbeiten, sagte sie, weil Wattines immer bei mir war, und die Lambrisarbeit anordnete, welche Ihnen so wohl gefällt und auch mich sehr freute, besonders da ich mich erinnerte, in einer Reisebeschreibung von der Arbeit einer Engländerin gelesen zu haben, welche einst zwei Vasen von Kütt machte, sie mit lauter kleinen Müschelchen von allen Gattungen besteckte, und in den Ecken ihres Zimmers aufstellte. Diese Erfindung dachte ich, durch Urnen von Ton nachzuahmen, und sie in einem dicht bewachsenen teil des Wäldchens als Denkmähler unserer geliebten Verstorbenen aufzustellen. Ich sagte es Wattines, welcher diese idee gut fand, und während er die Formen machte, und auf den Platz, wo sie stehen bleiben sollten, festsetzte, sammelte ich Muscheln. Diese Arbeit zerstreute mich, aber oft fühlte ich, dass es mehr Denkmähler meines inneren Grams über mich selbst, als die der Trauer über den Verlust meiner Verwandten waren: denn ich achtete sie glücklich. Sie litten nicht mehr, und wurden beweint: Wattines und ich lebten in Kummer, und niemand dachte unser; – doch jetzt erkenne ich, dass Beschäftigung wohltätig ist, und die Gedanken von Schönheit und Geschicklichkeit sehr wirksam sind; denn mitten in der Trauer, welche ich bei dem Anfange der Arbeit dieser Denkmähler fühlte, entstand in meiner Seele eine Art süsses Wohlgefallen, über den Entwurf, und über die Fähigkeit ihn auszuführen. Ich genoss wahres Vergnügen bei der Erinnerung, immer die Gestalten der Urnen geliebt zu haben; die Arbeit verkürzte mir die Tage, und wahre Freude durchdrang mein Herz, als Wattines mich mit Entzücken lobte; ja ich bekenne, dass die Hoffnung in mir aufkeimte, es würden einmal gebildete Amerikaner diese Aschenkrüge sehen und bewundern. Gewiss diese angenehme Vorstellung dieser möglichen Begebenheit, wurde ein grosses wohltätiges Gegengewicht meines wirklichen Elends. Liebe und Wünsche des Lebens erwachten aufs